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Rezension statt Rezession !

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Links zu den einzelnen Titeln
ANOUK - Together Alone | Alice Cooper - Billion Dollar Babies | BeeGees -This is where I came in |
| Johnny Cash - American Highway V | Dorris Dörrie - Kirschblüten Hanami |
| Fritzi Haberlandt liest das Kunstseidenen Mädchen von Irmgard Keun Hörbuch |
| George Harrison - Cloud Nine | Kadja Nin - SamboleraRingo Starr - Ringo´s Rotogravure |
| Thin Lizzy - Live and Dangerous | Ladies Talk | Kim Chong - Hellos and Goodbyes |
| Pan Tau - alle Staffeln auf DVD | Susanne Kölbl,Olaf Ihlau - Krieg am Hindukusch |
| Annie Lennox - MEDUSA | Keith Jarrett - Köln Concert | Vanessa Mae - Storm |
| Cliff Richard - The Time Machine Tour DVD | Charlotte Roche - Feuchtgebiete |
| Lou Reed - NEW YORK | Dave Stewart & Barbara Gaskin | Bossa´n´Stones | Peter Maffay - ewig |
Katy Perry - One of the Boys | Stieg Larrson - Verblendung Film / DVD | Stieg Larson - Verdamnis DVD und gleich danach Stieg Larson Vergebung DVD | BLISS - Loveprayer | Them Crooked Vultures | Prince - 20TEN | Shania Twain - For the Love of him | Ludwig van Beethoven - Siebte Symphonie | Lou Reed & Metallica - LULU | Brian May - Another World | Axelle Red - A Tatons | The Cranberries - no need to argue |

 
Sorry für die fehlenden Coverbilder und die funktionslosen Amazon-Links (da steckt der html Teufel d´rin und hat mich schon zu sehr genervt ;-)



Interpret/Komponist:     Lou Reed & Metallica
Titel:     Lulu
Tracks:     10
Label:     Mercury (Universal)

Zugegeben war ich nie ein großer Fan von Metallica. Das ganze Image zu vordergründig, Texte zu banal (erinnert sich noch jemand an die poetische Kraft eines Ronnie James Dio? "In the light of the night , in the dark of the day: Look Out!" und die Zielgruppe von "Meister der Puppen", "Ois and´re zählt nicht", "Justice for all" und die "Unvergebenen" zu klar definiert, als dass mir die Bosheit authentisch genug erschien. Es sollte nur das Identifikationssignal gesendet werden: Wir verstehen euch, wir sind wie ihr, verärgert, böse, geschunden von der Gesellschaft und dem Leben, richtige Männer, die immer noch nach den richtigen Frauen suchen, wir sind laut, sagen unbequeme Sachen, die ihr euch dem Chef gegenüber nicht erlauben dürft und ausserdem sind wir sehr gut beim grimmig schauen, tun geheimnisvoll und ziehen uns IMMER schwarz an. Hoffentlich hat jemand Angst davor.

Allerdings kann man den Erfolg anerkennen, die Konsequenz und Deutlichkeit des Konzeptes und gewissermaßen die massenkompatible Quintessenz des Metal kondensiert in dem insgesamt schlüssigen Act. Die sportliche Leistung ( 8 Minuten “Master of Puppets“ ), das bestehen am Markt ( ist wirklich nicht einfach ) sind absolute Parameter und wenn man ´mal einen Konzertmitschnitt im TV sieht, muss man ganz klar erkennen, woher der Erfolg kommt. Das ist harte Arbeit. Immer grimmig schauen, nur dreckig lachen und dann haben die ja auch total schwarze Gitarren...


Lou Reed mag ich ganz gern. Weniger aus der Zeit von Velvet Underground als er im Umfeld des Marketingmeisters Andy dem Warhol, welcher einer blasierten Oberschicht im Zuge ihres Selbstverständnisses verkappter Bohemians Suppendosen als Kunst verkaufen konnte, denn natürlich musste man als intellektueller Geist, den Fraß, mit dem das gemeine Volk abgespeist wurde, als verwerflich zur Schau stellen oder ikonisieren, oder jedenfalls konnte man darüber reden und wer weiß, vielleicht ließ sich das Punkmädchen da drüben ja mit ein bisschen Luxus überreden, wenn man glaubhaft macht, man verstehe sie. Oder war ihr das egal? Jedenfalls Lou Reed, "New York", "Magic and Loss", Soloalben sehr echt. Sehr direkt. Sehr wahr und intensiv in der Wiedergabe des Elends amerikanischer Grosstädte, Bigotterie der Gesellschaft, Aids, Drogen, was wir alles kennen, wissen und uns doch immer ´mal wieder zu Bewusstsein rufen müssen: Den meisten Leuten geht es ganz schön beschissen (hey , das reimt sich) und vor allem viel schlechter als uns. Ohne Perspektive. OHNE. Das mit seiner Stimme, und ebenso schlichten wie eindringlichen und coolen Gitarren. "You can´t beat two guitars, Drums and Bass." Da ist man schon neugierig, was der glaubwürdige Rebell, Ex-Junkie und Punkidol mit den souverän das Business reitenden Kommerzrockers zusammen noch schafft.


Geschlachtete Schaufensterpuppe auf dem Cover. Doppel-CD. Aber nur 11,99 in zentraleuropäischer Übergangswährung. Skepsis kommt auf. Na gut die machen initialen Verkaufsdruck über den Preis. Das neue, billig, geht. Booklet blätter. Skespsis bleibt. Viel Text. Grimmige, schwarz angezogene Männer sitzen nebeneinander. Lou Reed Porträt. Viel Text. Viele Seiten. Wenig eindrucksvolle Bilder der geschlachtete Schaufensterpuppe offenbar älteren Modelles, was wohl eine Reminiszenz an vergangene Grandezza vermitteln soll, als sogar Schaufensterpuppen handbemalt wurden. Das wirkt traditionsbewusst, nachdenklich und dabei doch irgendwie eines möglicherweise zum Untergang verdammten, menschlichen Herrschaftsstrebens entgegen voll kritischer Weisheit. Die Schaufensterpuppe. Offenbar Lulu. In verschiedenen, kaum aussagekräftigen Positionen. Mal mehr Gliedmassen, mal ohne. Immer mit dem toten Blick der großen Glasaugen unter Kunststoffwimpern. Aber: es geht um die Musik. Da geht das los mit perfektionistisch nachbearbeiteten Akustikgitarrenschrammel.

Der Student hätte es im Homerecording nicht sauberer machen können, um seinen professionellen Anspruch zu manifestieren. Wie gut dass es ProTools gibt und man nicht das Leben aufgenommen, lassen muss wie es ist. Rock´n´Roll ? Wegretuschiert. Es folgen irgendwie strukturell undurchsichtige Songcollagen mit Sprenkeln von Heavy Gitarren in vergleichbar unorigineller Manier. Standard , nur Standard. Sounds alle genauso perfekt, wie vorhersehbar. Nein langweilig. Zigfach dagewesen. Uninspiriert? Es muss an der Erwartungshaltung liegen. Metallica Fans aufgemerkt. Finger weg von diesem Album um größerer Enttäuschung vorzubeugen. Man weiß nicht so recht, wohin soll das weisen ? Die immer weiter auftauchenden Retortensounds wechseln sich ab, aber bieten einem weder klare Linie, noch Anhaltspunkte. Die Nummern sind nicht aus einem Guss, sondern verlaufen sich in Spielereien ohne Kraft. Irgendwie ist das anstrengend. Die Stimme von Lou Reed ist wie immer. Da ändert sich wohl nichts mehr. Man sollte wohl die Texte lesen. Vielleicht dass man dann versteht, was kann dahinterstecken? Es zieht sich. Es reißt nicht mit. Es packt nicht. Gar nicht. Ich glaub, da muss man sich erst ´reinhören. Da dämmert mir eine Erklärung: Denen ist passiert, was so manchem auf die alten Tage in den Rücken fällt. Metallica hat es schon vorher einmal getroffen, als sie meinten ihre Hits mit einem Symphonie Orchester aufnehmen zu müssen. Das ist immer, wenn sie anfangen sich doch noch auf Grund ihrer pubertären Underdogkomplexe gegenüber dem Establishment vor demselben verneigen zu müssen, wenn es dasselbe wegen des Geldes (genau darum geht´s nämlich im Establishment) zulässt. Da kommen dann die "Fans" im Smoking in die Royal Albert Hall und hören kindische Streicherarrangements von Heavy Metal Riffs und fühlen sich verständig, während der Freizeitrocker mangels Barschaft für eine allzu teure Eintrittskarte (und mangels Smoking) sich zuhause beim Hören der Platte zum verdienten Feierabend nach dem Büro denken darf: Denen haben wir gezeigt, dass unsere Musik genauso gut und wertvoll ist wie Henry Purcell. Oh nichts gegen Klassik. Ich mach´ das selbst. Und wir wissen inzwischen, wie ein Beethoven, ein Mozart wirklich und eben gar nicht politisch korrekt waren.

Warum nur passiert es immer wieder, dass sich erfolgreiche Größen, und gerade die erfolgreichsten am Ende noch mal etwas beweisen müssen? Und damit ihre Erfolge entwerten. Man muss einfach wissen, wann´s am schönsten ist und aufhören können. Oder roch da einer von der Plattenfirma noch mehr Profit? Wenn man alt ist, Spitzenerfolge feiern durfte und den Allerwertesten voller Kohlen hat, schmeißt man sich auf eine Palmeninsel oder wahlweise in ein schottisches Landhaus (damit nicht womöglich ein Foto vom Hetfield im bunten Hemd auftaucht auf dem der Hammet lacht und gelbe (!) Ananas lutscht) und lässt alle Viere g´rad sein oder widmet sich wohltätigen Projekten, wie sich das gehört.

Aber nein, die müssen unbedingt endlich bedeutend werden, Kunst machen, tiefsinnig und unverständlich. Man hätte das auf den ersten Blick sehen müssen: Das Cover ist farbig. Dazu folgende Anekdote: Zu Zeiten eines sich zusehends auflösenden Kunstbegriffes äußert einer aus der Runde bereits reichlich dem Rausch verfallener Kreativlinge bei einer der üblichen Diskussionen, was Kunst sei, gegenüber Bertolt dem Brecht provozierend: "Kunst ist, wenn jemand auf den Tisch scheißt!" Darauf Brecht: "Nein, Kunst ist, wenn jemand unter Beifall auf den Tisch scheißt."

Deshalb muss jeder selbst entscheiden:
Ist das Kunst oder kann das weg?

Gitarren nicht zu knapp


Interpret/Komponist: Brian May
Titel: Another World
Tracks: 13
Label: EMI




Das Leben des Brian war allzu sehr durch die Königin bestimmt gewesen, weswegen der sich entschloss Eigenes in Soloalben zu verwirklichen. Dies musste wohl zwangsläufig in einer anderen Welt geschehen. Dies Album ist nicht das einzige seiner Art und soviel ich weiß auch nicht das erste. Aber sehr Rock. Alle diese Soloalben machen der Plattenfirma wenig Freude, obwohl man meinen möchte ein Queen-Gitarrist verkaufe sich schon statistisch gut, da es so viele aufgeschlossenen Fans geben muss.
 
    
 

Egal. Hier spielt der Gitarrero auf. Gitarren über Gitarren. Rock´n´Roll. Und wie. Unter anderem ein Cover von "Slow Down". Da denkt man sich, wie viele andere alte Rock´n´Roll - Nummern in den richtigen Händen mit moderner Technik noch mal massiv fetzen könnten. (Wenn sich eben nicht gerade ein..."Hey Baby" unter den Nagel reist. Sowas sollte bestraft werden.) Sonst lauter eigene Nummern, von denen besonders "China Bell" (No it ain´t what you thinkin´she ain´t love for sell ....she is a little bit o´ Heaven and a whole lotta Hell), "On my Way Up", "The Guv´nor" (gemeint ist Jeff Beck - remember his name is Jeff ;-) Make way for the Guv´nor. und neben "Slow Down", "All the Way from Memphis" abgehen. Dazwischen Balladen. Manchmal ein wenig verstiegen, eigenwillige Soundcollagen, vielfach sehr hübsch und stimmungsvoll.

Man hört auch bei diesen Arrangements heraus, dass sie von einem Gitarristen stammen. Mays Stimme ist nicht spektakulär. Für die Rock Nummern taugt sie. Vielleicht besser als mancher Sänger der sich erkoren fühlt. Aber das bleibt immer eine Geschmacksfrage. Ansonsten Gitarren. Nicht zu knapp und wie man sich denken kann hervorragend in jeder Weise. Cozy Powell trommelt - was will man mehr - und auf seinem Song hat Jeff Beck ein Gastspiel. Wenn jemand auf Gitarren steht, hier hat jemand, der nicht sparen musste, spielen kann und gemacht hat, was ihm gefällt, ´ne Scheibe springen lassen. Freddie is dead. Jesus hat von Wiederkehr die Nase voll. Und die Maikönigin lässt auf sich warten.
Join the life of Brian in another World.

Très Jolie

Interpret/Komponist: Axelle Red
Titel: A Tatons
Tracks: 14
Label: Naive

Diese Scheibe ist nicht neu. Axelle Red ist in Frankreich ein Superstar. In Deutschland wie so oft praktisch unbekannt. Nun singt sie französisch und das verstehen in Deutschland nicht so viele. Aber die Sprache klingt wunderschön und ist super zu singen. Viele Vokale. Um die Musik zu genießen braucht man die Texte nicht zu verstehen und tut es vielleicht sinngemäß doch anhand von bekannten Wortfetzen. Die Nummern sind leicht, meist fröhlich. Die Arrangements luftig. Manchmal jazzy, ein bisschen funky. Ein paar mehr Keyboards, Hammond-Orgeln über bewegte Bässe und ein grooviges Schlagzeug.
 
    
 

Alles in allem sehr französisch. Gefühlvoll, herzlich, lebenslustig und vor allem nicht zu kompliziert. Und ganz bestimmt: genussvoll. Mit dem ersten Titel "A Tatons" ist man sofort in der Stimmung. "C´Etait" nimmt einen an der Hand: Hier geht es weiter. "Mon Cafe" ruhiger Nachmittag. Dann "Ma Priere". Dafür hat man den Kaffee entspannt genossen. Jetzt tanzen wir zu den letzten Sonnenstrahlen und beten auf diese inbrünstige Weise um eine gesegnete Zukunft für kommende Generationen und unsere Welt. Groovy, groovy.

Überhaupt liegt es vielleicht an den vielen Musikern afrikanischer Herkunft, von denen es in französischen Landen nur so wimmelt, dass die Songs in die Beine gehen. Das ist kein oberflächlicher Blödsinn! Nur eben beherrschen die Franzosen die Kunst das Leben trotzdem leicht zu nehmen. Weil sie wissen, es ist die einzige Möglichkeit. Außer der Melancholie.

So geht das gut weiter mit "Pas si Naif" bis mit "A Quoi Ca Sert" ein träumerischer Chanson folgt. Dann wieder schneller und mit "Qui Connait La Route" ist ein nächster Höhepunkt erreicht. Es folgen abwechslungsreiche Nummern, die Axelles süße, fast kindliche, aber souveräne und kräftige Stimme bestens zur Geltung bringen. Nummer 11 eine Reprise des Titelsongs "A Tatons" mündet in einen Funk-Jazz, in welchem sich die Musiker offenbar jenseits aller Rahmenbedingungen, eventuell kommerziellen Grenzen oder was auch immer frei auszuleben zugestanden haben. Runde Sache. Gut gegen Winterdepression. Super Stimme, tolle Musiker, schöne Nummern.
last but not least: kein Englisch.                                                 Très Jolie!







Einfach zuhören

   
Interpret:     Egal, aber vieleicht nicht gerade den zwanghaften Karajan, sondern K.H.Boehm oder Vlatoslav Richter, Gewandhausorchester Leipzig oder eines der renommierten Orchester aus dem osteuropäischen Raum.

Komponist/Titel:     Ludwig van Beethoven - Siebte Sinfonie

Tracks:     Keine technischen Details. Wenn ihr ein wundervolles Menue genießt, wollt ihr auch nicht, dass der Koch kommt und die Zubereitung auseinandersetzt
Spieldauer:  33:33

Beethoven kennt man. Von den Sinfonien ist es die "Fünfte" welche regelmäßig hochgejubelt wird und daher reichlich ausgetreten ist. Vor allem kennt man kaum mehr als den ersten Satz und in Wahrheit auch nur das Motiv und genau genommen davon nur die ersten vier Noten. da-da-da-daa (Stimmt Stefan Remmler hat das erfolgreich geklaut).

Gerne wird von Schöngeistern die an sich für Beethoven sehr untypische "Pastorale", die sechste Sinfonie gepriesen. Angeblich... naja ist nicht so interessant und der Titel Pastorale war ebenso wenig von Ludwig wie er etwas von sogenannter Programmmusik wusste (der Begriff wurde erst später geprägt) oder ein Anhänger von "außermusikalischen Inhalten" in der Musik war. Man machte "absolute Musik". Eine seltsame Sache, die bedeuten soll, dass es in der Musik ohne irgendwelche anderen nur um rein musikalische Inhalte und deren Genuss ginge. Das fällt einem Grossteil der Hörer furchtbar schwer und ist eigentlich egal .

Von der Neunten schweigen wir lieber. Sonst hauen uns die Freimaurer ;-)

Jedenfalls die siebte Sinfonie, sehr absolut. Der Kopfsatz ist schon voller Energie. Ganz Beethoven. Das Scherzo, der dritte Satz, viel lebhafter als in der Fünften. Der zweite Satz ist der normalerweise in der klassischen Sinfonie ruhige Part. Den habt ihr vielleicht schon einmal gehört und wieder vergessen, weil ihr nicht wusstet was es ist, obwohl es so schön war. Der zweite Satz ist schlicht genial .

Deshalb ohne Worte, einfach zuhören.




Megastraff

Interpret/Komponist:     Shania Twain
Titel:     For the Love of Him
Tracks:     12
Spieldauer:     40 min
Label:     Laserlight Digital (DELTA MUSIC)

Shania Twain kennen wir als Modern Country Ikone Amerikas die übernatürliche Qualitäten zu haben scheint und auf jeden Fall superhübsch ist. Sie wird bei “Wetten Das..?“-Besuchen deshalb von Tommy überschwänglich angekündigt, begrüßt und abgeleckt seit sie auch in deutschen Landen Nummern platzieren konnte. Diese sind die politisch korrekten Surrogate dessen, was es über den Teich zu uns geschafft hat und sie haben teilweise Schlagercharakter oder sind zumindest sehr poppig.

Da die Hormonzwerge in meinem Blut auch für vor allem wirklich schöne Frauen empfänglich sind, hat die Dame mit dem nicht nur ebenmäßigen Gesicht sondern auch fantastischen Körper und dem Segen einer megastraffen Stimme und Bewegungsbegabung meine Aufmerksamkeit geweckt. So erfährt man das Shania zum Glück noch dazu Persönlichkeit und Charakter vorweist, was einmal mehr bestätigt, das wahre Schönheit von innen rührt und weibliche Attribute kein Hindernis bilden, selbstbewusst, unabhängig und souverän zu bleiben. Selbst in einer Männer-Domäne wie dem Country-Fach mit reichlich konservativen Wertvorstellungen. Aber vielleicht irrt der Rebell ein wenig, wenn er glaubt altmodische Menschen seien deshalb auch engstirnig.

Zum Sound: Diese CD ist eher ein Jugendwerk. Der Countryansatz ist deutlich und es hat auch Beinaheschnulzen. Ansonsten hat der Gitarrensound (das ist wohl das "modern" an dem Country) tendenziell eher Rockcharakter und ein paar Stücke sind fast Metal, wäre nicht die Melodiösität. Die Gitarren - z.B. von "LUV Eyes" und insgesamt - vor Einsatz ihrer Stimme würden sicher niemand vermuten lassen, es handle sich um Country. Desgleichen Schlagzeug und Bass. Sicher das rummst. Und Shania´s Stimme ist ebenso mädchenhaft, wie glasklar und scharf. Die Themen der Songs drehen sich um zwischengeschlechtliche Ereignisse und nein, so was wie Homosexualität wird nicht behandelt, aber ansonsten wird z.B. das Hierarchieverständnis unter den Geschlechtern ("Bite my Lips") etwa im Berufsfeld durchaus beleuchtet. Neben verständlich harmlosem Anhimmeln des Helden, welchen es zu gewinnen gilt (genau letztlich werden die Männer nicht gefragt ;-) und dem besonderen Glück einer wirklich einigen Partnerschaft wird sehr emotional die - in Amerika bestimmt nicht kontroverselose - Problematik von Kindern zwischen indianischen und "amerikanischen" Eltern besungen.

"My Father was a Cherokee, my mothers people were ashamed of me..." In "Halfbreed" wird noch eine weit deutlichere Sprache gesprochen, was die Schwere der lebenslangen Verletzungen und Demütigungen eines Menschen betrifft, welche sich eine doch immer so von Selbstzweifeln freie Saubermann-Bourgoisie überall auf der Welt auch gegenüber anderen ihrem labilen Selbsttäuschungssystem Angst bereitenden Natürlichkeiten der Schöpfung leisten zu dürfen glauben.

Sicher kein Thema das Shanias Konformität in der Country-Branche beweisen sollte. Offenbar handelt es sich hier nicht um eine lustige Landei-Nummer von Beauty-Cowgirl für den tumben Chauvi vom Bierpreispark. Das ist eine aufrechte und wundervoll talentierte Frau. Herz, Verstand, Sex und Charme mit goldenem Willen.

Sound amerikanisch druckvoll produziert. My humble respect in front of a special woman.


Prince - 20Ten

Sich selbst treu.

Das neueste Album von Prince, der sich seit 2001 wieder so nennen darf,
liegt der aktuellen Ausgabe des Rolling Stone Magazins bei.
Quasi kostenlos, bei einem Verkaufspreis von 6,99 Euro.
Seine Veröffentlichungen gehen schon seit einiger Zeit
nicht mehr unbedingt in den regulären CD-Einzelhandel.
Dies sei auch bei diesem Album nicht gesichert. Womöglich
findet es später seinen Weg dorthin und/oder wird als Download angeboten.
Damit liegt der Künstler offenbar vollkommen richtig betreffend
der Marktsituation: CD Verkäufe rückläufig seit über zehn Jahren,
Kompensation durch Downloads nicht annähernd ausreichend.
Die Vergütung, die er durch die Beilage zum RS Magazin erhält
mag gering, jedoch sicher sein. Vor allem, da Prince durch seine
früheren Erfolge wohlhabend genug sein dürfte und inzwischen
nicht mehr - wir kennen die Geschichte alle - an eine Plattenfirma
gebunden ist, sondern unter seinem Label NPG veröffentlicht, ein
sinnvolles, wie einfaches Konzept.
Dazu kommt, dass er -die goldenen Fünfzig überschritten - noch immer
und logischerweise zu den Veröffentlichungszeiten erst recht LIVE
auftritt. Diese Konzerte sind bekanntlich noch immer von hervorragender
Qualität. Vieleicht kommt es von der Verwirrung, die wegen des bereits
erwähnten Streits um seine Namensrechte enstand
oder er freut sich einfach immer noch, letztlich gesiegt zu haben,
dass er bei diesen Gelegenheiten das Publikum gerne mehrmals
nach seinem Namen befragt: "What is my name ?"
und die Antwortrufe: "PRINCE" so geniesst.

Zum Album:

Die Kartonstecktasche ist psychedelisch bunt, sehr typisch Prince mit
fliessenden Formen und seinem Konterfei.
Seine Lieblingsfarben und die geschmackliche
Ausrichtung seiner Imagepersönlichkeit wird teilweise
als kitschig bis schwülstig bewertet , ist aber sicher
harmlos und in seiner individuellen Authenzität
vielmehr eine Wunderkind-Buntheit.
Der Titel 20Ten nicht spektakulär originell, aber
wenigstens geschickt grafisch mit dem LoveSymbol verquickt.
Tatsächlich steht auf dem Cover nicht: Prince.
Es sieht aus wie eine Promotion-CD und so steht auch
"For Promotion Use only. Not for Resale" auf dem Cover.
Das entspannt die Tantiemen Situation...
Sehr hübsch und aufwendig der vielfarbige Labeldruck
auf dem CD-Spiegel selbst.

Ausser den Titeln der Songs Minimalinfo.
(Dafür stehen im Heft blumige Beschreibungen der Songs
von der Redaktion mit inhaltlicher Hilfestellung bei Act of God.)
Wie früher heisst es jetzt hier einmal mehr und wieder
Produced, Arranged, Composed & Performed by Prince.
Liegt es daran oder an dem gesetzten Alter, das die Scheibe in fast
jeder Beziehung auch genauso klingt wie schon seit jeher und sogar
an den Sound seiner allerersten eigenen Vinylplatten erinnert,
als wirklich innovativ zu werden.

Dies muss man nicht als Kritik verstehen. Persönlich bin ich nicht der
fordernden Einstellung verfallen einem Künstler menschlich
verständliche Reaktionen anzulasten, weil er eine wie auch immer
geartete Gier nach Befriedigung durch Neues, Herausragendes oder was
weiss man eigentlich nicht erfüllt.
Dazu ist die Kunst nicht da. Das nennt man Kommerz.
Wenn jemand noch dazu seine Sporen verdient und sogar den Olymp
bestiegen hat, kann man auch entspannen.
Also macht Prince jetzt und wieder, was er gerne tut.
Wahrscheinlich hockt er in seinem, wenn auch opulenten HomeOffice und
nimmt die Nummern in einem lockeren Zeitrahmen eben wie früher auf.
Wann und wie ihm danach ist.
Die praktisch optimale Version für einen Künstler.
Es klingt nach Prince. Prince Fans kommen auf ihre Kosten. Fraglich ob
er neues Publikum anzusprechen versucht. Hätte er den Namen,
das Renommée nicht schon, läge nicht dem Rolling Stone bei, er
würde wohl kaum Aufmerksamkeit erhalten. Zurecht nicht.
Keine der Nummer reisst einen vom Hocker. Sind aber im Sinne absolut eindeutig Prince.
Wie gesagt, nichts weiter als was man von ihm erwartet.
Besonders deutlich fallen das "Vollplastik"-Computerschlagzeug und diverse
überkommene Synth-Sounds, die elektronische Funkbässe und dergleichen auf.
Das macht man heutzutage sogar im HomeRecordingStudio von Abiturient besser.
Vieleicht liegt es daran, dass Prince das gar nicht anders wollte.
(Was sich im Interview erklärt.)
Ja, die Songs erinnern an Songs von ihm, die es schon gibt.
Sagte ich schon ? Alles schon da gewesen.
Egal. Prince ist nicht an Drogen- oder Alkoholexzessen zugrunde
gegangen, oder durch Sexskandale oder Dümmeres ruiniert worden.
Er lebt auch noch. Wäre es nicht viel blöder und zweifellos kindisch
in seinem Alter die Welt nochmal neu erfinden zu wollen, als sich an
sich selbst zu erfreuen ?

Prince Interview im Heft schön gehaltvoll.

Thumbs up for Prince ! Hope to see you on stage as long as it means fun
to everybody.

P.S.: Erst später entdeckte ich eine weitere CD (das nimmt ja überhand)
"New Noises 101" mit Titeln aktueller Veröffentlichungen diverser Künstler.
Es ist auch zu einem Teil reine Geschmackssache, und die Topnummern
wird man nicht auf so BeilageCDs finden, aber alle diese Werke sind weit
vom Genie eines Prince entfernt. Die deutschen Künstler leiden unter der
schon ein Klischée begründeten Krankheit: hölzern.
Bei allen Arrangements hat man den Eindruck es wird peinlichst darauf
geachtet Hörerwartungen zu erfüllen. Industrieware ohne den kreativen
Funken. Es funktioniert zu gut, als dass es funkt.
Deshalb prince laut Titel der Ausgabe: SEX,GOTT,FUNK.




Wirklich gutes Live-Feeling


 
Interpret/Komponist: Thin Lizzy
Titel: Live & Dangerous
Tracks: 17
Spieldauer: Damals Doppelalbum, wie sich das für ein Live-Album gehörte
Label: Phonogram / Vertigo
Website: www.thinlizzy.org + www.thinlizzyonline.com 


Liebhabern des Genres muss man Thin Lizzy kaum ans Herz legen. Zwar erhielten sie nicht den Rang von Namen wie Sabbath, Purple oder Zep, aber wenn man Rockmusik schätzt und von der Band noch nichts gehört hat, werdet ihr mit diesem Album eine helle Freude haben. Die irische Band um den trotz virtuoser Gitarrenarbeit dominierenden Bassisten und Sänger Phil Lynott gilt zu recht als hervorragende, wenn nicht eine der besten Live-Rock-Bands. Und was ist Rock anderes als Livemusik? Dieser reichlich legendäre Zusammenschnitt verschiedener Konzerte der "Johny the Fox"- und "Bad Reputation"-Touren (1976 + 1977) vermittelt wirklich gutes Live-Feeling.
 
    
 

Der Bandname erinnert zuerst an das erste Serienautomobil der Welt, die berühmte Tin Lizzy, die blecherne Elizabeth von Ford, ist aber aus einem Comic namens “Beano“, dessen weiblicher Roboter mit Namen Tin Lizzie wohl auch auf dem Fahrzeug beruht. Mit dem zusätzlichen H im Thin, welches der irische Akzent wie Tin ausspricht, gewinnt er einen zusätzlich erotischen Aspekt der Deutung und ist gleichzeitig frei von der Gefahr Marken- und Urheberrechte zu verletzen.

Schon lange vor Metallica hatte die Band mit "Whiskey in the Jar" 1973 und 1976 mit "The Boys are Back in Town" (auch auf diesem Album) große Hits. Die Wiederbegründung der Band 1999 bietet leider nicht mehr das Original-Line-Up. Angesichts des Todes der zentralen Figur Phil Lynott (bereits 1986), welcher seinem Drogenkonsum angelastet wird, ist das spezielle Flair einer ausnahmsweise nicht englischen und ausnahmsweise von einem höchst charismatischen, noch dazu schwarzen Bassisten irischer Herkunft mit erstklassiger Stimme geführten Band nun Rockgeschichte.

Rockgeschichte ist auch "Live & Dangerous". Fantastisch zu hören ohne Lows oder schwachen Nummern bietet es hervorragend gespielten Rock mit immer wieder schönen Gitarren-Unisono und Doppelsolos. Nennt es Hard-Rock oder 70ies-Rock, ist diese Musik nicht so progressiv wie andere Rockgruppen dieser Zeit, sondern bodenständig, klar, harmonisch und melodisch. Wie es sich damals gehörte, fehlt hier weder Schlagzeugsolo noch der Publikumspart. Phil spricht mit den Leuten und sie antworten ihm. Tanzen und Mitsingen. Einfluss irischer Folklore hat auch anderen Rock- und Popgrössen nie geschadet. Nutzlos wäre es einzelne Höhepunkte hervorzuheben oder bestimmten Songs wie "Rosalie" (Bob Seeger), "Jailbreak", "Emerald" oder "The Rocker" den Vorzug zu geben. Die können spielen. Da rumst der Fels. Dieses Album ist rundherum klasse .

Die Coverbilder vermitteln eine schönen und bunten Eindruck der wirklichen Livesituation bei Konzerten der 70er. Farbige Les Paul Gitarren über die Türme der Marshall Full Stacks
gespielt, lange Haare, große Bühne, glitzernde Jacken und eine noch von Hand gesteuerte Lightshow ohne Abstriche. Die Klangqualität ist die eines remastert Analog-Albums und bringt den Vinylklang von 1978 bestens rüber.

Es ist nicht leicht ein Album zu besprechen, welches trotz allgegenwärtigem Vergessen in kompetentem Kreis Kultstatus besitzt. Wenn man Thin Lizzy noch nicht kennt, einen guten Zusammenschnitt ihrer Arbeit möchte oder einfach auf Rockmusik steht, gibt es mit "Live & Dangerous" ein originelles, ja , originäres, authentisches und dabei voll massenkompatibles Dokument aufrechter Musik vollster Hingabe.



Interpret: Ladies Talk: Kim Chong, Alexandra Fischer, Barbara Mayr,
Christiane Öttl, Gina Lindner
Titel: Ladies Talk
Tracks: 14
Spieldauer:  woas i ned
Label: Kang & Music
Website: www.ladiestalk.com

Diese Rezension ist subjektiv, wie alle Rezensionen, aber in besonderem Masse,
da mir die Gründerin des Ensembles "Ladies Talk" Kim Chong persönlich bekannt
war und ich sie oft in kleinem Rahmen singen hören durfte. Dabei genoss ich ihre Stimme als eine allein durch ihren Klang die angenehmste Atmosphäre zu schaffen fähigste. Ich bin selbst Musiker. Ich schreibe hier aus tief empfundener Anerkennung
des glückspendenden Wesens einer hervoragenden und wunderbaren Musikerin. Leider erlag der physische Körper von Kim Chong im Januar 2008 im Alter von nur 49 Jahren einem Krebsleiden.
Es sind auf diesem Album nun fünf Frauen, die singen. Und ganz offenbar tun sie es alle ganz ausgezeichnet. Hier Einzelheiten des Gesanges zu beurteilen, halte ich für wenig förderlich, da es doch zu weit im Bereich des persönlichen Geschmackes liegt. Die Audio-CD ist rundum schön. Aufwendig und dabei technisch sehr gut produziert. Kim hatte offenbar gute Unterstützung. Bei der Musik handelt es sich um eine genreübergreifende Mischung. Jazz, popig produziert. Pop in jazzigem A Capella. Traditionelle koreanische Musik in modernem Arrangement und Gewand.
Darunter sehr bekannte Nummern wie "Sir Duke" von Stevie Wonder,
"Kiss" von Prince, "The Lion Sleeps tonight" und "500 Miles". Meine Favoriten sind "Mungägurum" (koreanisch) und das sehr lustige "Without Samba" von Wolfgang Lackerschmidt. Beide Nummern sind äusserst frohsinnig und besonders Lackerschmidts Samba geht direkt in die Beine.... Hinzu kommen Jazz-Standards (Straighten up and fly right) und Afrikanisches.
Es handelt sich hierbei um die einzige CD der Gruppe, welche sich nach einer erfolgreichen Korea Tournee und einem Auftritt bei der Olympiade in Athen
aufgelöst hat. Wie erwähnt ist die gesangliche Souveränität der meist ohne
Begleitung eingesungen Stücke über Zweifel erhaben. Die Klangqualität der Aufnahmen ist vollkommen einwandfrei auch bei den Nummern mit Bandbegeleitung. Die Aufmachung des in einem Schuber gelieferten Produktes absolut wertig.
Es liegt ein ausführliches Booklet bei, welches zum Leid des Westeuropäers zum
überwiegenden Teil in Koreanisch ohne Übersetzung daherkommt. Das ist insofern schade, da das Interesse, wenn nicht bestehend, durch den Umfang geweckt wird
und man denkt es könnte kaum das Problem gewesen sein die Texte noch einmal in englisch einzufügen. Dafür entschädigt vieleicht die (für mich unerwartet) beiliegende Video CD welche ein paar der Stücke nochmal in Clips und mit Bildern aus Studio und dem Koreabesuch bringen. Auch hier gibt es keinen Grund zur Kritik an der Qualität. Das VCD Format ist in Asien extrem gängig, aber in Europa sehr selten. Daher ist es nicht mit allen Geräten kompatibel, was auch am Ländercode liegen mag. Mit einem PC sollte man keine Probleme haben. Das Produkt ist offenbar für den koreanischen Markt geschaffen, wo Kim geboren wurde, ihre musikalisch Karriere startete, erfolgreich und berühmt war, auch nachdem sie in Deutschland heimisch geworden
war. Die Arrangements sind von den Mädchen selbst. Insgesamt ist die Musik sehr gut zu hören. Bitte vergebt mir mein besonderes Faible für Kim. Ihre Kolleginnen stehen ihr wohl kaum nach, auch wenn sie die Bandleaderin war. Ich kann die CD rundherum empfehlen. Es handelt sich um ein musikalisches Juwel.
 

Ganz andere Stimmung bietet Kim Chongs Solo CD "Hellos & Goodbyes". Sie sei euch an´s Herz gelegt.

Deshalb folgt die Reneznsion, die gleichzeitig Bezug auf "Ladies Talk" nimmt gleich hier:

Titel: Hellos & Goodbyes
Interpret: Kim Chong (begleitet vom Walter Lang Trio)
Label: Fine Music / Georg Löffler Musikverlag
Tracks: 12

Um das richtig zu verstehen, mag es hilfreich sein meine Rezension zu "Ladies Talk" zu lesen. Kurz vorweg: Total subjektiv und ich schreibe nicht gern Rezensionen. Ich liebe einfach diese Stimme. Vieles von dem, was einen Jazzliebhaber an den Jazzelementen, wie Bassolos, Schlagzeugtechnik usw. faszinieren mag, interessiert mich überhaupt nicht. Am wenigsten gefällt mir der Song von Sting. Musikanalytisches Gelabber ist weitesgehend Zeitverschwendung. Kims Stimme ist ein reiner Segen. Sie vermittelt eine grosse Leichtigkeit. Sie und ihre Lieder zu hören ist sehr, sehr schön. Ich höre sehr gern "Alle Vöglein" auf koreanisch. Technisch sind die Aufnahmen super. Die Musiker beherrschen ihr Handwerk. Lieder herzlich , ehrlich , hübsch. Insgesamt sind die Songs eher ruhig und daher wahrscheinlich nicht für jede Stimmung geeignet. Das Produkt ist schön und aufwendig gemacht. Zum grossen Vorteil sind die Nummern auf der amazon Seite zum anhören bereitgestellt, so dass man vor dem Erwerb selbst herausfinden kann , ob einem die Musik gefällt und gut tut. Bitte nehmt euch die Zeit dafür.


Mein tief empfundener Respekt vor einer hoch erfreulichen Musikerin. Alles Liebe


Titel: Kirschblüten - Hanami


Regie: Dorris Dörrie            Darsteller: Elmar Wepper, Hannelore Elsner, Aya Irizuki

Ein Film über Liebe. Die Liebe normaler Menschen in einem normalen Leben. Unsterblich,
wie man sie auf der Filmleinwand erwartet.
Ganz anders als die chromblitzende Hochglanzliebe junger elfenbeinhäutiger Sexgöttinnen und Ferrari fahrenden Börsenmillionären ist es die Liebe des alle Jahre täglich füreinander da seins und die Dinge des Lebens zu teilen.

Trudi und Rudi Angermeier. Er Bürohengst der Abfallwirtschaft. Sie lies ihren romantischen Traum eine japanische Butoh-Tänzerin zu werden, der liebenden Fürsorge um ihren Mann wegen hinter sich.
Ein ruhiges Leben in geregelten Verhältnissen. Die Ruhe erschüttert durch Krankheit und Tod lässt erst Trudi versuchen ihr gemeinsames Glück noch eine Weile zu leben.
Dann bleibt unerwartet aber Rudi zurück und beginnt eine Suche nach dem, was immer wie selbstverständlich verfügbar war, so dass es weniger auffiel. "Man weiss nicht, was man hat, bis man es verliert", lautet ein alter Spruch.

Unverstanden von denen , die ihn am besten kennen sollten, findet er eine Leidensgenossin, welche ihm einen überraschenden Blick einen different point of view, vermutlich nicht ganz zufällig asiatischer Natur vermittelt
und Rudi selbstlos begleitet.

Auf eine metaphysische Art sind die Erlebnisse Rudis viel spektakulärer als Luxusurlaube und Helikopterskiing.

Nur so kurz und deutlich wie es dem Irrtum gebührt zeigt sich in den Reaktionen und Äusserungen seiner Kinder
wie wenig die kleingeistigen Regelvorstellungen der hilflos der Allmacht von Liebe und Tod gegenüber sich ängstlich
durch Ordnung und schwarz-weiss-Denken zu retten suchenden Zivilisationsteilnehmern zulassen können,
was ihnen jenseits Funktionalität (ihrer eigenen und die ihrer Geräte, Systeme und Moralgebilde) an wundervoller
Wirklichkeit geboten wird.

Ein Film über Trauer. Hilfreiche Trauer.
Die in der chromblitzenden Hochglanzwelt verbotene oder wenigstens verpöhnte Trauer.
Über menschliches Dasein. Wirklichkeit der Liebe.
Über die Schatten der materiellen Welt und die Welt der Schatten dahinter.
Oder darüber.

Hochgelobt und mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt wurde der Film und Elmar Wepper.

Wir kennen Elmar Wepper seit langem als guten Schauspieler.
Schöne Gelegenheit bekam er in diesem Film die subtile Authenzität einer bayerischen Seele natürlich darzustellen und mehr die über Grenzen, Distanzen, Nationalität, Rasse, Alter und wodurch man glaubt die Leute noch voneinander trennen und unterscheiden zu müssen, gemeinsame Existenzialität der Menschen zu berühren.

Ausgeliefert, wie er ist kann er siegen in der Hingabe an die metaphysische Wahrheit.
Wenn du dich fallen lässt, wird dich jemand auffangen.


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Nobody´s Wife


 
Interpret/Komponist: ANOUK
Titel: Together Alone
Tracks: 11
Label: Dino Music / BMG
Website: www.anouk.com


"Together Alone" ist die erste internationale Audio-CD von ANOUK aus dem Jahre 1997. Die erste Nummer auf der Platte war der Hit "Nobody´s Wife" und wurde gleichzeitig als das Statement verifiziert mit dem ANOUK von nun an identifiziert werden sollte. Jedenfalls wurde in deutschen Landen die Promotion dahingehend gestaltet. Nicht von ungefähr brachte ANOUK dieses Statement reichlich glaubwürdig wieder, der Text schien genau auf sie zu passen und so kauften ihr die Leute das Nobody´s Wife gerne ab .
 
    
 

Bereits lange vor Veröffentlichung im lukrativen deutschen Markt war ANOUK in ihrer niederländischen Heimat bekannt und erfolgreich. Ich gehörte zu einer Art Testgruppe der BMG A&R Abteilung welche neue Acts Probe hören und beurteilen durfte, um den möglichen Markterfolg im Vorfeld bestimmen zu können und aussichtslose Kandidaten zu erkennen und dadurch Investitionsvorteile zu erlangen. Sehr froh war ich, das ich wohl nicht der einzige Testhörer war, welcher ANOUK befürwortete und das Album in Deutschland erschien. Tatsächlich schrieb ich den Entscheidungsträgern bei der BMG, dass es sich hier ausnahmsweise einmal um eine RICHTIG gute Musike handelt. Besonders im Vergleich zu dem laschen Mist , den sie uns sonst so übersanden. Man beachte: Es waren regelmäßig neutral weiße CompactCassetten (Ja in den Neunzigern versanden sogar die ganz großen Plattenfirmen noch CompactCassetten), ohne Bilder die keinerlei Rückschluss auf Herkunft, Name etc. des Acts zuließen. Es ging nur um die Musik. Man war also unbeeinflusst von der an sich schon höchst beglückenden Optik der nordischen Blondine .

Tatsächlich hörte ich die Aufnahmen schon damals ständig. So dermaßen fetzte die Dame. Glücklich über die Veröffentlichung der Scheibe besuchte ich natürlich auch das Münchner Konzert der zugehörigen Deutschland Tour (Damaliger Konzertartikel für ein Online-Magazin im Anschluss.) Leider wurde das Münchner Konzert der Tour zu Ihrer Folge CD "Urban Solitude" von der BMG abgesagt. Wir standen des Abends vor trögen Hinweisschildern. :-(

Seitdem ward sie in Deutschland nicht mehr gesehen. In ihrer Heimat und den Beneluxstaaten spielt sie mit Ihrer Band häufig und es gibt auch regelmäßig neue Platten. Neben Ihrer grandios kraftvollen Stimme und ihrer weiblichen Schönheit (gar nix Barbie-mäßiges, dafür Tattoes und Mähne, lebendige, selbstbestimmte Frau) gelingt es ungebändigte Wildheit auf die Konserve CD zu bannen. ANOUK ist eine Naturgewalt. Roh würde ich die Energie nennen, wäre sie nicht ganz eindeutig voll unter ihrer eigenen Kontrolle. Dadurch wirkt sie eigentlich nur noch machtvoller. Diese Frau singt, das es dich umbläst und weiß dabei genau, was sie tut und um ihre Wirkung. Und das ist alles auf der Platte drauf! Der Druck entsteht sogar bei Zimmerlautstärke und eine höhere wird empfohlen.

Es ist Rock: Sehr lauter, druckvoller Rock. Dicht und intensiv. Dabei stören die Instrumente nie die Stimme, die trotz der Lautstärke stets gut durch dringt. Das liegt an dieser Kraft. Und die ist es auch, die einem so leicht glauben macht, es muss dieses Mädchen sein, welches die Worte von "Nobody´s Wife" geschrieben hat eben , weil sie das so meint und wahrscheinlich selbst ist.

Die anderen Nummern stehen dem Einstiegssong gar nicht nach und die CD bietet auch nicht die drei üblichen guten Stücke und sonst nur restliches Beiwerk. Die Titelnummer "Together Alone" macht gleich weiter. Nach einem trügerische leisem Intro bricht es über einen herein. Der Text auch wieder ohne Blatt vorm Mund. Dann eine spöttische Nummer: "It´s so Hard". Gefolgt vom ruhigeren "The Other Side of Me". "Pictures on your Skin" bietet ein sophisticated Arrangement und musikalischen Tiefgang mit der schon bekannten Power. Das berühmte Muhammad Ali Zitat taucht darin auf: "Smooth like a butterfly, sting like a bee." Dann die Acoustic-Ballade "Sacrifice", welche noch zu Ehren gekommen ist und noch dazu mit dem schlichtem Charme daherkommt, so einfach gestrickt zu sein , dass sie jeder mittelmäßig fleißige Gitarrist leicht erlernen mag, ohne auch nur im geringsten zu verlieren. "Fluid Conduction" ist für meinen Geschmack eine der besten Nummern und erledigt bei ausreichender Lautstärke auch wieder das Staubwischen in eurer Wohnung. Nach weiteren zwei Songs schließt die CD mit der klugen Ballade "Time is a Jailer" und dem auch später noch viel erhörten stimmungsvollen "Mood Indigo".

Stil und Instrumentierung von ANOUK?s Rock sind nicht extravagant, bieten aber eine individuelle Ausprägung geläufiger Akkorde. Sie bewegt sich mit ihrer Band im Areal eines reifen Genres und versteht es eine eigene Interpretation desselben beizutragen. Ihre klugen Texte verstehen es Seelenzustände verständlich zu machen, beschreiben Erfahrungen gelebter Sexualität und Einsichten in Beziehungswelten. Weiblich, selbstbewusst, als betroffene Beobachterin kann hier kaum anders als von einer erfreulichen Mündigkeit gesprochen werden. (Jungens aufgemerkt: Hier kann man lernen.) Sie reichen weit über verbreiteten Hard-Rock-Blödsinn wie "In the light of the night...", "Monsters in the sky fly high...", "Big Tits fit..." usw. hinaus. Die Produktion ist differenziert, durchsichtig klar und druckvoll. Technisch und klanglich super. Cover und Booklet unspektakulär mit Bildern von ANOUK und zum Glück allen Texten. CD-Label Goldbronze. Sollte hier der Wunsch Vater des Gedankens gewesen sein, kann man nur zustimmen: Sie ist eine Auszeichnung in Gold wert.

Eine erste Scheibe ist oftmals die mit dem größten unverfälschten Elan. Ich kann die anderen ANOUK Sachen nur empfehlen. Sie ist sich treu. "Together Alone" bleibt trotzdem mein Favorit. Da knallts mal souverän und die Energie ist spürbar. ANOUK hat warscheinlich das Ventil angezapft , durch welches Gott langsam die Luft aus dem Universum lässt. Auf chromstählernen Schwingen düst ihr Gesang mit Tönen wie fluoriszierende Geschosse aus Lichtgewehren durch den Raum in unser Ohr, in unseren Bauch, in unsere Psyche, in unser Dasein und lässt uns selbst die Energie erfahren.



Live Bericht von ihrem Konzert in der Münchner Muffathalle

ANOUK - ein höllisches Gör´ !

Dieses kleine blonde Fräulein erscheint fast schüchtern,zurückhaltend auf der Bühne der Münchner Muffathalle.
Unterstrichen von den einleitenden Subfrequenzen des Bassvirtuosen.
Dieser Eindruck hält ca.45 Sekunden an. ANOUK ist ein Wirbelwind,ein Taifun.
Frech und sexy trifft es gleich viel eher wenn ANOUK mit ihren zwei im Scheinwerferlicht reflektierenden Goldschneidezähnen zu den heftigen Gitarren über die Bretter fegt.
Ihre Stimme:rauchig,angebrochen,man glaubt den Whiskey in der Kehle zu hören ,wenn sie immer wieder Anekdoten zu den Songs und überhaupt zum Besten gibt.
Die Stimme wie glühender Stahl den  Augenblick anschließend wo ANOUK wieder singt.
Die Kraft könnte bis an den Rand des Universums reichen.
Intonationssicher? Intonationsgestählt! Ich möchte da nicht im Weg stehen.
Die meint jedes Wort. Weiß was sie meint. Im "zarten" Alter von 23.
Und tanzt ,  wippt mit allem , was sie hat in der schwarzen Lederhose und schwarzen Shirt.
Rückt beizeiten den BH zurecht. Lacht und lächelt. ANOUK nimmt´s locker.
Zu "Nobody´s Wife" ist ihr schon so heiß ,daß sie ihr T-shirt loswerden will.
Beim darauffolgenden "Sacrifice" (Ballade) rollt sie dann noch ihr Trägershirt hoch, scherzt. Über Kondition, Whiskey? Sofort wieder der Stahl der Stimme.
So geht das. Keine Schnörksel. Gute Musiker:zwei fähige Gitarristen, ausgezeichneter Bass und auch der vielseitigen Percussion(Handarbeit), mächtiger,superfitter Drummer, nicht zu vergessen der die echte Hammond  (über hundert Kilo) bearbeitende Keyboarder. Das ist eine Rockband: Roadies für die vielen Gitarrenwechsel , Röhrenverstärker mit Werbung, Acoustic Trios, Unplugged Percussion...
vielseitig die Farben und Möglichkeiten der Instrumente beherrschend und nützend.
Mittendrin dies´ fantastische Mädchen mit ihrer Mischung aus Straßenrotz und Gemütsadel deren Texte ein glaubwürdiges Leben beinhalten.
ANOUK ist voll d´rauf. Sie weiß es, sie tut es, sie hat es.
Ultrasteil !
Leider nur zwei Zugaben. Dafür kommt sie, schon umgezogen (Flitterstreifencordhose,schwarzer Nicki) zu direkten persönlichen Kontakt und für Autogramme kaum 15 Minuten später aus dem Backstage zu den Fans und ist natürlich, lieb und offen.
Ganz selbstverständlich wie eine normale Komillitonin (ANOUK studiert in Holland). Küßt Bekannte , sitzt zwischen uns, lacht !


Der lustigste Beatle


 
Interpret/Komponist: Ringo Starr
Titel: Ringo´s Rotogravure
Tracks: 10 + 1
Spieldauer: mittellang
Label: Atlantic
Website: www.ringostarr.com


Ringo´s Soloplatten stellen immer den Spass-an-der-Sache-Aspekt vor kommerzielle Überlegungen. Weder geht es um musikalische Meilensteine, noch um unsterbliches Songwriting oder andere Superlative. Sei es sein "Sentimental Journey" Album mit den Stücken, "die in seiner Jugend zuhause in der Familie gesungen wurden", sei es seine All Star Band und deren Alben. Auch die aktuelleren Scheiben wie RINGORAMA lassen das ganz offenkundig erkennen. Und sein typischer Humor spielt immer mit.
 
    
 

Hätte Zappa damals Ringo gefragt "Does humor belong to music?", hätte dieser wahrscheinlich geantwortet: Dumme Frage. (Naja, Amerikaner.) Gut, er kann sich das als Beatle vermutlich leisten, aber vergessen wir nicht, dass der Lennon/McCartney-Katalog einst an einen "Afro-Amerikaner" verscherbelt wurde, dass von Ringo auch schon Zeiten persönlicher Schwierigkeiten bekannt waren und es jede Menge Leute gibt, deren Geldvermögen durchaus Freiraum für wertvolle Kultur unabhängig von Profitstreben ließe, welche es aber trotzdem vorziehen die Welt und ihr Bankkonto mit billigem Schund zu beglücken, der kurzfristig höhere Erlöse über Massenverdummung zu erzielen verspricht.

Die Legende berichtet allerdings, dass die Belegschaft des eher auf gelinde gesagt einheimische Vertreter von Volkskultur spezialisierten KOCH-Music Labels im kosmopolitisch zentral gelegenen Martinsried noch heute wöchentlich einen rituellen Freudentanz zum Vertragsschluss mit einem Beatle über die Veröffentlichung von RINGORAMA aufführen. Unabhängig vom kommerziellen Erfolg, nur auf Grund von Ruhm und Ehre. Sie singen dabei angeblich sich an den Händen haltend im eliptischen Kreise hüpfend: "Man glaubt es nicht, doch ist es wahr, bei uns erscheint der Ringo Starr. Nach jahrelangem Humpapaa , erscheint bei uns der Ringo Starr. Entgegen jeder Algebra, belastet es auch den Etat von Afri- bis Amerika erscheint bei uns der Ringo Starr. Zum Glanz und dazu Gloria singen tralla und halleluja gemeinsam mit Victoria wir, dass das Schicksal sich begab und es schließlich uns geschah. Daher ganz laut dreifach HURRA ! bei uns erscheint der Ringo Starr."

Ich gebe zu ein RINGO-Fan zu sein. Auch wenn ich kein Schlagzeuger war oder werden wollte, identifizierte ich mich doch spontan mit diesem fast zwangsläufig als Nicht-Frontmann weniger gehuldigten Bandmitglied. Und das blieb so. Lennon wurde zu sehr als übernatürliches Genie angepriesen. Auch mit dem anderen Schönling Paul konkurrierte das Selbstverständnis des Heranwachsenden wahrscheinlich zu sehr. Ohne natürlich eigentlich ihnen abgeneigt zu sein, schienen sie einfach einer abgehobenen Unerreichbarkeit anzugehören, welche dem Jungen aus einfachen Verhältnissen kein ausreichendes Identifikationspotential auf freundschaftlicher Ebene bot. George hätte dies möglich gemacht, entbehrte aber irgendwie des Bezuges und es lag wahrscheinlich an seiner selbst von den Mitgliedern erlebten Sonderstellung in der Gruppe, die ihn ein wenig seltsam wirken lies. Er war etwas tiefgründig. Schließlich war RINGO mit seinen Ringen ein Kumpeltyp und in seiner Art so entspannt locker und unprätentiös. Er strahlte ein empfindsames Selbstbewusstsein aus, das familiär und aufrichtig bodenständig wirkte, schien rebellisch genug ohne sich selbst wichtig zu nehmen oder zu überhöhen. RINGO war einfach der Lustigste.

Auf der aus seinen Scheiben zusätzlich herausragenden ROTOGRAVURE sind es nun seine Freunde aus der vormaligen Viererbande mit Käferköpfen (John lebte damals noch und hatte sicher Riesenspaß) und andere , weniger bekannte Kollegen, wie Erich Klappton und Klaus Voorman (guter Freund und Bassist, nebst anderen Arbeiten für die Gruppe verantwortlich für das REVOLVER und das Antology Cover), die jeweils einen Song beisteuerten und natürlich auch mitspielen.

Nach dem höchst gelungenen Einstieg mit dem alten Rock´n´Roll-Schlager "A Dose of Rock´n´ Roll" nimmt der Frohsinn seinen Lauf. Gleich darauf eine erfreuliche Cover-Version des ebenso alten Rock´n´Roll-Schlagers "Hey Baby!" lange bevor die wirklich coole Nummer von untoten, österreichischen Gletschermumien durch Affengeschrei gemeuchelt und impotenten Trunkenbolden zum Frasse vorgeworfen wurde. (siehe oben: kurzfristig höhere Erlöse etc auf Kosten der Kultur.) Verständlicherweise möchte man wissen, ob das hübsche, feine Mädchen, welches die Strasse hinuntergeht, das meinige, seinige jeweilige werden möchte. Das hat Carl Grossman, der Songschreiber, welchem wir die Mios von der Mumie deshalb trotz Primatengrunz herzlichst gönnen (Menschen, die geile Nummern schreiben, genießen in unseren Augen/Ohren außergewöhnliche Privilegien.) genau erkannt. Dann folgen die extra für das Alben verfassten Nummern der Jungs und andere. Sind sie auch weniger hitverdächtig, so gehen sie einem doch gut ins Blut und bieten verschiedene Stilistiken und lebensnahe, intelligente Verse.

Die Platte ist angenehm zu hören. Wirkliche Musik von wirklichen Musikern macht wirklich Laune. Die Bilder im Booklet bilden den Spass der Beteiligten bei den Sessions zusätzlich ab und vermutlich weil Ringo es 1976 zu ersten Mal seit der Trennung der Fab Four geschafft hat sie auf einer Platte wiederzuvereinigen ist auf der Rückseite das legendäre Bild der Tür mit den Kritzeleien drauf.

Keinesfalls handelt es sich hier um ein irgendwie aalglattes Medienprodukt für eine Zielgruppe, sondern ein spezifisches Kleinod der Rock´n´Roll Welt. RINGO ist RINGO. Wozu sich verstellen. Aber nicht etwa wegen des Geldes. Wie? Voller queren Humor wie er es auf RINGORAMA sagt: "If you can´t laugh. What´s the Problem?"

Besser: Take a dose of Rock´n´Roll and wash it down with cool clear soul. Nicht zu vergessen: Shu bab du wau wauh!



Sehr empfindsamer Synthie-Pop


 
Interpret/Komponist: Annie Lennox
Titel: Medusa
Tracks: 10
Label: Rca Int. (Sony Music)
Website: www.empyreal.de  


Vielleicht lag es an dem so schmalen Eindruck der Maffay-CD. Gleich darauf legte ich zum ersten Mal MEDUSA ein. Eine Offenbarung. Eine ältere Produktion von 1995 mit sehr viel künstlich elektronischen Klangerzeugern. Lauter bestehende Lieder. Das ist kein Rock und ohne Anspruch an Rebellion. Klar, Annie Lennox ist etabliert genug und kann singen. Wie auch immer kann trotzdem einiges schiefgehen, wenn man nach dauerhaften (Chart-)Erfolgen einer langjährigen Formation plötzlich Solopfade einschlägt. Fakt ist: Die hat´s. Das weißt du nach drei Sekunden?
 
    
 

Ganz klar Synthie Pop. Vermutlich sollte es genau das werden. Ist Annie bekanntlich die Stimme der EURHYTHMICS, welche für sehr erfolgreichen Synthiepop stehen und dessen andere Hälfte Dave Stewart (Zitat zu übersteuerten Signalen bei einer Session in Berlin: "Egal klingt immer gut.") ebenfalls weiter in diesem Genre aktiv blieb. Nach meinem Eindruck sind die elektronischen Klangerzeuger vielfach, wenn nicht alle real eingespielt und werden nicht nur von Sequenzern gesteuert. Drummachines hört man als solche und dazu kommen auch natürliche Instrumente. All das tut der Sache keinen Abbruch.

Die teilweise sehr bekannten Songs, wie - no more "i love you´s"- , -take me to the river- oder -a whiter shade of pale- sind ihre persönliche Wahl und jedem wird einmal mehr Leben eingehaucht. Mit an sich relativ schlichten Arrangements erhält jede Nummer eine ihr entsprechende Stimmung und Lennox Stimme setzt ihr unverwechselbares Timbre in einfüllungsvoller Weise variabel hinzu. Sehr empfindsamer Synthie-Pop!

Hätte das Produkt leicht stromlinienförmig und aalglatt werden können ist es das ganz und gar nicht. Es klingt nach der sprichwörtlich handgemachten Musik von Menschen. Man hört das Fleisch und das Blut. Das groovt, das schmachtet, es schwebt in Sphären und ist cool. Haben die Songs auch keine Gemeinsamkeit außer der Wahl durch Annie und sind die Stimmungen vielfältig so kann man das Album doch gut durchhören. Es bietet eine stabile Einheit als musikalisches Werk in sich.

Das Cover spiegelt diese klare, stabile Attitüde gut wieder: Eine bleichhäutige Annie Lennox als 5/7-Büste, den eigenen Namen in Schreibmaschinen -- Lettern auf die Stirn des markanten Gesichtes geschrieben. Einziger Farbtupfer ist der in die linke, obere Ecke groß und in Großbuchstaben in tiefem Kaminrot von oben nach unten gesetzte Titel: MEDUSA.

Innen wurde die Idee der Schreibmaschinenbuchstaben auf das ganze Gesicht übertragen und sonst finden sich die Songtitel, die nötigen Label-, Copyright-,Musiker-Infos, Danksagung und klare, aufrichtige Worte: ...love and gratitude...feel privileged to have been given this opportunity...To the writers of these beautiful songs I offer my profound respects.

So ist das: Die, welche selbst glückspendende Fähigkeiten auf hohes Niveau entwickelt haben, üben sich auch gerne in angemessener Demut.

Die Schreibmaschinen Lettern sind eine sehr passende Metapher: Geschaffen von einer Maschine als Werkzeug des Menschen mit einem perfektionistisch, industriell gefertigten Druckkopf sind die Buchstaben doch mit echter, flüssiger Tinte auf Papier aus ehemaligem Holz gedruckt und hinterlassen eine Verformung darin, fransen an den Rändern aus und sind doch alle zwangsläufig individuell und lebendig in ihrem mechanischen Ursprung der Wiederholbarkeit. Ein interessantes Konzept.

Das ist Kunst. (Unter Zurücklassung meiner gefürchteten gesamtphilosophischen Analysen weitergehender Universalität.) Alle dürfen sich in eigener Art darauf einlassen!

Kraftvoll bejahende Improvisation


 
Interpret/Komponist: Keith Jarrett
Titel: The Köln Concert
Tracks: 4
Spieldauer: ca. 1 h 5 m
Label: Ecm Record (Universal)
Website: -


Das Köln Konzert ist eine der populärsten Live - Solo- Klavier-Improvisationen "alller Zeiten" (wie man es in Ahnlehnung an die typische Programmbewerbung aktueller Privatsender formulieren möchte, daher auch die drei L). Dabei ist es von so einzigartigem Zauber und unmittelbarer Intensität, dass die Aufnahme bald nach dem eigentlichen Ereignis am 24.Januar 1975 in Köln seinen Interpreten einer breiten Bevölkerung über die Jazz-Szene hinaus bekannt machte und sich seitdem zu einer Ikone entwickelte und seine wunderbare Wirkung zeitlos besteht.
 
    
 

Wem Bach zu kompliziert, zu anstrengend, zu akademisch, zu affektlos trocken oder zu elitär erscheint, der hört eben die Brandenburgischen Konzerte. Natürlich ist Bach all das nicht oder höchstens von fehlgeleiteten Wächtern der Kunst falsch präsentiert. Das Köln Konzert ist Keith Jarretts Brandenburgische Konzert. Keith Jarrett ist ein musikalischer Gigant. Zahllose Alben seines Trios mit Jazzstandards, eigene Orchesterkompositionen, Kompositionen mit dem und für das Trio, Klavierkompositionen für andere Interpreten, mehr Symphonisches und sogar selbsteingespielte Aufnahmen von Werken des oben bemühten Bach sowohl auf Klavier als auch auf dem zu Bachs Zeiten (da gab es noch kein Hammerklavier) benutzten Spinetts gehören zu den Ergebnissen seiner Musikalität. Nicht zu vergessen die vielen weiteren Live-Solo-Klavierimprovisationen wie die Konzerte in Bregenz, Wien, Paris.

Keines konnte das Mysterium des Köln Konzert wiederholen. Vielleicht war es den Machern des kleinen und schon damals unabhängig von der Wirtschaftsmacht großer Recordcompanies in Locham/Gräfelfing antretenden und heute zu Universal gehörenden Jazz-Labels ECM erst nicht klar und sie hielten es eben nur für die Veröffentlichung eines weiteren Konzertes dieses Piano-Derwisches. Gerade recht für die gerne in das eigene Plattengeschäft in Pasing pilgernde ECM-Jazzgemeinde. Vielleicht hofften sie auch den wahrscheinlich unerwartet segensreichen wirtschaftlichen Erfolg mit anderen Solokonzerten wiederholen zu können.

Ich selbst bin eigentlich der ja auch ganz unterschiedlichen Musiken des Jazz nicht übertrieben zugeneigt (meine hoch differenzierten Detailansichten dieser Haltung werden hier gespart), aber glücklicherweise offen genug mich an aller Musik über mögliche Kategoriegrenzen hinaus unvoreingenommen erfreuen zu können. Trotzdem bewog mich die Erfahrung des Köln Konzert andere Aufnahmen zu erwerben und ohne deren Leistung schmälern zu wollen, es waren auch immer wieder sehr schöne Stücke darunter, blieb die spezifische Magie des Köln Konzert ein solitäres Wunder.

Wäre es nur meine subjektive Erfahrung und könnte man eine kurzfristige von Mundpropanganda der Fangemeinde, geschürt durch clevere Promotion und ähnlichen bewirkte Massenhysterie ausmachen, möchte man alles als Folge des Zaubers eines "ersten Males" abtun. Als Projektion einer befreiten und überemotionalisierten , entfesselten Jugend, die sich einen Messias sucht. Jedoch ungebrochen ist die Wirkung. Viele Jahre nachdem es mir auf einer Autofahrt durch schneebedeckte Landschaften des winterlichen Bayern von meiner damaligen, sehr schneidigen Freundin in Erwartung eines erotischen Wochenendes im elterlichen Wohnwagen des zu dieser Saison verlassenen Campingplatz am See vorgespielt wurde, rührten mich Stellen in ganz anderem Kontext wie nur wenige Musikstücke es vermögen spontan zu Glückstränen. Immer noch wird das Köln Konzert in aller Welt verkauft ohne noch beworben zu werden und ohne dies zu benötigen. Wahrscheinlich stehen die Verkaufszahlen Keith Jarrett´s aktuellerer Produktionen dahinter zurück und das Köln Konzert sichert ihm sein künstlerisches Dasein .

Beginnend mit einem scheu in den Saal tropfenden Motiv entführen es sogleich sanfte Harmonien in eine Welt die unsere Psyche märchenhaft entrückt. Lässt man sich forttragen, begegnet man auf der Reise melodischen Kleinoden, bombastischen Harmoniekaskaden untermalt vom Stöhnen des agierenden Pianisten. Orgiastisch werden kräftige rhythmische Strukturen wiederholt und münden doch leicht in luftige Phrasen fröhlichen Genusses. Der schwimmt sogar in Milch. Durch teilweise starken, aber nichtsdestotrotz gezielten und fähigen Pedaleinsatz sich zusätzlich aufbauende Klangberge in momentaner Stagnation vor der sich neu in der Improvisation ergebenden Idee, welche sich fort spinnt und wie logisch entwickelt, folgt ihr eine andere feine Phrase in wieder nicht gekannte Landschaften. So wird die Musik auch für den Zuhörer zur körperlichen Erfahrung, welche dem Treiben erliegt. Daher nimmt man dem Spieler seine im normalen Konzertbetrieb schlicht unmöglichen Laute ob der zwischen den Polen seiner Schöpfung leidenden Spannungen als unwillkürliche Äußerungen seines künstlerischen Erlebens nicht nur in Kauf sondern bald als Zeichen der Authenzität an. Bald ächzt man selbst innerlich und versteht nur zu gut den Drang die Erlebnisse auf der Reise durch Jarretts Schwingungs-Universum auszudrücken.

Es sind Klänge eines freien Verständnisses von Harmonie, Melodik und Rhythmik. Nicht unbedingt typisch jazzig. Sehr unmittelbar und gefällig. Statt strukturell kompliziert zu sein, bieten sie eher eine Vielzahl intensiver Affekte zur direkten Empfindung. Die stellenweise in der Improvisation natürlich entstehenden Spannungen und kathartischen Lösungen, die rhythmischen Ostinati über kräftige Harmonien, Riffs mit hypnotischer Wirkung ethnischer Ritualmusiken, offenkundig der Jazzschule Entsprungenes und fast popige Melodien gleiten mühelos ineinander, so dass der Hörer sich forttragen lassen darf, ohne Sorge haben zu müssen, verloren zu gehen. Alles fügt sich zu einem Abenteuermärchen der aufeinanderfolgenden Zauberorte und Wundergeschichten. Lebendig dargeboten vom in ihnen aufgehenden und uns Teilwerden lassenden Erzähler. Der vierte kürzeste Teil des Konzertes , bezeichnet als Part II c, basiert offenbar auf einem nicht mehr ganz frei in ´s Ungewisse hineinimprovisierten Rahmen eines hübsch seligen Themas.

Geschickt schließt Jarrett damit sein Konzert. Jeder professionelle Musiker weiß, dass Improvisationen, besonders unter dem Druck einer Live-Darbietung für zahlende Gäste zum absolut überwiegenden Teil keine reinen Neuerfindungen insgesamt sind. Sein können. Normalerweise nimmt der Künstler Basisideen und Bruchstücke, musikalische Rahmen aus Harmoniegerüsten und nicht zuletzt insgesamt eine Praxis aus seiner Übungsroutine und Vorbereitung als Stütze und Einstieg mit in die Live Darbietungssituation. Es gewährt ihm und dem Publikum die Garantie wenigstens nicht elendem Mist eines wie auch immer misslungenen Schicksals eines irgendwie missratenen Abends ausgesetzt zu sein. Könnte ja passieren. Bei ganz freier Improvisation. Diese betreibt er im Vorfeld. Wenn er für sich bei ausreichend Zeit und terminfrei unterbrechen und reflektieren kann. Darauf baut er auf, entwickelt und lässt entstehen, was ihm diesmal dazu einfällt und wozu es ihn und sich selbst treibt. Im optimalen Fall entsteht daraus oder unabhängig davon etwas wirklich unmittelbar ganz Neues.

Trotzdem ist ein so in sich passendes und kraftvoll bejahendes Improvisationskonzert (mit extrem wenigen wahrnehmbaren Fehlgriffen, nur bei wirklich sehr kritischem Hören. Sollte man sich zu Gunsten des Genusses sparen) so schlüssig und rund ein herausragender Glücksfall. Bei der besonders gezielten Vorbereitung auf ein Konzert, das aufgezeichnet wird (man möchte nicht wissen, wie viele Wunderwerke ohne Aufzeichnung der Welt entgangen sind.) hat er sich wohl überlegen dürfen es nicht ausgerechnet zum Ende hin zu gefährden. Der abschließenden Improvisation gelingt dies in seligster Weise.

Langanhaltender Beifall eindrucksvoll aufrechter Dankbarkeit des Publikums liefert dessen eindeutigen Ausdruck unbedingten Einverständnisses.



Vanessa Mae hat Spaß


 
Interpret/Komponist: Vanessa Mae
Titel: Storm
Tracks: 14
Label: Emi
Website: www.vanessa-mae.com  


Die seit ihrem Debutalbum "The Violin Player" 1995 vielfältige Aufmerksamkeit erregende Ausnahmemusikerin wurde als Tochter eines Thailänders und einer Chinesin geboren; ihr Adoptivvater Graham Nicholson ist Brite. Vanessa Mae lebt in London. Sie begann im Alter von drei Jahren Klavier und erst danach mit fünf Jahren Violine zu spielen. Mit zehn war sie beim London Philharmonic Orchestra mit der Aufnahme in das Royal College of Music nur ein Jahr später. Vanessa-Mae spricht Englisch, Französisch, Spanisch, etwas Deutsch und Chinesisch.
 
    
 

Trotz dieser und vieler weiterer Erfolge und Preise wird sie in der strengen Welt der Klassik oftmals noch immer geschmäht. In ihrer Philosophie und ganz offensichtlich in ihrer musikalischen Praxis steht der Spaß an der Musik klar im Vordergrund. Damit tun sich gewisse Wächter der Kunst seit jeher schwer. Die in Hotpants ihre pubertäre Erotik lebende Künstlerin vergraulte solche Gestalten gleich zu Beginn ihrer internationalen Karriere. Erotik scheuen vor zwanghafter Regeltreue staubtrockene Kulturhüter wie der Teufel das Weihwasser. Wörtlich.

Vanessa Mae macht es ihnen nicht leicht. Ist sie doch hochgradig virtuos, musikalisch extrem vielseitig, bildhübsch, ohne Hehl bezüglich eines gerne genutzten Sexappeal, hervorragend intelligent und mit ihrer ausgezeichnet freundlich angenehmen Art eine souveräne, selbstbestimmte Frau. Sie hat Spaß, sie findet ihn wichtig, vielleicht das Wichtigste an der Musik und sie kann ihn vermitteln. Vanessa Mae macht Spaß. Besonders live. Vanessa Mae wandelt stets über frisch mit Wasser bespritzten Rosenblättern auf die Bühne.

Wenn sie einem freimütig nach geduldig unzähligen Fotowünschen der immer gleichen und dann neuen Fans bereitwillig ohne Allüren stets freundlich nachgebend gegenübersteht und in die Augen blickt, spürt man eine segenspendende, klare Energie herrlich strahlender Schönheit.

Eigentlich mochte ich keinem ihrer auch unterschiedlichen Platten, welche allesamt besondere Perlen enthalten, den Vorzug geben. Dieses bietet einmal mehr ein wunderbares Potpourri scheinbar unvereinbarer Stilistiken mit durchweg gelungenen Arrangements teilweise bekannter, klassischer, fernerer und spezieller Titel. Insgesamt ist es poppig. Dabei energetisch sehr kraftvoll.

Auf das sanft einleitende "Summer Haze" folgt die sehr an Vivaldis Jahreszeiten erinnernde Titelnummer "Storm". Die gerät manchmal haarscharf nicht aus den Fugen. "Retro" kann ganz gut als eigenständige Synth-Fusion Nummer erklärt werden. Das hübsche "Bach Street Prelude" in sich kapriziös entwickelnden, sich bisweilen verklärendem Computerspieluhrenarrangement kommt als Nächstes. Kontrastreich dann eine erzählerische Gipsy-Moritat. Kippt sie manchmal wieder klassische Motive birgt sie überbordende, spielfreudige Musikalität.

Aber jetzt geht´s erst los: Der "Can Can". Garant für gute Stimmung als knallharte Disco-Hymne. Wer will da "Nein" sagen? (und wenn, selber schuld) Stromgeige und Gestöhne. Accelerando zum Schluss und künstlicher Chor. "Can, Can (You?)" lautet der abgewandelte Titel. Sie kann´s. Und zwar hemmungslos.

"Happy Valley" total anders. Eine Modern-Classics Celebration mit asiatischen Elementen und echtem Chinesen Chor. Zur Wiedervereinigung Hong Kong´s mit dem Festland. Da kann man nicht meckern. "A Poet´s Quest (for a Distant Paradise)" -für was sonst?- ist poetisch. (was sonst?) Sehr salbungsvoll. "Embrasse Moi (You fly me up)", die erste Nummer mit Vanessa an den Vocals. Himmlisch. "Aurora" trägt uns schwungvoll mit Violinengeschmacht über die Landschaften. "I´m a doun" ein sentimentales schottische Volkslied aus dem 19. Jahrhundert. Aufwendig orchestriert und nicht so langweilig wie "Mull of Kintyre". (Sorry Paul.) Jetzt der damalige Aufhänger: Donna Summers No.1 "I Feel Love" mit Vanessa on Vocals. Unweigerlich Disco. Hart, kühl und schwülstig. Dieser sehr spacy.

Extrem cool im Anschluss die fantastisch Starke Nummer "Hocus Pocus" der frühen Klassikrocker aus den Niederlanden: "Focus". Damals eine Sensation. Frisch wie nie kommt sie hier mit Hilfe fortgeschrittener Aufnahme - und Klangtechnik in grossartig entwickelter Neuauflage und musikalisch voll der Freude einer beim Spiel tanzenden, jungen Frau daher.Alles mündet im sakralen "The Blessed Spirits". Eine Frau, die dankbar und glücklich ist, sich an der Spitze ihrer Zunft und des Daseins zu befinden. Genau da, wo Menschen wie sie hingehören .

P.S.: Wenn ihr eine moderne Version der "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi (in originaler Version mit nur leicht angepasstem Arrangement und mit zusätzlichem Material auf der Platte) sucht, seien euch auch diese von Vanessa Mae an´s Herz gelegt. Sehr lebendig und Vivaldi hätte sich womöglich gefreut (denn der Barock war kein Zeitalter "unveränderlicher Vierecke") auch ´mal wieder eine die Strenge durch Lust am Spiel durchbrechende Version zu erleben

Beatle zum Anfassen


 
Interpret/Komponist: George Harrison
Titel: Cloud Nine
Tracks: 13
Label: Dark Horse Records / Warner 1987
Website:
  


Mit dieser Platte wäre George Harrison wahrscheinlich nicht zu weltweiter Berühmtheit gelangt, würde ihm nicht seine Vergangenheit als Beatle eine positive Voreingenommenheit beim Publikum und damit besseren Zugang, aufgeschlossene Herangehensweise und offene Ohren bescheren. Selbst die unterstützende Öffentlichkeitsarbeit würde im Wust der Veröffentlichungen leichter untergehen. Viel zu unprätentiös ist schon die ganze Aufmachung. Vielleicht hatten sie einfach keine Lust auf das ganze Brimborium und natürlich muss man sich als Beatle nicht hinter überirdisch wirkenden Hochglanzfassaden verbergen. Kommerzielle Megaerfolge braucht man nicht mehr beweisen und so treten die elf Songs ein wenig wie die Erstlingsscheibe einer jungen Bande in Erscheinung. Beatle zum Anfassen.
 
    
 

Auffallend vollverspiegelt ist Harrison´s Brille auf dem nur ihn vor schlichten Wolken zeigenden Cover. Die haben da Alufolie aufgeklebt. Ganz in Schwarz, lässt man das geschmacklich streitbare Linienmuster auf dem schwarzen, dem Anschein nach einem fernostasiatischen Touristenmarkt entsprungenem Hemd beiseite (Qualität: Hawaii-Hemd in S/W), schwarze Gretsch-Gitarre, Hose: schwarz und irgendwie wirkt Harrison mit dem unrasierten Grinsen unter den Wuschelhaaren selbst leicht höhnisch. Ein Wolkenbalken unterstreicht seinen Namen vor den eigentlichen Wolken als einzige gestalterische Raffinesse. Innen geht es ebenso schlicht weiter. Bilder internationaler Musikidole in familiärer Studiosession-Atmosphäre: Eric, Elton, Ringo, Gary Wright, Jeff Lyne…special thanks im Alltagsdress.

Elf Titel (zehn offenbar von George, denn es fehlen undurchsichtigerweise Urheberinfos, und eine alte Rock´n´Roll-Nummer zum Schluss) bringen abwechslungsreiches Songerlebnis nach Hause. Gehaltvolle Texte geben Georges Gedanken Preis, charakterstarke Musik kleidet die Themen erfreulich und farbig. Nicht zu kompliziert, doch mit menschlichem Tiefgang Gemütszustände und Dinge des Lebens behandelnd. Vordergründig deutlich wird das an der reflektierenden Nummer "When We Was Fab“, welche sehr geklärt die Situation der Beatle- Boys zur Ruhmeszeit darlegt und dies auch im Arrangement ironisch unterschreibt. Langsame, lustige und Liebeslieder. Beschwingter Rock und Metaphysik. Solche Platten macht der Harrison, wenn er reif und frei ist. Kein Beatle sein muss, trotzdem sich das nicht ändern lässt. Hätten sie sich nicht aufgelöst, wäre es wohl in diese Richtung gegangen. Kommerziell ist das zu eigensinnig. Eigenständig. Die Alufolienaugengläser zu wohnzimmerkreativ. Die Platte sagt: "Wir kochen alle nur mit Wasser. Manche haben einfach mehr Talent, mehr Möglichkeiten oder mehr Glück. Wichtig ist, echt zu sein. Das kannst du auch. Besser als die Seele mit Hochglanzchromplastik verklebt zu bekommen, damit es blinden Massen als toll angedreht werden kann.“

Lässt man sich auf die etwas queren Nummern ein, findet man ein Weise der Kunst als menschlichen Ausdruck normaler Leute, facettenreich, wie der Alltag mit der ebenso profanen , wie unglaublichen Schönheit der Gänseblümchen und Buchfinken und wird mit dem vielleicht auch zynischen, aber sehr Spaß bringenden und tanzbaren "I got my mind set on you“ belohnt. Wenn man eine Platte des Niveaus von Beatles sucht, kauft man am besten eine Platte eines Beatles. Wolke neun ist zwei Stufen über Wolke sieben.

Riesenkonzert, super Realisation


 
Interpret/Komponist: Cliff Richard
Titel: The Time Machine Tour - Die DVD zur Tour des 50 jährigen
Bühnenjubiläums aufgenommen in der Wembley Arena, London
Tracks: 46 plus Bonus Fotogalerie aus fünf Jahrzehnten, ca. 160 min, Format: DVD 9 ohne Ländercode, keine Alterbeschränkung Bildformat: 16:9 Audio: DTS Surround Sound Dolby Digital 2.0 Stereo
Label: Edel records GmbH
Website: www.cliffrichards.org


Cliff Richard vorzustellen erübrigt sich. Selbst die, denen er zu nah an Schnulze und Schlager wäre, kennen einige seiner Hits und mögen vielleicht doch den einen oder anderen Song. Cliff ist der erfolgreichste (Einzel-) Künstler Englands bis heute. Eine internationale Musik-Legende. 250 Millionen weltweit verkaufte Tonträger, 56 Hits sogar in den deutschen Charts, davon vier Nummer eins und fünfzehn Top-Ten Titel. Weltweit hat er über 200 Alben veröffentlicht und 123 Hits zu vermelden. 1980 erhielt er den O.B.E. (Officer of the Order of the British Empire) und wurde 1995 zusätzlich von der Queen zum Ritter geschlagen. Die auf der DVD verewigte Tour zu seinem fünfzigsten Bühnenjubiläum startete im November 2008 in seiner Heimat England. Ist also Topaktuell .
 
    
 

Fast bescheiden lässt Cliff sich von einer sechsköpfigen Liveband, vier Backgroundsängern und acht Tänzern begleiten. Jedes Detail dieses über zweieinhalbstündigen Liveerlebnisses liegt in hervorragender Bild- und Tonqualität auf technisch höchstem Niveau vor. Die Bildqualität verträgt problemlos Zoomvergrösserungen. Ohne jeglichen Zweifel sind hier souveräne Profis am Werk. Dem Status gebührend wird hier nicht gekleckert. Natürlich erwartet man von einer fünfzigjährigen Erfahrung auch ein entsprechendes Niveau. Nur gibt es auch andere, die lange von der Bühne, von der Bildfläche, aus dem Leben verschwunden sind. Wieder andere sind entweder zu routiniert geworden oder sehr abgehoben. Verstecken sich womöglich ob ihrer Möglichkeiten hinter einem uferlosen Apparat oder lassen von einer Garde jüngerer den Auftritt bestreiten, welche sie stützen .

Nichts davon hat Cliff nötig. Über zweieinhalb Stunden sind schon für Zwanzig jährige Bands und Sänger eine Strapaze. Cliff ist immer vorn an der Rampe. Tanzt, lässt sich auf einem Surfbrett herumtragen, hüpft ohne deswegen sich in Playback flüchten zu müssen. Wechselt die Klamotten. Spricht viel mit dem Publikum, was sehr aufrichtig vertraulich und sympathisch wirkt, aber auch der Stimme Pausen gönnt. Vergessen wir nicht, dass jeder von uns in seinem Alter froh sein wird einigermaßen gesund zu sein. Sogar eine Live-Uraufführung: "She means nothing to me" gibt es, da er die Nummer bisher nie auf die Bühne bringen konnte. Tolle Tänzer, schöne Kostüme. Vor dem Time-Machine Bühnebild werden die Songs mit individuellen Choreographien abwechslungsreich in Szene gesetzt. Klasse Show. Leicht und konventionell. Natürlich weder Avantgarde noch Revolution.

Gute Musiker spielen die Sachen ohne Tadel. Moderner, erstklassiger Sound. Cliff ist kein Jahrhundertsänger und sein Alter macht es seiner Stimme nicht leichter. Aber das ist vollkommen egal. Souverän und professionell beherrscht er das Material des umfangreichen Programms. Ganz sicher ist alles in Ordnung mit seinem Vortrag und im Vordergrund steht allemal der Spaß. Und den haben sie immer noch.

Nicht das man glaubt das ließe zum Ende hin nach. Im Gegenteil steigert man die Stimmung noch einmal auf einen Höhepunkt hin und Cliff und seine Leute lassen die Hüften kreisen zu schwungvollem Rock´n´Roll. Dann im "Millenium Prayer" wieder mehr Pathos und noch mal zieht das Showtempo zum Schluss an. Das Publikum klatscht mit, schunkelt, die Halle steht längst. So ist es gewünscht.

Zwei verschmerzbare Wermutstropfen bleiben. Die Bildergalerie als Bonus ist schwach und die Bildergalerie selbst leider auch. Ich finde diese Bonusmasche ohnehin schwachsinnig. Was auf der DVD/CD drauf ist, ist drauf. Es gibt doch sowieso keine Version ohne den Bonus usw. Aber wenn schon, sollte es vielleicht besser dem Status genügen. Das tut die Bildergalerie nicht. Jeder Fan hat sicher seit Jahrzehnten mehr, speziellere, bessere Bilder gesammelt. Es sind nur 11 schwarz-weiße und zwei farbige. Aus fünf Jahrzehnten?! Wie es heißt. Und gerade besonders spektakulär sind sie auch nicht.

Es lassen sich aus so einer Karriere nicht alle Hits auf einem Konzert spielen und auf einer DVD vereinigen. Es sind zuviele. Doch fehlt mir einer: "Lucky Lips". In Deutschland als "Rote Lippen soll man küssen" bekannt geworden. Weicht der deutsche Text vom Sinn der englischen Version weit ab, was wohl dem Autor angelastet werden muss, ist doch die Originalversion eine Perle alltäglicher Weisheit. Klar und schlicht formuliert, wirklich wahr und stets zu bedenken. Ein schöner, kleiner Song für Jedermann und zum Mitsingen.

Vielleicht gab es verlags-, urheber- oder sonstige rechtliche Hindernisse die Nummer mit ins Programm zu nehmen. Vielleicht reizte Cliff das einfache Stück nicht mehr oder es hing ihm sozusagen gar zu sehr zum Halse heraus, als dass es noch einen Platz darin finden mochte ? Zugegebenermaßen gibt das Lied musikalisch nicht viel her, ist aber gerade deshalb so unmittelbar, hat mit seiner hübschen Melodie den lebensfrohen Charme eines Lausbuben. Es verwundert einfach, dass ein so großer Hit fehlt und viele werden ihn vermissen.

Sonst alles bestens: Riesenkonzert, super Realisation. Schnulzensängerschönling? Ja ! Das ist Geschmacksache. 50 Jahre Bühnenpräsenz nicht. Die Gunst der Massen ist nicht immer eine Auszeichnung. Die Gunst der Zeit manchmal auch nicht. Nicht alle überleben und es zu schaffen ist edel genug. Eine Legende zu werden kann niemand steuern. Keine Kratzer in den Lack des Monuments zu bekommen ist schon außergewöhnlich. Nach oben kommen viele. Oben bleiben wenige. "I´m nearly famous now" (Jetzt bin ich schon fast berühmt) singt Cliff.

Wo er recht hat , hat er recht. ;-)



Zum Leben erweckt  
 

 

 

Autor:

Irmgard Keun, gelesen von Fritzi Haberlandt

Titel:

Das kunstseidene Mädchen

Originaltitel:

-

Umfang:

4 CDs Gesamtdauer: 268:41 Minuten

Format:

Hörbuch

Preis:

variert

Verlag:

BRIGITTE Edition "Starke Stimmen"

ISBN:

B0007N1BJO

Website:

www.empyreal.de  



Dieses Werk begegnet uns in Form des Tagebuches der jungen Hauptfigur Doris über den Zeitraum etwa eines knappen Jahres. "Aber ich will schreiben wie Film, denn so ist mein Leben und wird es noch mehr sein." Fritzi Haberlandt gelingt es in der Hörbuchversion diesen "Film" vor unserem geistigen Auge lebendig werden zu lassen. Sogleich fällt es leicht und scheint nur natürlich die Sprecherin des Textes mit Doris dem kunstseidenen Mädchen zu identifizieren.

 

    

 


Verwendet mancher ein Hörbuch, um vorgelesen zu bekommen, seine Augen zu schonen oder einfach die professionelle Sprechkunst eines Darstellers zu genießen so ist die Symbiose der persönlichen Notizen in der Perspektive eines Tagebuches und der affektiven Gestaltung der Geschichte hier traumhafte Wirklichkeit.

 

Fritzi Haberlandt wird zu Doris. Bald kann ein Unterschied nicht mehr wahrgenommen werden. Die eigene Sprache des Mädchens und ihrer gesellschaftlichen Schicht bringt sie als sei ihr selbst der Schnabel so gewachsen. Wir hören die junge Frau quasi ihre eigenen Tagebucheinträge vorlesen. Mit der für junge Frauen typischen, leicht hysterisch anmutenden, emotional unmittelbaren Beteiligung, als wären es gerade die aktuellen. Wir sind das Tagebuch und Doris/Fritzi vertraut uns ihr Leben aus erster Hand an.

 

Die einzelnen Einträge bieten kleine Erzähleinheiten. Die Sekundenbruchteile dazwischen, von denen und zu welchen Fritzi Haberlandts Sprechatem den Bogen spannt und wieder aufnimmt, scheinen wir geschlafen zu haben. Bis das kunstseidene Mädchen wiederkehrt, um uns die Neuigkeiten zu schildern, als hätte sie diese soeben erst selbst erfahren. So tauchen wir in wenigen Stunden ein in eine authentische Romanwelt dieses unverdorbenen Wesens.

 

Gerne schließt man die junge Frau ins Herz, wie sie die Welt und ihre Teilnehmer um sich herum entlarvt. Den zudringlichen Rechtsanwalt dessen langweiliger Schreibstube, wie der grauen Abhängigkeit und der Öde des kleinbürgerlichen Milieus sie zu entrinnen sich wünscht. Später ihre Kolleginnen und Widersacher am Theater usw. Mit dem Witz einer Distanz und der Treffsicherheit naiver Unbefangenheit höhnt und kritisiert ihre bildhafte Sprache mit klarem Blick auf ihre Umgebung. Man möchte mit ihr lachen und ist erfrischt.

 

Dann wendet sie sich mit viel Mitgefühl wieder schwächeren Mitmenschen zu und beklagt doch auch die große Ungerechtigkeit, die es in der Welt gibt. Ihr liebenswürdiges Gemüt überzeugt uns, sie urteilt nicht. Ihr Unverständnis steigert sich bisweilen zu Abscheu und so sind die unverhohlenen Beschreibungen das Ergebnis einer unverstellten Weltklugheit. Trotz Herkunft aus einfachen Verhältnissen ist das kunstseidene Mädchen offenbar doch keine gewöhnliche Frau. Ein ausgeprägtes Mitgefühl, überdurchschnittliches Empfindungsvermögen zeichnet sie aus und man möchte ihr Verzeihen, weil sie doch immer Nachsicht mit Allen hat und bei nur dem einen fast kindlichen Wunsch "ein Glanz" zu werden sonst nie eine Absicht oder Selbstsucht erkennen lässt.

 

Wie ein Kind in unschuldiger Hoffnung darauf die Welt möchte so sein, wie man sie sich wünscht, beschreibt das Tagebuch mehr als nur das Leben von Doris, dem kunstseidenem Mädchen und eben sie darin mehr als so gefühlvolles, liebenswürdiges, über alle Verdacht erhabenes Medium, einen Spiegel der Welt, der Gesellschaft, der Menschen im Deutschland der schwierigen 30er, ihrer Sorgen und Probleme, wie Arbeitslosigkeit, Überlebensstrategien, Hoffnungen, Wünsche, Leiden, Eitelkeiten.... Das kunstseidene Mädchen denkt laut über die Welt nach und schenkt uns diese Gedanken.

 

Irmgard Keun, ersann diese Figur, welche ihr in Zügen angeblich autobiographisch nahestand, lies sie diese Welt erfahren und zeichnete ihre Erlebnisse in einer nicht literarischen Zielen verhafteten, sondern volksnahen, von normalen Menschen gesprochenen, unmittelbaren und von der Faszination für das junge Kino geprägten, bildreichen Sprache auf.

Fritzi Haberlandt erweckt das Buch, die Figur, die Geschichte in unseren Köpfen zum Leben. Besser als es ein Film je hätte schaffen können.

Gratulation!



Nachvollziehbare Vielschichtigkeit  
 

 

 

Autor:

Susanne Kölbl, Olaf Ihlau

Titel:

Krieg am Hindukusch: Menschen und Mächte in Afghanistan, Vollständig überarbeitete und aktualisierte Ausgabe Mai 2009, Titel der vormaligen Originalausgabe: "Geliebtes, dunkles Land“

Originaltitel:

-

Umfang:

336 Seiten

Format:

Softcover

Preis:

EUR 12,95

Verlag:

Pantheon

ISBN:

978-3570550755

Website:

www.randomhouse.de/pantheon 



Es liegt eine Neuauflage des weithin als konkurrenzlos geltenden Werkes über die leidvoll präsente Situation in Afghanistan vor. Hintergründe und Zusammenhänge werden bis weit in die Vergangenheit vielfältig beleuchtet. Die historischen und politischen Fakten nötigen dem Leser durchaus Konzentration ab. Umfassende Daten und Namen fordern seine Aufmerksamkeit Man erfährt einiges über den Werdegang Osama Bin Ladens. Den besser Informierten mag das Meiste bereits bekannt sein und deshalb ist seine Geschichte auch knapp gehalten. Offensichtlich nicht Aufgabe dieses Werkes ist Bin Ladens Entwicklung mit der Geschichte Afghanistans und der gesamten Problematik offenkundig verbunden, so dass der entsprechende Teil Eingang gefunden hat. Einem weniger intensiv mit der Materie vertrauten, und damit wohl vielen nur allgemein politisch interessierten Lesern trägt es auch diesbezüglich zur besseren Einsicht bei.

 

    

 


Darstellungen der nationalen und für die einzelnen, recht unterschiedlichen Teile Afghanistans landestypischen Gepflogenheiten, wieder deren Gemeinsamkeiten, Werdegang der herrschenden Führungscharaktere, ebenso wie Reaktionen und Mentalität der Stämme lassen die Konfliktsituation in ihrer Vielschichtigkeit nachvollziehbar werden. Dadurch versteht man alles viel besser. Die allgemein vorhandene Kritik an den Amerikanern, ihrer Gründe, Haltung, Politik und Vorgehensweisen wird durch konkretere und klar formulierte Sachlagen verdeutlicht, wie einem gleichsam so einfache Mechanismen wie die Parteinahme der Bevölkerung durch simple Lebensverbesserungen zurück in ´s Bewusstsein gerückt werden. Wer beisst die Hand, die ihn füttert? Aber auch wenn man nur einen Teil der reinen Information behält, erfährt man Wichtiges zur Situation in Afghanistan. Viel tiefer geht die Wirkung: Das Buch bringt uns Afghanistan nahe. Hier kann man lernen, verstehen, helfen.

 

Unter Zurücknahme ihrer selbst ohne das eigene Anliegen und persönliche Engagement ganz zu verbergen, wird eine komplexe und furchtbare Realität detailliert aufgeschlüsselt, dabei auch einem unbedarften, aber interessierten Leser entsprochen. Und mehr: Man wird mitgerissen. Gefesselt drängt man über die Vielzahl an geographischen und geschichtlichen Inhalten hinweg. Man möchte wissen, wie es weitergeht. Fasziniert von der Schilderung bekommt man fast ein schlechtes Gewissen die furchtbare Wirklichkeit der afghanischen Menschen im Krieg spannend wie einen Abenteuerroman zu lesen. Vielleicht ist es nur die Blasiertheit des westlichen Zivilisationsmenschen, der sich im Überfluss verstrickend auch dieser Fülle flacher Reize bereits überdrüssig sein Alltagsleben so langweilig findet, dass ihm die Härte der Lebensrealität gepeinigter Nationen aufregend erscheint. Vielmehr schaffen die Autoren jedoch diese Authentizität, weil sie an selbst erlebten Beispielen aller möglichen Beteiligten Situationen schildern, welche reale Eindrücke gerade wegen ihrer lebendigen Erfahrbarkeit vermitteln. Hier werden wahrhaftige Ereignisse und die Wirklichkeit lebender Menschen detailfreudig und bildreich gezeichnet.

 

Es geht so weit psychologische Momente zu begreifen, wie die Zweifel an der individualisierten Gesellschaft westlicher Zivilisation. Wenn wir selbst uns für gebildet haltende und gewissermaßen in rationaler Vernunft, wie mit rein wissenschaftlicher Information reichlich vorteilhaft ausgestatteten und angeblich aufgeklärten Persönlichkeiten schon Schwierigkeit haben, eine fremde Kultur und Mentalität tatsächlich verständnisvoll zu erfassen, kann man doch nur allzu gut mitfühlen, was die Erfahrungen und Mediendarstellungen unserer Welt bei der afghanischen Bevölkerung trotz allein durch die Not um Hilfe vorhandene Aufgeschlossenheit an Eindrücken bewirken muss. Wie die "Demokratie“ zum Synonym für gebrochene Versprechen, Gewalt und Sittenlosigkeit wird.

Neben dem, was der Mensch aus der uns scheinbar fernen Problematik und den schönen Einsichten in fremde Kultur und individuellen Lebenssituationen, der so anderen und dabei in ihren Wünschen doch nicht so verschiedenen Menschen für sich selbst lernen mag, wird einmal mehr deutlich, wie wenig man sich aus menschlichen Konflikten heraushalten darf und wie schwer es dabei bleibt sich nicht einzumischen. Das heißt selbstlose, uneigennützige Hilfe zu leisten. Anzubieten, zur Verfügung zu stellen und zu stehen, unterstützen ohne eigennützig zu sein und nur verblendet, das zu verfolgen, was man für richtig hält und das Maß zu kennen, um die Würde des Leidenden nicht zu verletzen und seiner eigenen Art und den daraus resultierenden Entwicklungsweisen zu entsprechen. Sowohl um erfolgreich werden zu können, als auch in den Genuss eines stabilen Ergebnisses freier Selbstbestimmung zu kommen. Freiheit bedeutet immer die Freiheit des Anderen. Wie der andere sie verstehen möchte. Freiheit lässt sich eben nicht aufoktruieren.

Den Autoren gelingt das Kunststück Fakten distanziert zu handhaben und dabei die persönliche Verbundenheit mit den Menschen, deutlich die eigene Beteiligung klargestellt, spürbar werden zu lassen. Die Vielschichtigkeit der wirkenden Faktoren sachlich darzulegen, ohne auf die doch entscheidende menschliche Teilnahme verzichten zu müssen. Mag man ob der Fülle der Information überfordert sein, wird diese nie in Frage gestellt durch mögliche Empfindungen, welche dafür umso sicherer ankommen und erhalten bleiben. Die Autoren sind nah an der Sache, den Menschen, im Land und erleben alles selbst, ohne Partei ergreifen zu müssen. Allein schon in den Danksagungen erfährt man leicht die Intensität der Recherche und persönlichen Aspekte derselben, wie den „hohen persönlichen Einsatz“ des Fahrers. Es lässt sich förmlich spüren wie unmittelbar man mit dem Tode bedroht sein kann.

Trotz dem, was man an Hindernissen erfährt und entgegen aller zitierter Einschätzung von Fachleuten und Beteiligten mündet die Darlegung in eine hoffnungsvolle Aussicht, welche zum Glück nicht minder realistisch bleibt. Als Krönung finden sich nebst diversen Schwarz-Weiß-Abbildungen im Buch selbst im Druck technisch hervorragende und als Bilddokumente fast romantisch schöne Eindrücke wilder Landschaften, veritablen Talibankämpfern, Hirten und Weiden, von Kabul und Soldaten, traditionelles Brot, verschleierte Frauen auf dem Spaziergang .

Bei einem im Netz gefundenen VDO-Clip eines öffentlichen Interviews der beiden Autoren, wenn ich mich recht erinnere zur Buchmesse im Veröffentlichungsjahr des vormaligen Originalwerkes spürt man sogleich, wie sie den Wunsch am liebsten gleich das ganze Buch und vielleicht darüber hinaus zu erzählen hinter pragmatischen Notwendigkeiten zurücklassen, im Zeitkorsett und zugunsten einer besseren Fassbarkeit für das Publikum auf die gerichteten Fragen knappe Antworten bieten, denen der Druck der viel weitergehenden Erfahrungen dahinter nur zu deutlich angemerkt werden kann. Nicht zuletzt beantworten sie die im aktuell medientauglichen Superlativ gefasste Frage nach „dem Wichtigsten“, nach dem, was Afghanistan ihnen selbst bedeute, was es ausmacht und ihnen gegeben habe, das zu dem ursprünglichen Titel „Geliebtes, dunkles Land“ geführt hat. Was sie daran liebten? Natürlich wissen die beiden um den Medienzwang und haben gelernt Dinge knapp und einfach zu formulieren. Gemeinsam ringen sie einen Moment mit der Fülle ihrer Teilnahme und münden, den Blick auf vor ihren inneren Augen auftauchenden Bilder voller Empfindungen, welche hinter diesen wenigen kleinen Worten stehen müssen, darin, was eine Nation jenseits aller Machtpolitik und wirtschaftlichen Interessen, jenseits der Gewalt und des Leides ausmacht, berührt und eint: "Das Land, die Menschen.“

Meine aufrichtige Hochachtung.

 



Literarisch entbehrlich


 
Autor: Charlotte Roche
Titel: Feuchtgebiete
Originaltitel: -
Umfang: 224 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: EUR 8,95
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548280400
Website: www.ullstein.de  


Nicht mehr ganz aktuell ist der dauernde Erfolg dieses Buches auffällig. Charlotte Roche muss nicht näher beschrieben werden, seit sie eine der frühen und erfolgreicheren MTV-Moderatorinnen war, was in gewissen Kreisen als Garant für nicht zwangsläufig überbordende intellektuelle Möglichkeiten gilt. Ihr Gouvernanten-Charme war mir stets sympathisch. Vielleicht lag es nur daran, dass sie kein idiotisches Kreischblondchen-Klischee bediente, welches nur aus T & A zu bestehen scheint. Als mit MTV Schluss war, versank sie gebührlich in Vergessenheit. Weil sie eine gar so große Nummer bei dem Musiksender zu sein schien, wunderte sich mancher, wie kategorisch ihr Karriereende ausfiel.
 
    
 

Dann kam sie relativ unerwartet mit einem Roman ans Tageslicht zurück. Die Einen überrascht (können MTV-Moderatorinnen schreiben und lesen?), andere desinteressiert, wurde dieser stark beworben und fand ein breites Publikum. Charlottes Moderatorenerfahrung machte sie zu einem praktikablen und gern genommenen Gast der unzähligen Talk -, Interview – und Wir besuchen uns für die Bewerbung unserer Produkte einfach gegenseitig – Shows. Dort sollte sie zur Belustigung die jeweils ekeligsten Stellen aus ihrem Buch beispielhaft vortragen. Alte verklemmte Typen laden gerne junge Frauen wegen bisschen Schmuddel ein. Vor allem wenn sie optisch eher …eben wir kennen sie ja.

Der Roman ist literarisch entbehrlich. Die Sprache bietet wirklich wenig Besonderes, nicht einmal heiße Jugendkulturfloskeln. Die Story, sozusagen die Handlung ist stark begrenzt und weder von spektakulärer Spannung, noch neuen Erkenntnissen, tiefen Gefühlen, historischen Zusammenhängen oder irgendwas in dieser Richtung erfüllt. Die ganze Sache dreht sich fast ausschließlich um, bzw. ist nur das seichte Rahmenprogramm für die immer deutlich hervorgekehrte Vorliebe und Verfolgung ausdrücklicher Antihygiene. Dies wird bei allen Gelegenheiten und in Bezug auf alle Lebensbereiche und natürlich besonders in Zusammenhang mit den relativ weitreichenden sexuellen Errungenschaften ihrer Heldin Helen dargestellt. Zusätzlich entwickelt sie ein gewisses Sendungsbewusstsein die Welt mit der Antihygiene zu versorgen und schadenfroh zu necken. Helen ist ein wenig infantil. Ist wahrscheinlich in dem Alter, in dem man sich gewöhnlich für sehr erwachsen hält ganz normal.

Das Buch liest sich leicht und schnell mangels Gehalt. Wenngleich die Hygieneparanoia einiger Wohlstandsbürger zweifellos so lächerlich wie dumm ist, würde ein Psychologe Helens, und laut ihrer Talk-Show Besuche auch Charlottes Hygieneauffassung als zwanghafte Störung aufgrund frühkindlicher Traumen in der analen Phase verstehen. Das wird auch bestätigt, denn die Heldin rebelliert gegen den bürgerlichen und geschlechtlich ungerechten Hygienewahn ihrer Mutter. Bestimmt ist die besessene Fixierung auf die Lust sich zu beschmutzen und immer irgendwelche Aufhänger oder sonstig scheinbar außergewöhnlichen Praktiken zu nutzen nicht die Lösung und kein Zeichen eines entspannten und gesunden Verhältnisses zur Sexualität und allen möglichen Varianten mit und ohne Bakterien. Leider bleibt die ganze Sache sehr oberflächlich und es werden keine Zusammenhänge klar außer, dass eben Helen geil auf Schmutz ist, weil ihre Mutter den immer verboten hat. Na toll. Insgesamt ist es die flache Geschichte eines jungen Allerweltsmädchens, dass ihre bürgerliche Vergangenheit und Jugendkonflikte verarbeitet. Der berüchtigte MRR würde wohl einmal mehr von Nabelschau sprechen. Weil aber genau das das Problem eines großen Teiles der Gesellschaft und von Frauen und Mädchen noch immer ist, kommt die pseudolockere Dreckspielerei bei Vielen an und das eigentliche Drama ist, wie furchtbar hartnäckig das Problem sein kann und wiederkehrt. So gesehen war dies Werk sicher noch sehr nötig zur Befreiung der Frau und als neuer Anstoß gegen die, auch durch wahnwitziges Medienbombardement bewirkte, Stagnation der sexuellen Revolution. Nur kein Stress: So allgemein normales Vögeln auch nach der Dusche ist nicht geringwertig und vollkommen okay. Liebe stört nicht. Sorry, Charlotte, dein Zeug ist gar nicht so interessant, aber wir gönnen dir die Kohle und mögen dich trotzdem.




Intelligente Popmusik


 
Interpret/Komponist: Dave Stewart & Barbara Gaskin
Titel: As Far as Dreams can go, The Singles, The Big Idea
Tracks: variert
Label: Line (DA Music)
Website: www.davebarb.demon.co.uk  


Beim Duo Dave Stewart & Barbara Gaskin handelt es sich um Musiker, die in Deutschland wenig bekannt sind, obwohl sie in ihrer britischen Heimat Top-Ten Hits landeten, noch auftreten, zusammen Alben produzieren und veröffentlichen (zuletzt im März 2009 und ein Re-Release Oktober 2009). Dieser Dave Stewart ist Keyboarder und hat außer seinem Namen nichts mit dem Gitarristen Dave Stewart von den Eurhythmics gemein.
 
    
 

Auf den drei Scheiben finden sich bekannte Hits wie "It´s my Party“ – damals der Charteinstieg für die beiden (bis der "Bird Song" von Lene Lovitch (grusel) die No.1 belegte) – die Rock´n´Roll - Tanznummer "Locomotion“, den wirklich extrem klasse Song "Busy doin´ nothing“, welcher schon mit Bing Crosby voller Frohsinn war: "We´re busy doing nothing, working the whole day through, trying to find lot´s of things not to do, we´re busy going nowhere, isn´t it just a crime, we´d like to be unhappy , but: we never do have the time….

In neuen facettenreichen Gewändern, welche den unvorbereiteten Zuhörer mit Vertrautem an die ausgeklügelten, glasklaren Synthiesoundkaskaden von Daves Arrangements heranführen. Auch weniger bekannte Werke anderer Songschreiber wie "Leipzig“ von Thomas Dolby und das wunderbare "I´m in a different World“ von Holland/Dozier, Johny Rocco von van Dyrke oder der "Siamese Cat Song" von Peggy Lee und Sonny Burke aus Disneys "Susi und Strolch" und viele Andere finden sich.

Die eigenen Nummern sind noch interessanter. In ihnen offenbaren sich umso mehr die Talente. Barbara Gaskins Stimme ist sanft, angenehm und dabei leicht fähig sich den Stimmungen der Titel entsprechend romantisch, fröhlich, traurig bis melancholisch, poppig, frech, erzählerisch, beschwörend, bestimmend, abgehoben, liebevoll, liebenswürdig und oft entrückt zu geben und dabei immer ein bisschen streng, akademisch korrekt, vielleicht gleichzeitig so kühl wie die künstlichen Klänge der Synths und Sampler sein zu dürfen. Dave kann hier frei seinen stimmungsvollen, bis symphonischen Klanggemälden nachgehen. Grob gesprochen handelt es sich um 80er Jahre Synthie-Pop. Kompositorisch , musikalisch jedoch hochanspruchsvoll. Hier werden mit elektronischen Klängen wie mit Orchesterfarben Gemütsverläufe weit über gängige Songmuster hinweg gestaltet. Jede Nummer eine Reise durch die im Text beschriebenen Situationen. Da sind opulente Balladen wie treibende Up-Tempo Knaller. Eingängige Gassenhauer neben komplexen und harmonisch sich verstrickenden Gebilden. Wirklich bemerkenswerte Konstrukte kompositorischen Geistes paaren sich mit konventionellen Refrainmonstern.

Dave hat selbst zwei Bücher zu Komposition, Arrangement, Improvisation etc. verfasst, die diese Dinge auch Laien näherbringen können. Nur in englischer Sprache erschienen.

Auf der Homepage wird sie intelligente Popmusik genannt. Yes!




Einfache Wahrheiten


 
Interpret/Komponist: Lou Reed
Titel: New York
Tracks: 14
Label: Sire
Website:
 

Zur Person Lou Reed braucht man nicht viel zu sagen. Velvet Underground sind Legende, mit Andy dem Warhol sind sie herumgezogen und dem breiten Publikum ist der Walk on the Wild Side als Mitsinger selbst für den tonal unbegabtesten Suffbruder als einziger Song bekannt, ohne unbedingt einen Schimmer von dessen grausamen Background der Gosse erahnen zu müssen.
 
    
 

New York ist amerikanischer Punk, Underground, ist Lou Reed. Die Songs beschreiben in einer beeindruckenden Klugheit, textlich auf einem poetischen Niveau – was sind Songtexte anderes als Gedichte, Verse, Poesie? – und dabei aufs eindringlichste die hässliche Lebensrealität einer amerikanischen Städtekultur und deren Unterschicht. Keine weichen Rindsledersessel. Kein Gucci. Kein Chrom.

Drogen, Prostitution, Bildungsmisere, Bildungsfatalität. Homosexualität, HIV…Tod. Die Musik ist von der selben Kraft. Roh, unverblümt und sehr intensiv. Mit seinem Lieblingsset "you can´t beat 2 guitars, bass, drum“ entstehen 14 Titel, die in ihrer Einheit des Sounds und der Attitüde keinerlei Langeweile aufkommen lassen oder nur annähernd einen Verdacht es könnte alles gleich klingen bestätigen. Diese Songs sind stark und eigen. Auf eine direkte, bedrohlich wahrhaftige Art. Die wenig sangliche Stimme Reeds ergänzt die Musik mit ihrem Sprechgesang wunderbar. Texte im Booklet. Der Sound und die Produktion sind erstklassig. Bass, Schlagzeug, Gitarren klingen wie im Zimmer. Kein Effektfirlefanz, nur Druck. Geistiges Niveau hoch, Talent klasse, professionell hervorragend, Bodenständigkeit stabil, einfache Wahrheiten.

Sicher nicht jedermanns Geschmack. Vielleicht ist es Vogelscheiße auf deinem Kopf, die wir vermeiden möchten und schnell aus dem Leben zu verbannen suchen, welche hier besungen wird. Aber diese Vogelscheiße gibt es und auf dieser Platte kannst du sie riechen. Dabei ist sie verdammt cool zu hören.

Pan Tau kann zaubern


Gewissermaßen ist es unnötig zu Pan Tau überhaupt eine Rezension zu verfassen, da die Serie diesen sprichwörtlichen Kult-Charakter erreicht hat. Leider ist das Attribut "Kult“ zu einer dieser Worthülsen verkommen, das nur mehr zu dem blinden Wunsch ohne eigene Auseinandersetzung oder gar Reflektion daran – an dem Kult – teilhaben zu dürfen oder zu müssen, taugt. Es handelt, sich wohl um ein Symptom der desozialisierten (© bernhard faaß) Gesellschaft, welche in Verkennung ihrer sozialen Defizite nurmehr den tief empfundenen Mangel verspürt. Dabei leider die Ursachen oder das, was verlustig ging, nicht mehr erinnernd es daher durch hohle Ziele wie eitle Götzen zu ersetzen sucht, nur um diese in auffälligem Eifer zu verfolgen. Kult: rituelle Anbetung aus Kompatibilitätsgründen bedeutungsentleerter Idole durch relativ schwachrational entwickelte Geister zur Erlangung von diesen Mechanismen nutzender Herrschaftsklasse in Aussicht gestellter Erlösung. Unterstützt niedere Instinkte wie vordergründiges Rivalitäts-, Karriere – und Hierarchiedenken. Insgesamt rudimentär und evolutionshemmend.

 
    
 

Nennen wir Pan Tau lieber eine Legende. Verwunderlich genug, dass die Verfügbarkeit der Serie auf DVD so lange auf sich warten lies. Anlass genug diesen Klassiker einem neuen Publikum nahezubringen, das nicht schon aus vormaligen Zeiten vollkommen hingerissen von der dezenten Figur das Erscheinen hoffnungsvoll erwartete. Ja Leute, das ist die gehaltvolle, unschuldigem Frohsinn, selbstverständlicher Empfindungstiefe und der Zufriedenheit lebendiger Menschen entspringende Traumwelt. Am Beispiel der im Zusammenhang nicht erstrangigen Hintergrundmusik wird ersichtlich mit welch aufrichtigem Engagement man zu dieser Zeit das Geschäft der Fernsehserien-Produktion betrieb. Es ist eine dieser begeisterungswürdigen tschechischen Werke, die dem Gemütsreichtum der slawischen Seele alle Ehre macht. Wirklich schöne, kunstvoll komponierte Musik von echten Musikern eingespielt, war Ehrensache. Vom hohen Wiedererkennungswert der Titelmelodie nicht zu reden, dessen Thema in geschickter Weise den Stimmungen der jeweiligen Szenen entsprechend arrangiert wird. Eine derartig gekonnte Detailgestaltung kommt einem bei heutigen Produktionen gar nicht mehr als Option in den Sinn, so abwegig lassen sie das allgegenwärtige Kostendiktat der Billig-Billig-Profit-Wegwerf-Schei…tel dr….über….Produktionsmaschine erscheinen. Wirklich von Herzen arbeitende Könner bringen ihre Befähigung zur Geltung. Trotz geringerer technischer Mittel und geringeren Budgets übersteigen die ausgebildeten Möglichkeiten des menschlichen Geistes und des Antriebs bestmögliche Ergebnisse zu unseren Gunsten und unserer Freude zu schaffen kurzlebig platte Reizeffekte durch vielfältige Details, Tiefe des Ausdruck und Sinngehalt, welche die Folgen zu einem immer wieder wertvollen Genuss werden liessen.

Pan Tau ist eine reife, dabei klare und strukturell richtiggehend einfache Figur. Schon der Name ist Beweis für gestalterische Intensität auch auf der zweiten und weiteren Bedeutungsebene. Der klangvolle Name des schweigsamen Herrn besteht aus zwei Begriffen der mystischen Welt, die sich in ihrem offensichtlichen Gegensatz zu einer natürlichen Symbiose vereinigen. PAN der ziegenhufige König der Waldgeister und Elfen – neuerdings bekannt durch den Fantasy-Film "Pan´s Labyrinth“ und vormals von der Kirche als Bild des Leibhaftigen missbraucht – repräsentiert die animalischen Kräfte der Fauna, der säugetierhaften Natur, irrationale, instinktive biologische Mächte. TAU, ist wohl nicht unbedingt der flüchtige Glanz eines wörtlich zu verstehenden Taues, als vielmehr das asiatische Dao, früher oft in der Lautschrift als Tao mißinterpretiert und/oder zugleich der mit vielfältigen Interpretationen belegte letzte und 22. hebräische Buchstabe tatsächlich identischen Namens Tau. Unser T, welches seither auch mit dem Christus, der universellen Liebe identifiziert wird.

Die sanfte Person in dem schon zur Entstehungszeit höchst altmodischen Herrenkombination eines Gehrocks mit großgraugestreiften Hosen, einem "Vatermörder“-Kragen inklusive Krawattenschal, wieder symbolträchtigem Schirm und der bekanntlich zentralen Melone, im deutschsprachigen Raum korrekt als "Stresemann“ bezeichnet, nicht zu vergessen die stets frische weiße Nelke im Revere, hebt sich allein durch die ausdrücklich die gängige Mode übersteigende Eleganz einer entrückten Welt ab.

Pan Tau ist ein metaphysisches Wesen. Ein Held. Keiner der gewalttätigen Heroen, weltherrscherischen Größenwahns, korrupter Sieger wirtschaftlicher Überlegenheit, Supergenie oder Mörderkräfte, kein Antiheld verlorener Ideale, Retter oder Befreier unterdrückter Sehnsucht. Pan Tau hat diese Probleme nicht. Er bietet keinen Ansatz für Eskapismus schwacher Gemüter oder um sich für etwas Besseres zu halten. Die Welt ist eine frohe. Entspricht dem Lebensgefühl der Leute in einer Zeit als alles besser zu werden schien, besser wurde. Pan Tau lässt die Welt gewähren und schaut gelassen zu. Weder wird Perfektion angestrebt, noch ist diese Welt eine naive Idylle. Der souveräne Herr, dessen Verständnis ohne Worte, ohne Sprache auskommt, benötigt keine irdischen Mittel um zu große Irrtümer zu korrigieren. Pan Tau hat es leicht: Er kann zaubern!

Mit einer subtilen Geste um die wunderkräftige Melone ist ihm jede Lösung möglich. Und diese Kraft wird dezent wirksam. Pan Tau ist nicht allmächtig, sondern auch verletzlich und gefährdet. Liebenswürdig, wohl gesonnen, gefühlvoll, einfühlsam, mitfühlend. Ein Held, genauer ein Freund der Kinderseele.

Der Himmel schickt ihn. Ein Außerirdischer? Mit seiner, wie einem der alten Jules Verne Romane entsprungenen Weltraumkutsche fliegt er, ohne Atemgerät, hinab auf die Erde. Das Flugobjekt erweist sich als winzig, wie sein Passagier, der sogleich Kraft der Melone zu einer in unserer Welt normalen Statur wächst und sein fragiles Gefährt einfach in die Rocktasche steckt. Nun kann Otto Simanék der kongeniale Darsteller eins geworden mit Pan Tau beginnen die Welt – nicht belehren, nicht befreien, nicht retten, Nichts von den falschen Hoffnungen erfüllen – zu beglücken. Die Welt der einfachen Leute und deren kleinen Sorgen und Nöte mit Glück zu erfüllen, begibt sich das übernatürlich Wesen mit der zauberkräftigen Melone in ihre Mitte und nimmt Teil an allem, was unseren Alltag ausmacht und wichtig ist: Schnee, Weihnachten, Schule, Reisen, Zirkus, Taxi und manchmal tanzt er aus der Reihe. Pan Tau lässt uns nichts weiter erkennen als das Glück und die Wunder unserer Welt, die uns profan erschien und doch bunter und unglaublicher ist als es stromlinienförmige Hochglanzmegablitztechnologieersatzprodukte vorzugaukeln versuchen. Pan Tau kann eben zaubern.




Absolute Intensität


 
Interpret/Komponist: Johnny Cash
Titel: American V - A Hundred Highways
Tracks: 12
Label: The Island Def Jam Music Group
Website: www.empyreal.de  


Country? Alter Mann? Amerikanische Autobahnen? Kann es schlimmer werden? Dieses letzte Album vor seinem Ableben, er wollte ihm noch selbst den letzten Schliff verpassen als sein Produzent Rick Rubin die Nachricht von seinem Tod erhält, ist vielleicht nicht besser als "American IV: The Man Comes Around", das Album davor und logischerweise vorletzte. Vieleicht hat es etwas damit zu tun, wenn der Tod so nahe bevorsteht. Vielleicht nicht und es ist nur die Reife eines Künstlers, der längst Gelegenheit hatte alles zu schaffen, was erstrebenswert gewesen sein könnte. Und dies bekanntlich nicht ohne gehörigen Erfolg. Vielleicht ist es die Situation, Nichts, aber auch gar nichts mehr beweisen zu müssen und hat deshalb trotzdem mit dem so absehbar bevorstehenden Tod zu tun oder nur mit der Reife des Alters.
 
    
 

Es sind auch keine "neuen" Lieder. Es sind amerikanische Songs. Aus dem sprichwörtlichen Great American Songbook. (Zwei von ihm selbst.) Von einem gesungen und gespielt, der das seit Jahrzehnten tut und außerdem scheißalt ist. Er tut dies mit den einfachsten Mitteln und unspektakulär produziert. Da ist nichts, das jemand aufregend finden könnte, womit man Aufmerksamkeit zu erwecken sich bemühen wollte. Ja, ich kannte Johnny Cash vorher. Nein ich bin kein Country Fan, obwohl ich hier und da einiges sehr gut finde und gerne höre. Neues und Altes. Jeder weiß von seinen ganz großen Nummern: "Ring of Fire" oder"Folsom Prison Blues". Man hat den Hollywood-Film "Walk the Line" gesehen, in dem eine June Carter einen Mann mit den gleichen Initialen ehelicht, der sie seit jeher anhimmelt: Ein wahrhaftiges Märchen .

Aber dann: Ein alter Mann singt alte Lieder. Na und schon? Noch dazu auf für unsere Zeit fast verwerflich medien- und marktuntaugliche Weise, nämlich einfach so mit Gitarre und eben singt der dazu. Ja mei ? Wen soll das denn locken? Alt ist er, müde. Am Ende jammert der wie wer weiß nicht was. Es geht schon los, dass in der chromblitzenden Welt der vielleicht nicht grundlos sogenannten Neuzeit wahrscheinlich niemand wüsste, wo man die CD hinstellen kann. Ich wollte nur herausfinden, was dieser legendäre Mann ans Ende setzt. Sein Ende. Das Ende dessen, was "Johnny Cash" war, ist. Die Marke "Johnny Cash", das Produkt "Johnny Cash". Die Legende.“

Zu oft schmieren große Stars nach einer gewissen Zeit und vor allem gerne zum Schluss ab. Besonders, wenn irgendein Kommerzheini auf die Idee kommt, noch mal richtig Gage mit dem ehemals großen Namen abzugreifen und sich das Opfer zu einer aufwendigen Produktion mit womöglich bergeweise unterstützenden "Freunden" des Stars, selber Stars, aufheizen lässt. Alter schützt vor Torheit nicht. Ich wollte nicht durchhören. Ich wollte nur anspielen. Ich hatte eigentlich nicht viel Zeit. Ja, er beginnt von Schwäche zu singen. Bittet um Hilfe. Lieder über den Tod kommen vor. "But I´m not the whining kind." Man kann nicht abschalten. Will nicht aufhören. Zu seiner Gitarre kommt einmal nur ein tiefes Cello. Bald Stampfen und Klatschen. Dann ein wenig Piano, zusätzliche Gitarren. Eine Orgel. Alles sehr spartanisch. Eine unsägliche Ruhe geht aus von den in allemal extrem zurückhaltenden Tempi wunderbar empfindsam gespielten Instrumenten und seiner einzelnen Stimme. Irgendwie manchmal porös, rau, wie wir sie kennen, doch sanft und sicher, mild auf den Tönen segelnd. Johnny Cash Stimme. Alt und jung zugleich.

Schlichter Charme der Harmonien und volkstümlicher Melodik, Texte herzlicher Menschlichkeit getragen auf ihrem eigenen Fluss dessen Geschehen an Wellen, Strudeln und Windungen sich souveräne Musiker hingebungsvoll entlang treiben lassen können. Leichte Akzente, hübsche Verzierungen entstehen wie im Vorbeigehen eingeflochtene Glückwünsche und schmücken wie Sonnenstrahlen Morgentau auf Rosenblättern in den Spektralfarben gleich himmlischen Edelsteinen blitzen lässt. Die eigene, bewährte Kraft der Songs gepaart und verstärkt mit der Stimme purer Authenzität und einfach gekonntem Spiel. Cash singt über die Liebe. Nicht wie ein Teenager. Über eine Frau, die dunkle Wolken weglachen konnte...

Diese Musik ist von einer absoluten Intensität. Direkt. Die Stimme spricht zu dir. Die Töne der schlichten Arrangements kommen in dein Leben, wie die Luft deines Atems und die Sonnenstrahlen des Morgens. Da sind sie, unaufdringlich, fast alltäglich, wie wenn sie immer schon da gewesen wären. Sie stören nicht. Sie schaffen sofort eine Stimmung, der man sich hingibt, weil sie gleich dazugehört, wie ein alter Freund. Vertraut ist. Unmittelbar und intensiv. Vollständig. Vielleicht kommt das vom Bewusstsein des nahen Todes. Es ist dies eine besondere, bedingungslose Form der Freiheit. Alles Vorherige ist Wert im Vergessen zurückgelassen zu sein, ob der strahlenden Zukunft. Nichts hält einen mehr, wenn in Aussicht steht, durch das grosse Tor zur Freiheit zu schreiten.

"I got rid of the shackles that bound me and the guards that were always around me There were tears on the mail mother sent me in jail But I'm free from the chain gang now."

So kann man gehen. Schlicht, schön. Frei und ganz. J.C. sei gegrüsst. Danke, dass du bei uns warst und für die Musik, die du uns geschenkt hast. Das Vergnügen ist auf unserer Seite .




Maffay spielt (sich) auf


 
Interpret/Komponist: Peter Maffay
Titel: ewig
Tracks: 13 plus enhanced CD open disc Zugang
Spieldauer: jede Minute ist zu lang
Label: Sony / BMG
Website: www.maffay.de 


"Wenn nicht für immer, dann wenigstens ewig" Von solcher Qualität sind die Texte auf Peter Maffays neuester Platte. Da waren Zeiten von "Über sieben Brücken musst du gehen" vergleichsweise von philosophischem Tiefgang geprägt. Tja, war der Song damals vielleicht gar nicht so schlecht und auch nicht von Maffay, sondern von den in ostdeutschen Landen beheimateten "KARAT", welche auch sonst wiederholt Substanz bewiesen, und nur von Peter M. ge...liehen.
 
    
 

Doch diesmal macht der Peter wieder seine "eigenen" Sachen und es kommt es noch ärger als man ohnehin schon denken wollte:

"Die Peter Maffay open disc ist dein ganz persönlicher Zugang zu Peter Maffay. Dich erwarten spannende Gewinnspiele /(sic ? Anm.d.R.)/, Webchats mit Peter Maffay /(dem wahren Peter Maffay? Wieder Anm.d.R.)/ und andere Specials nur für dich. /(das ist ja mal echt nichtkommerziell: Für jeden Fan eigene individuelle Specials einzurichten ist sicher nicht profitabel. Oder versteht da irgendwer etwas falsch? A.d.R.)/ Darüber hinaus wirst du zu VIP-Veranstaltungen eingeladen /(Da muss es aber sehr viele VIPs geben.)/ und hast die Chance auf persönliche Treffen /(mehrere?)/ mit Peter Maffay." /(grusel A.d.R.)/ .

So steht es auf der CD. Man merkt sofort: das ist das Produkt eines grundehrlichen Rock´n´Rollers, der es nicht mehr nötig hat Fans aus finanziellen Gesichtspunkten heraus mit nutzlosem Schrott zu verblöden. Diesem Mann ist es mit der Musik und seiner Message ernst.

Peter Maffay hat die Ewigkeit entdeckt.

Klar, das sind alles die Ergebnisse der Interessen seiner Plattenfirma. Er selbst hat damit nichts zu tun. Natürlich muss der Künstler leben und da ist es gut, wenn der kommerzielle Teil des Geschäftes in den Händen der Kaufleute liegt, damit sich das Künstlerherz frei den Schwingen des Pegasus hingeben kann. Sicher hat sich da mein neidischer Geist wohl getäuscht. Ich dachte Maffay wäre schon reich. Wahrscheinlich alles verso...schenkt ? An Lilli....?

Man möchte nicht intolerant wirken und ganz sicher und selbstverständlich darf jeder seinen Neigungen und persönlichen Defiziten nachgehen soviel er möchte (solange er niemand anderen schädigt usw.), aber ich fand es schon immer seltsam peinlich, wenn Männer über einem gewissen Alter ein Halbstarken-Image mit abgewetzten Lederjacken verbreiten. Um die auf kotzgrünen Hintergrund verewigten Texte im dunkel und schwarz gehaltenen Booklet: Romantisierende Bilder von aufgereihten Gitarrentrophäen, Hammondorgeltastaturen, ernst blickenden Musikern vor Verstärkern und einem einzeln für sich stehenden Mikrofon überhöhen die Studiosituation zu wertvoller Schöpfung dauernder Rockkultur, ja idealisieren das Leben der Schöpfer selbst. Das freie, wilde Rockmusikerdasein. Maffay mit verschmitzt hochgezogenem Mundwinkel lässig vor einer Harley-Davidson. /(sind so krass Flammen auf den Tank gemalt. Weißt schon: Burn.)/ Lieber würdig altern. Aber egal. Alles kann verziehen werden, wenn die Mucke passt.  

"Da draussen warten deine Träume" Lieber Peter Maffay: Lass sie endlich rein. Peter Maffay bewegt sich auf dem Level von Schülerbands. Sorry Schülerbands, darunter natürlich. Ich verstehe das nicht. Außer es könnte sein er ist einfach so, kann es nicht besser, will es nicht anders. Nicht die Produktion ist mangelhaft. Die Produktion ist top. Die Instrumente klingen wie im Märchen, sind fehlerlos, kristallklar. Eine unnötig lange Note am Ende des ersten Liedes ...in seiner Stimme konnten sie nicht retten. Lies er vielleicht aus dummen Stolz nicht retten .

Gequält tiefgründige Texte optimistischer Ernsthaftigkeit, angeblicher Lebenserfahrenheit. Weisheit des Gutmenschen. Immer einen mitfühlenden Rat der Zuversichtlichkeit parat. Fassadentrost. "Ich kann wenn ich will und ich weiß wenn ich will dann kann ich" Kumpelhaft und jovial kommt Maffay uns. Poetisch. Paradox philosophisch. Die Worte zu platt. Binsenweisheit. Für den der´s mag .

Selbst wenn ich die eine oder andere Konstruktion des Songs gern verfolgen möchte, lenkt mich der Käse den Maffay da von sich gibt ab. Die Musik. So technisch einwandfrei sie sich präsentiert, klanglich beängstigend durchsichtig. Jeden Ton eines jeden einzelnen Instrumentes hört man zu jedem Zeitpunkt aus den Arrangements heraus. Die weniger stark besetzten Nummern sind schlicht und sauber gemischt. Band- oder Verstärkerrauschen, Geräusche, Mikropops, Trittschall oder was sonst auf einer Aufnahme stören könnte sind studiotechnisch längst passé. Aber das hier war teuer. Schön. Produktion Eins Plus. Summa cum Laude. Maffay und seine Band bringen das gewiss auch angemessen auf die Bühne. Da braucht man einen so perfektionistischen Anspruch auch nicht. Maffay live gibt es auch schon lange .

Genussvolle Bosheit erinnert sich gerne an die Zeit als Hochadel sich nach endlosem Sehnen des Volkes auf Deutschland -- Tournee begab. Michael Jäger und sein Geröll. Mit Klampfen-Richard und Carl Watt, ein William Wiemann und Holz Ronnie. Damals mehr noch als heute ein Ereignis geschichtlicher Dimension für die Fans. Dann wurde bekannt, dass Peter Maffay mit seiner Band das Vorprogramm bei den Konzerten bestreiten sollte. Man mutmaßte es sei eine Entscheidung des Veranstalters die Popularität des Hauptacts ohne Rücksicht auf Geschmack, Vorlieben und Wünsche des Publikums zur Präsentation dieses deutschen Acts marketingmässig auszunutzen. Niemand glaubte, die Stones hätten gewusst, wer Maffay war oder die Musik selbst gehört. Man dachte, das kann nicht sein, die wissen davon nichts. Ungebändigter Hohn wallte durch die Rockgemeinde. Voller Abscheu, gezwungen zu sein sich vor dem lang erwartet eigentlichen Genuss einem Schlagersänger das Ohr leihen zu müssen, reiste man in die Stadien. Im Münchner Olympiastadion handelte es sich um durchgängige BUH-Rufe und Aufhören-Chöre. Als das Programm durch war, null Zugabe, nein, frenetischer Verabschiebungsjubel. Grausam .

Offiziell war Maffay (damals) als Vorgruppe der Stones natürlich ein Erfolg. Meine Güte. Es ist schon nicht leicht Anheizer für die lebendigen Feuergötter spielen zu müssen, wenn man den richtigen Stand hat, wie die J.Geils Band. Mr.Wolf, deren Sänger wusste wohl nicht, was er tat, kündigte er den zwischen seiner ehrenvollen Formation und den Kerlen die zum Schluss spielen mussten, zerdrückten, zermahlenden Peter Maffay an, in dem er das Publikum mit Fragen nach ihrer Vorliebe für Schlager aufrüttelte. Teilweise sollen Eier und Tomaten Richtung Bühne geflogen sein. Maffays Management hätte wirklich kommerzielles Interesse hinter mehr Feingefühl zurücktreten lassen können. Sowas hätte nicht sein müssen. Seitdem hat Maffay eine gehörige Fangemeinde hinter sich. Viele Konzerte gespielt.

Damals ging immer das Gerücht Maffay, der selbst wirklich gar nichts drauf habe, könne mit seinem Geld aus den Schlagerhits die guten Musiker um sich scharen, welche dann den Job für ihn erledigten. Wichtigster sei dabei sein dicklicher Gitarrist Frank Diez, welcher optisch weniger Medienkompatibel doch der eigentliche musikalische Könner war. Er benutzte z. B. die wegen des Designs eichenartig wirkenden, dunklen Holzes und der japanischen Herkunft als Wohnzimmergitarre verpönte IBANEZ "Musician", welche in Wahrheit extrem gut und die Elektrik betreffend sehr innovativ war .

Es kam Tabaluga. Sehr erfolgreich. Kindermusicals sind immer gut. Tanzen, Singen, Mitmachen. Riesenshow und alles was es braucht, um nicht anzuecken. Hatte wohl autobiographische Züge der kleine Drache. Die Message bisschen dürftig, aber gut. Ein Lied gefiel mir sogar richtig gut. Ich erwarb die Platte, war von dem Rest enttäuscht und fand: Der Song, welcher es mir angetan hat, war: nicht von Maffay. Gar nicht .

Man hat wieder Kohle und reist um die Welt. Gewinnt Freunde. Ich möchte die Aufrichtigkeit der Beziehungen nicht in Frage stellen. Aber wenn einer in Länder kommt, deren Musiker und die Menschen insgesamt weniger komfortabel situiert sind, werden Produktionsangebote eines begüterten Musikers eher nicht ausgeschlagen. Und warum sollte man sich nicht verstehen und jede Menge Spaß haben. Sich etwas darauf einzubilden, was alle möglichen Künstler und auch Reisende ohne musikalische Mittel seit Jahr und Tag immer wieder zustande bringen, scheint einfach komisch. Nicht Jeder macht aus seinen persönlichen Erfahrungen eine Platte. Nicht jeder hat die Promotionmaschine sie so zu vermarkten. Begegnungen nennt man das. Wenn man ein Maffay und ein Aushängeschild deutschen Kulturverständnisses und Gutmenschentums ist bekommt man dann auch noch den Fred Jay Preis. Wofür ist der?

Man hofft die in der Ferne darb...lebenden Mitmusiker bekommen ihre Tantiemen und es bleibt nicht alles in...zurück zu dieser Platte. "ewig" Die Musik hat keine Eigenart. Technisch perfektes Handwerk. Musikalisches Handwerk. Das sind alles so Schulbeispiele. Prüfung bestanden. Aber wenn Sie handgefertigte Designerarmaturen in einem Marmorbad haben, stellen Sie sich auch nicht rein und bewundern es als hohe Kunst. Es bleibt Handwerk. Funktionell. Die ganze Platte wirkt kalt, seelenlos. Da ist kein Genie. Es sind textlich wie musikalisch furchtbare Plattitüden, Allerweltsinhalte mit großem Aufwand technisch perfekt in Szene gesetzt. Maffay Fans finden dass sicher klasse. Maffay gibt den Underdog -- Hero, ein Held der Mittelmäßigen. Aber Rock, Rock´n´Roll ist bekanntlich nicht nur Musik. Ist Rebellion gegen gefühlloses Establishment. Ist Leidenschaft, Lebensgefühl. Rock ist ein Fels. Roh. Er lebt von der natürlichen Lebendigkeit nicht perfektionistisch sein zu wollen, zu müssen. Rock-Diamanten sind ungeschliffen. Lässt sich ein Richards vielleicht liften? Geschliffene Rock-Brillianten sind selten und dann von großer Genialität. Das lässt sich nicht kaufen und nicht kopieren. Der himmlische Funke findet sich in billigsten Erstlingswerken so gut wie er in den teuersten Profiproduktionen mangeln kann. Es funktioniert offenbar nicht Rock mit dem Anspruch ordentlichen Bürowesens zu produzieren. Es gibt Schlager, viele gute, mit weit mehr Seele.

Rocker sind Steine. Einfache Isarkiesel. Insgesamt unzählig und wie wir alle nicht so herrlich. Doch ist keiner wie der Andere und jeder einzelne mit unvergleichlichen Eigenarten. Edel auch ohne Schliff. Der einzelne Fels als Teil der mächtigen Gebirge des Ganzen. Glänzend vom noblen Staub der Landstrasse des alltäglichen Lebens. Ja, Rock´n´Roll war Musik einer gesellschaftlich benachteiligten Gruppe. Unterschicht. Menschen mit leidvollem Dasein. Die nicht teilhaben konnten am Wohlstand des bürgerlichen Käfigs. Es sind nicht die, welche klein beigegeben haben und über den Weg des geringsten Widerstandes sich im Regelwerk der Konventionen eingenistet ihre Träume und Freiheit an die Fernsehunterhaltung verkauft haben. Zu feige waren den Herausforderungen des Lebens die Stirn zu bieten. Sorry, unterordnende Anpassung und Rock gehen nicht zusammen. Da müsste man sich schon entscheiden. Das Ganze hat den Charme einer Hausratsversicherung. Meinetwegen einer für eine Villa am See. Trotzdem müssen die Fans von P.M. wohl Versicherungsvertreter sein, die auch so gerne Rocker wären und in Wirklichkeit im tiefsten Inneren ihrer Seele eigentlich wild und frei sind. Hätten sein wollen.

"Ich kann wenn ich und ich weiß wenn ich will dann kann ich." Wurde als die Entscheidung anstand eben doch die dumpfe Ruhe Utopiens gewählt und man wählte, wie es heißt einen bürgerlichen Beruf? Ist ja auch vernünftiger. Können ja nicht alle Rockstars werden. Macht der Peter schon für uns. Reist um die Welt, macht Begegnungen, Musicals für unsere Kinder, ist ein kleiner Drache, spuckt Feuer so zur Schau und hat eine Harley Davidson...aber nie über die Stränge. Nichts , was uns beunruhigt. Maffay betreibt den Spagat zwischen Rebellion und gesellschaftsfähigen Konventionen. In alten Märchen läuft das unter Seele verkauft. Dann sieht man auf politischen Infokanal: Einsatz für Kinderrechte, Küsschen für Ministerinchen (sieht aus wie Lilli...), Freundschaft auf höchster Ebene. Der erfolgreiche Rebell-Musiker und die etablierte Familienfrau. Das muss doch ehrlich gemeint sein. Dafür und damit unterbricht man den Redner und eigentlich unhöflich den Fluss der Veranstaltung, welcher man gerade noch hochachtungsvoller Aufmerksamkeit der ernsten Sache wegen ständig sein würdig bedeutsames Gesicht ins Publikum geworfen hatte. Die persönliche Vertrautheit der Privilegierten gestattet sich die Extravaganz. Inszeniert, auch das. Die Teilnahme ist gespielt. Maffay glaubt sich wirklich. Wie so vielen gelingt es ihm nicht mehr wirklich spontan zu sein. Wie seine Lieder ist sein Verhalten derart planmäßig trainiert, dass seine Persönlichkeit oder was man dafür hält, davon übrig ist nur mehr diese Stereotypen an den Tag legt und sie deshalb als solche hingenommen werden müssen. Betroffenheit geht so, Interesse so und wieder herzliche Aufmerksamkeit anders. *Die festgelegten Signale sagen: jetzt ist Mitgefühl. Ich sende dir das Signal Mitgefühl und du projizierst all deine Wünsche an das Mitgefühl da hinein. Dann ist es doch fast wie echtes Mitgefühl. .

There´ s no business, like Showbusiness.Viele Leute nehmen lieber diese Second Hand Emotions. In Ermangelung echter Empfindungen. Sind auch leichter zu ertragen, weniger gefährlich, werden nicht schmerzlich. Aber war das nicht das Problem? Authentizität hieß die politisch korrekte Worthülse für das, was die geschundenen Seelen brauchen. Alles andere hält nur solange die Fassade nicht bröckelt. Sonst fliegt der Schwindel auf. Und was passiert dann mit der Glaubwürdigkeit? Ach ist schon zu oft passiert .

"Wir müssen die Zeichen sehen" singt Maffay. Könnte klappen.

P.S.: Gleich darauf legte ich zum ersten Mal "MEDUSA" von Annie Lennox auf. Eine ältere Produktion mit sehr viel künstlich, elektronischen Klangerzeugern. Lauter bekannte Lieder. Das ist kein Rock und ohne Anspruch an Rebellion. Klar, Lennox ist etabliert genug und kann singen. Wie auch immer kann trotzdem einiges schiefgehen, wenn man nach dauerhaften (Chart-)Erfolgen einer langjährigen Formation (EURHYTMICS) plötzlich Solopfade einschlägt. Vielleicht lag es auch an dem so schmalen Eindruck der Maffay CD. Fakt ist: Die hat es. Das weißt du nach drei Sekunden.

P.P.S.: Am folgenden Tag war es Johnny Cash mit "American V". Ein alter Mann singt alte Lieder. Begleitet von ein paar guten Musikern mit wenigen Instrumenten. Ohne technischen Schnickschnack oder was. Unendlich mehr Seele. Wahrheit. Intensität. Rock?

P.P.P.S.: Noch mal, sorry, es soll ja welche gegeben haben, die ihn überlisten konnten. Aber einmal die Seele an den Kommerzschlagerteufel verkauft, gibt der sie bekanntlich nie wieder her. So war das eben mit der Verdammnis: EWIG. So gesehen passt der Titel.

P.P.P.P.S.: Leider auch das nur Kommerzschlagerteufelchen. Der wahre SATAN kauft nur echte Rockerseelen (Stones) und macht es nicht unter Metallica ;-) Bleibt noch die Frage, wer eigentlich die Seelen der Scorpions gekauft hat? Daher bezieht sich der Titel doch nur darauf, dass das Durchhören der gesamten CD, um nicht vorschnell zu urteilen und jeder Nummer eine Chance zu geben, sich ob dessen, was dies an subjektivem Zeitempfinden hervorruft schlicht an Ewigkeitserfahrungen grenzt. :-(

P.P.P.P.P.S.: Erst kürzlich kam ein Konzertmitschnitt neueren Datums im TV - irgendein Jubiläum - da konnte ich nicht umhin meine Darstellung zu überprüfen, schaltete aber bald um. Beim Zappen geriet ich zurück in die Zugabe: "Und es war Sommer". Genüsslich trieb er den Song auf die Spitze in einem lang ausufernden "und es waar Soooommmmmmeeeeeer" a Capella. Freudestrahlend (er) schloss so das Konzert.
Sind es nicht die erfolgreichsten Titel, die es in die Zugabe von Konzerten schaffen ? Sind es diese Titel , die das Publikum am meisten schätzt ? Die alle vorangegangenen übertreffen und vergessen machen (gute Idee) ? Die ihn selbst auch am meisten freuen, er am besten singt ? Rocker oder Schlagersänger ?
Da hilft es auch nichts , wenn man bei Markus Lanz oder wo in der Talkschow weil man alt ist , als einzigen (sic?) Irrtum der Karriere reumütig die obig beschriebene Stones Tour angibt und vergeblich anführt, man wäre ob der Jugend einfach so stolz gewesen mit diesen Grössen die Bühne teilen zu dürfen, das man den einen oder anderen Aspekt nicht erkannte. Bei allem Verstädnis für den Wunsch auf der selben Bühne stehen zu können, gibt es doch exakte Begriffe für diese Art von Irrtum.
Und dann war da noch Thomas der M-Stein, der auch ´mal in so einer Interview - Situation gesagt hat, woran es eventuell gelegen haben könnte.

Aber egal, es ist Showbiz. Eben Unterhaltung und er spendet ja viel, der Peter.




Afrikanische Seele


 
Interpret/Komponist: Khadja Nin
Titel: Sambolera
Tracks: 11
Label: Ariola (Sony Music)
Website: www.khadja-nin.com  


Khadja Nin hat sich seit ihrem letzten Album YA ! 1998 weitgehend aus dem Musikgeschäft zurückgezogen und ist inzwischen mit dem ehemals sehr erfolgreichen Rennfahrer Jackie Ickx verheiratet. Ihr Bekanntheitsgrad in Deutschland ist zu unrecht gering und ihre Alben waren und sind in den Läden kaum vorrätig. Die Veröffentlichungen Khadja Nin 1992, Ya Pili… (von den Vögeln) 1994, die oben genannte letzte und die hier besprochene Compilation Sambolera mit "Best of…“ – Charakter wurden in Belgien bzw. Frankreich veröffentlicht, wo Khadja Nin seit langem lebt und Ansehen genießt.
 
    
 

Sie arbeitet im Wohltätigkeitsbereich und an humanitären Projekten vor allem für die Menschen ihrer Heimat Afrika. Ursprünglich in Burundi geboren, sang sie wie alle Afrikaner schon von Kind auf, imitierte und wünschte die leider jüngst verstorbene Gesangsikone Afrikas, Myriam Makeba zu sein. Ihr selbstbewusste Ziele, tragische Stationen, glückliche Wendungen und große Erfolge aufweisender Lebenslauf findet sich ausführlich auf ihrer Webpage allerdings nur in englisch und französisch. Zusammenfassung in Deutsch auf Wikipedia.

In einer Zeit großen Unglücks wurde Khadja Nin und ihre tiefe, volle Stimme mit dem hypnotischen Klang afrikanischer Magie von dem etablierten Multiinstrumentalist, Produzent und Komponist Nicolasz Fishman als "vom Himmel gesandte Prinzessin“ entdeckt und es kam zu dieser fruchtbaren musikalischen Zusammenarbeit. Sambolera wurde natürlich wegen der gelungenen Songzusammenstellung zur Besprechung als repräsentativ gewählt. Mit diesem Album gelang den beiden auch der Durchbruch. Die Lieder reichen vom Persönlichen, über Weisheit und Spirituellem, sowie Politischem bis zur Situation der Völker Afrikas. Die meisten sind in den wunderbar klangvollen, vokalreichen Sprachen Kisuaheli oder Kirundi verfasst, eines in Französisch.

Der Titelsong Sambolera Mayi Son ist quasi metapolitisch. Der Text spricht von der Selbstüberschätzung mächtiger Männer, ihren Irrtum sich für göttlich zu halten, Ihre Behauptungen ihr Mangel an Mitgefühl sei gottgewollte Herrschaft, ihr Krieg und ihre Morde geführt im Namen des Herrn, ihre Selbsttäuschung, Lügen und leeren Worte. Der Song spricht zu einem Hoffnungsträger. Das frische Free ist eine Adaption von Stevie Wonder in Kadjas Muttersprache und mag die Erfahrung einer eigenen Befreiung wiedergeben. Diese Nummer ist nur auf dieser Scheibe. Schöne Geltung verschaffen die ruhigen Stücke Wale Watu und Mama Lusiya - Mutter Erde, dieser einzigartigen Stimme. Save Us, textlich ein Hilferuf der Völker Afrikas´, musikalisch eine schnelle, hoffnungsvolle Tanznummer. Ballade, Midtempo und der hochfröhliche Zouk-Titel (Zouk: Afrikanischer Populärmusikstil, wörtlich übersetzt bedeutet es Markt) über den Freiheitsheld Barik Fall folgen. Nach zwei wieder beschwörender klingenden Nummern ihrer rauchigen Stimme schließt das Werk mit dem unvergleichlich schönen Lied über die verborgene Liebe einer demütigen Frau: "Du mein Leben, lass mich für dich singen…“

Die Musik ist eindeutig von sowohl starken afrikanischen Einflüssen, wie auch vom charakteristisch, französisch-belgischen Stil geprägt. Die historischen Verbindungen der Nationen ist bekannt. Die Kompositionen Fishmans sind ebenso angenehm, zugänglich wie klar und von sicherer Beherrschung des musikalischen Handwerks und Instrumentariums zeugend. Dabei originell und originär. Steht die kräftig fürsorglich klingende Stimme Khadja Nins, deren tiefe, aus den eigenen Erfahrungen gewonnene Menschlichkeit den Hörer in mystischer Weise wie ein Geschenk des Himmels berührt, im Vordergrund, steht zum Glück die Qualität, der sie begleitenden Musik in keiner Weise dahinter zurück. Es ist eine seltene Symbiose künstlerischer Persönlichkeiten, von hervorragenden Musikern und klangvollem Background in familiärer Gemeinschaft unterstützt. Technische Qualität ohne Makel. Druckvoll, dynamisch und durchsichtig. Die Texte finden sich im Original und englischer Übersetzung im Booklet mit Bildern.

Die letzte Nummer, das Liebeslied Bwana C. findet sich schon auf der ersten Scheibe, ist hier aber wirklich nur einen Funken langsamer (4:39 statt 4:20) und ein bisschen "weicher“ gemischt, wodurch es für meine Einschätzung sehr gewinnt.

Khadja Nin selbst wirkt scheu und empfindsam. So sicher und kräftig die Stimme ist, so leicht verraten Mimik und Bewegung das kindlich verletzliche Seelenwesen der Schönheit. Ihre Backgroundvocalisten nennt sie "Bruder" und "Schwester" und verkündet in ihrer glaubwürdig bestimmten Bescheidenheit: "I am not the boss, I am only in the front.“ In einer ihr eigenen Art der Demut, weiß sie: "No-one gets anywhere alone.“ Ein Grossteil der Atmosphäre entsteht gerade durch den für Afrika typischen Harmoniegesang, welcher die seelische Einheit, die gesunde, natürliche Kraft dieser Menschen im Glück spendenden Zusammenklang ihrer stolzen Stimmen wiedergibt und überträgt. Fragile Souveränität.

Nicht gealtert sondern gereift


 
Interpret/Komponist: Bee Gees
Titel: This is where I came in
Tracks: 12
Label: Rhino (Warner)
Website: www.beegeesonline.com  


Die Bee Gees Historie hier insgesamt zu referieren sprengt zweifellos den Rahmen und jeder kann sich über das allgemein Bekannte hinaus selbst im Internet informieren. Jenseits geschmacklicher Vorlieben und möglicher Kritik an einzelnen Phasen der Karriere wie Discosounds in "Saturday Night Fever“ und Wuiselschnulzen à la "How deep is your Love“ sind sie ein außergewöhnlicher Glücksfall der Pop-Geschichte.
 
    
 

Sehr viele Faktoren, wie Begabung, Talent, Ausdauer, Unterstützung, Feedback, Zeit und Umstände…ließen diese Familie für lange Zeit erfolgreich sein und genießen, die Möglichkeit das Geschenk ihrer kreativen Potentiale auszuarbeiten und mit der Welt zu teilen.

Dies ist reife Musik, die auch Ansprüchen erwachsener Geister entspricht und weit über dümmlich kommerzielle Produkte trögen Zeitvertreibes, vordergründiger Reizstimulierung und Bewirtung platter Klischees präadoleszenter Lebensperspektiven, welche sich nicht zu schade sind, hinter bedeutungsschwangeren Namen wie "Übergrund“ und "Vorluder“ aufzubauen, reicht. Ohne Jagd auf äusserliche Erfolgsbeweise.

Pop-Musik kann Wahrheit und Tiefe vermitteln. Einfach und deshalb unmittelbar sein. Es besteht kein Zwang zu verblöden. Nicht überlebensgroß, dafür ein schöner Teil des wirklichen Lebens. Eben Kunst.

Das Rad wird nicht neu erfunden, aber es hat ganz wunderbare Songs. Schöne, geschickte und fraglos perfekt, jedoch nicht aufdringlich oder überspannt produzierte Arrangements. Besonders Nummern wie "This is Where I came in“, "Sacred Trust“ (sehr schön und textlich von menschlicher Klugheit beseelt), das vom verstorbenen Maurice Gibb geschriebene "Man in the Middle“ sind erfreuliche Beispiele außergewöhnlicher Intensität klarsichtiger Empfindungen der Dinge des Daseins. Das ist "nur“ Pop-Musik. Mehr will sie nicht sein. Exzellent ist sie.

Mit Veröffentlichung zum erwartungsüberfrachteten Jahr 2000 nun schon nicht mehr ganz aktuell, ist dies moderne Musik, zeitlos und aktuell. Die Bee Gees beweisen, nein, das ist nicht nötig, sie machen es eben, dass sie nicht die vergangenen Erfolge, womöglich aus rein finanziellen Interessen wiederkäuen und die Karikatur ihrer selbst werden. Sie sind nicht gealtert, sondern gereift. Sie verstehen ihr Handwerk, wurden nicht Opfer von Skandal, Sucht, Größenwahn, weder ihrer selbst, noch Opfer der Massen oder der Medien.

Schöne, sauber gestaltete Aufmachung. Booklet mit allen Texten, schlichte Bilder mit leichter Reminiszenz an die Anfänge. Nicht überkandidelt. Qualität unprätentiöser Souveränität. Wir machen es, weil das unser Beruf ist. Unser Leben. Danke!

Gelungen


 
Interpret/Komponist: Diverse
Titel: Bossa N Stones 1 & 2 Ltd. Edition
Tracks: 24 auf 2 CDs
Label: Atlantic / WEA
Website:
  


Was soll das denn werden? fragt sich vielleicht mancher bei einer solchen Kombination oder dreht es sich hier gar nicht um die Rolling Stones? Ja, doch, es sind ausschließlich Stones Nummern auf diesen beiden einzeln erhältlichen Scheiben. Tendenziell Klassiker. Selbstverständlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wie sollten das 24 Titel ermöglichen?
 
    
 

Verschiedene Interpreten und Teams waren am Werk die Songs neu zu bearbeiten und aufzunehmen. In Electro-Bossa-Stilistiken. Vielleicht ist das Nichts für Stones-Fans, sicher nicht für Rockpuristen. Es sei ihnen nicht vorenthalten. Und natürlich gebären solche Crossoverprojekte, welche den Verdacht schüren, mittelmäßige Knöpfchendreher versuchten sich an den Erfolg großer Namen hängend ein paar Verkaufszahlen zu generieren oftmals üblen Schrott trauriger Geschmacksverirrung. (Man denke an mit symphonischem Bombast aufgeblasene Heroenversionen des ohnehin schon strapazierten "Stairway to Heaven" durch die Zusammenkunft mehrerer Gitarren-All-Stars. Eigentlich ist STH eine super Nummer.) Ich selbst befürchtete so was. Weit gefehlt.

Das ist gelungen, gelungen, gelungen!

Jedes Team arrangierte nur einen Song und dann für die zweite Platte wieder einen. Feinsinnig, vielschichtig, originelle Instrumentierung, empfindsam und virtuos eingespielt...

Diese Leute heißen SAO VINCENTE (muss man den kennen?), GROOVE DA PRAIA, MICHELLE SIMONAL, URBAN LOVE (eh klar), BANDA DO SOL, aber auch USCHI.

Da verändern sich die Tempi, Acoustic-Sets ersetzen E-Gitarren und "Jumpin Jack Flash" gibt´s jetzt mit echtem Flötenriff. :-)

Voller unerwarteter Farben, moderner Sounds, typischer Bossa Nova Merkmale und südamerikanischer Rhythmik, karibischer Charakteristika. Die Cowbell im Intro von "Honky Tonk Woman" gehörte einfach trotzdem dazu und ist auch fester Bestandteil einer spezifischen Percussion. Da muss die Verbindung sein. :-).

Die einzelnen Lieder sind sicher Vorlieben ausgesetzt und die jeweilige Gestaltung nicht minder. Einer wäre auf etwas neugierig gewesen, was hier nicht vorkommt und Anderes findet er nicht so ...aber das ist klar.

Insgesamt überzeugend schlüssige Arrangements, trotz der ungewöhnlichen Paarung, welche keine Berührungspunkte zu haben scheint. Schien, denn hier ist der Gegenbeweis, wie gut die Nummern der Stones, die fremden Elemente vertragen. So wie Bachs Werken eine Änderung der Instrumentierung nicht schadet, mag dies belegen welche zeitlose Eleganz in Stones Werken liegt.

Laszive Frauenstimmen hauchen in schwülstigem Ambiente hüftschwingend die ewigen Wahrheiten der freien Liebe, Irrtum und Freude des Menschen, Rebellenweisheit, Psychowahn und Sympathie für den Teufel. Angelika, Brauner Zucker, Wilde Pferde wie bisher nie gehört.

Sind Ihnen die Stones zu alt, die Songs ausgelutscht, wie? Hier kommen sie in wahrhaft neuem Gewand. Gäbe es die Originale nicht, man dächte die gehören so. Die jungen Frauen leisten ihr übriges. Die wunderbaren Cover geben die Sache exzellent wieder: Weibliche Hüften in Sticky-Fingers-Bikini.

It´s only Rock´n Roll. I like it!

Rockmusik mit Herz und Hirn


 
Interpret/Komponist: Alice Cooper
Titel: Billion Dollar Babies
Tracks: 10
Label: Warner
Website:
  


Alice Cooper, der seinen weiblichen Künstlernamen angeblich per Blätter-Fingerreintipp-Zufallsmethode aus dem Telefonbuch hat, ist eine der All-Time-High-Legenden der Rockgeschichte, welche ohne eine der absoluten Megaspitzen wie Zeppelin, Stones, Purple usw. geworden zu sein, sich einen eigenen, unumstößlichen Platz im Olymp der Rockhelden verdient hat. Dabei half womöglich sein sehr spezifisches Gesamtkunstwerk, eines der weithin bekannt populären und damals sehr extravaganten Markenzeichen waren seine Liebesspiele auf der Bühne mit Riesenschlangen, welches aber genau so gut einer breiten Zuhörerschaft als zu abgefahren hätte verschlossen bleiben können. Fakt ist Alice Cooper erfindet sich mit jedem Album neu und bleibt sich trotzdem treu. Wenn ich mich nicht täusche tritt er sogar noch auf.
 
    
 

1973 erschien das spektakuläre "Billion Dollar Babies“ in der damaligen Vinyl-Version mit einem aufwendigen Cover, welches durch metallic-grün schimmernde Prägungsoptik eine Schlangenledergeldbörse imitierte, die mit einer das Konterfei eines mit Alice Cooper – Augen geschminktes Babies zeigenden Goldmünze und Brillianten verziert war. Innen liegend befand sich ein Billion-Dollar-Schein zum Herausnehmen. Die CD-Version wirkt gegen diese 70er-Jahre Opulenz einfach voll "klein“.

Die Titelfolge bietet eine abwechslungsreiche Sammlung.

1. Hello , Hooray ! Eröffnungsnummer eines Rahmen, wie so oft bei A.C.´s Alben bereits als zukünftige Bühnenshow in Sequenzen zirkusartiger Szenen konzipiert
.

2. Raped and Freezin´: spaßiger Titel über einen abenteuerlichen Trip durch die Weite amerikanischer Landschaften. Gerne werden solche Novellen, wie sie viele von uns in Ihrer Jugend erlebten, im Rockgenre besungen.

3. Elected: Der damalige Charthit. Politisch Lied ist hier kein garstig Lied, sondern eine fette Rockhymne, die so allgemein, wie treffend die korrupte Geilheit von Politikerpersönlichkeiten um jeden Preis die Stimmen zur Macht auf sich zu vereinen, spiegelt. Damals wie heute, hat sich kaum ´was geändert: "I wanna be elected!“.

4. Die Titelnummer: Billion Dollar Babies.

5. Unfinished Sweet ist ein eigentlich aberwitziges Stück über Zahnweh ( Rockmusik besingt eben nicht nur die hehren Werte übermenschlicher Ideale ), den folgenden Zahnarztbesuch mit der programmmusikalischen Ausgestaltung bis zu den nicht unerwarteten Geräuschen einer spannend inszenierten Extraktion. Damals unser Favorit. Danach: befreiende Klänge. Eine irre Kuriosität.

6. No more Mr. Nice Guy: Über einen, dessen perfekte Bedienung hehrer Ideale seine Umgebung derart angewidert, dass er sie eines normalen Gesellschaftslebens aufgibt.

7. Generation Landslide: Rockertypische Kritik an der bigotten Oberflächlichkeit verlogenen Bürgertums, und 8. Sick Things mit A.C.-mäßig gruseligen Inhalten.

9. Mary Ann: Hier handelt es sich entgegen ersten Unterstellungen nicht um eine der zur Zeit der VÖ und unter Musikern immer wieder zu Liedern geronnenen Liebe eines bestimmten Wesens. Meist mystisch meint man, es müsse sich immer um dieselbe Dame oder zwei davon, Maria und Anna, handeln, von welchen der Eine oder Andere gerne behaupten, sie sei(en) Ihnen bekannt, wüssten wer gemeint ist oder hätten sogar regelmäßig mit ihr/ihnen zu tun. Überhaupt handle es sich um poetisch übertragene Bedeutung. In Wirklichkeit ist dieser schmissige Rockragtime ein Beweis, dass seit Beethoven, Liszt, Chopin immer noch mitreißende Klaviermusik geschrieben wird. Gaudium.

Zufrieden schließt das Spektakel mit der passenden Abschlusserkenntnis: "I love the dead“. Alle Texte – leider sehr klein – im Booklet. Reichlich Ironie, Zynismus, Gesellschaftsspiegel.

Geiles Album. Rockmusik mit Herz und Hirn und einer gehörigen Portion Spass am Leben.




Plastikmusik von Plastikflamingos auf Plastikscheiben?


 
Interpret/Komponist: Katy Perry
Titel: One of the Boys
Tracks: 12 plus "Bonus" Track "I kissed a girl (Rock Mix) plus Bonus Video "I kissed a girl"
Label: Capitol (EMI)
Website: -


Auf den erstem Blick ist das ein ganz typisches aalglattes Medienprodukt einer der großen kommerziellen Plattenfirmen. Mit allen charakteristischen Merkmalen, die deren Gesetzen mit möglichst geringem Risiko wirtschaftlichen Profit zu erzielen, entsprechen. Na und? Das wäre nichts Neues.
 
    
 

Der Namenszug in rosa Bonbonschrift vor Bilderbuchwolken über einer arrangierten Idylle in der Katy auf einer Liege drapiert ist. In Hellblau darunter der Titel. Klischeehafte Plattitüden wohin das Auge blickt. Die ganze modernistisch aufgebrezelte Fifties-Attitüde ihres Outfits und des gestellten Coverbildes sind 100% Retorte. Es steht da dieser Kunststoffflamingo im Hintergrund vor dem Zaun. Wie als Symbol, welches wiederholt, was Katy repräsentiert.

Antiseptisch ist sie. Abwaschbar. Kaum vorstellbar, dass so ein Wesen eine Monatsblutung bekommt. Doch mit Plastikbinden, die das Blut zwar nicht aufzusaugen vermögen, aber das ist auch unnötig, da es selbst aus Plastik nicht fließt und daher nur nach Bedarf hinzugefügt, quasi angelegt und bei Zeiten wieder entfernt wird, wie Ohrringe.

Amerikanische Prüderie scheint dafür verantwortlich zu sein. Darauf spekuliert man als plausible Erklärung und doch könnte es subtiler sein.

Singt das Polystirolmädchen doch, davon unabsichtlich (Wieder nicht aufgepasst?) ein anderes Mädchen geküsst zu haben. Zum Glück trägt sie sich trotz der Verfehlung nicht mit suizidalen Gedanken und rennt auch nicht zur Beichte. Der Song selbst scheint die Beichte des aufwühlenden Erlebnisses. Überrascht darüber, es habe auch irgendwie gefallen und schmecke außerdem nach Kirschlutscher, untergräbt dies die Theorie von einer Spießerikone.

Aus der insgesamt doch in solchen Dingen weit entspannteren Warte Europas weiß man nicht so recht, ob der Tabubruch lesbischer Gefährdung einen Schritt sexueller Befreiung in Richtung selbstbestimmter Weiblichkeit aus den als zu eng erfahrenen Grenzen eingefahrener Bürgerlichkeit vermitteln soll oder es doch nur ein auf verschiedene Zielgruppen zugeschnittenes Lockmittel kommerzieller Strategie ist.

Nicht erst seit Jahrtausendwende gelten erotische Signale in der Musikwelt als gern gesehen und in der Musikindustrie als verkaufsfördernd. Sex sells.

Zweifellos gibt es zahllose Aspiranten männlichen Geschlechts, die ihre Phantasien an jungen Frauen mit Tendenz zu gleichgeschlechtlichen Experimenten aufmachen. Da reicht die Zielgruppe von 13 bis 80. Das Katy dabei hygienisch einwandfrei sein muss/darf hilft vermutlich bei der internen Rechtfertigung der unter Umständen aufkommenden Schuldgefühle. Ja was man sich aufgrund des anerzogenen, eigenen Moralkorsetts nicht zugesteht und deshalb als besonders aufregend empfindet (der sprichwörtliche Reiz des Verbotenen) verschafft einem auch Unwohlsein durch irrationale Ängste, welche gängigerweise durch den psychologischen Übersprungseffekt äußerer Reinlichkeit kompensiert wird. So wäscht man seine Hände in Unschuld.

Lassen sich solche durchdachten und differenzierten Überlegungen in selbst den professionellsten Marketingagenturen tatsächlich finden? Oder bleibt das doch eine ziemlich unwahrscheinliche Spekulation? Immerhin der bärtige Mann im Federbett von Perry am Ende des enthaltenen Videos von "I kissed a girl" lässt Spekulationen zu. Was sagt uns das kleine im Booklet als Adjutant Perrys auftauchende Liebesvögelchen?

Naheliegender ist die Zielgruppe bei sich in der sexuellen Entwicklungsphase befindlichen Mädchen eben derartig bourgoiser Herkunft zu suchen, welche sich gut mit Katy identifizieren könnten und eben genau diese Konflikte aufgrund natürlicher Neugier erfahren dürften. Wie erwähnt mag uns das in Europa herzlich kalt lassen, in den U.S.A. sollte das Problem nicht unterschätzt werden. Auf Jungmädchenidentifikation deuten auch die anderen Songs und Texte. Diese finden sich vollständig im Booklet, was trotz des qualitativ begrenzten Niveaus auf Überzeugung der Urheber schließen lässt, sie wären wert umfassend verstanden zu werden. Sie handeln allesamt von den weltbewegenden Abenteuern eines heranwachsenden Fräuleins, die keinen Zweifel daran lässt eine gewisse Unschuld ("Not a big deal, it´s innocent"), mit dem Selbstverständnis traditioneller Weiblichkeit und schon erwähntem Sauberkeitswunsch ( "I wanna smell like roses") mit erotischer Experimentierfreudigkeit, Neugier, Sehnsüchte und immer wieder auch Anspielungen auf weitergehende Bedrohungen zu paaren. Es sind die oberflächlichen Weltbilder eines Wesens, das sich klar zu konventionellen Maßstäben bekennt und nur innerhalb dieses Gefängnisses Pseudorebellion betreibt. Mag es auch als Verdienst anerkannt sein in Zweifel fallenden Leidensgenossinnen die Sorge vor ewiger Verdammnis zu nehmen, nur weil sie nicht an sich halten konnten der appetitlichen Attraktion eines anderen Mädchens zu erliegen, so mündet die Message letztlich doch immer in reinlicher Gefälligkeit althergebrachten Rollenverständnisses.

Ein bisschen Jungmädchen Machtanspruch, ein bisschen frech, ein bisschen Weltschmerz, ein bisschen Hysterie, ein bisschen ....dies, ein bisschen das und alles ist ein bisschen blass. Rosa. Nichts Neues bietet die Produktion eben leider auch musikalisch. Die üblich drei Nummern, welche man hören kann. Der Rest bestätigt durch absolute Belanglosigkeit, die Belanglosigkeit der ganzen Sache. Ja es gibt Auftragsschreiber, die schreiben einfach Musik ohne Seele, damit die Platte voll wird. Na toll

Melodien und Harmoniestrukturen hundertfach dagewesen und bewährt. Arrangements ohne Originalität. Die Gitarristen mussten sich gefühlt haben wie ein Sternekoch beim zwölfhundersten Spiegelei. Quantisierte Plastiksounds en masse. Einerseits müssen die sich doch mit ihren immer gleichen drei Liedern langsam langweilen, andererseits versteht man, das Industrie, Musikindustrie gerne profitabel wirtschaften möchte und dabei lieber auf Risiko verzichtet. Mit Kunst hat das natürlich nichts zu tun. Muss es nicht. Kultur wäre schön. Leider Fehlanzeige. Bleibt: Geschäft.

Selbst die Lieder dieser einen Scheibe ähneln sich untereinander. Klar das Publikum darf nicht verwirrt werden und möchte auch das, was gefällt wiederholt wissen, nur merken darf es das nicht und möchte es auch nicht merken. Selbsttäuschung ist ein beliebtes Spiel unter Menschen.

Die planmäßig auf den Charterfolg aufgesetzte Zweitsingle "Hot´n´Cold" liefert ungefährliches Material, das mit den primitivsten Mitteln des Erfolges musikalisch so absehbar ist, das es dem feinsinnigen Ohr beim Hören regelrecht weh tut. Es sagt immer nur: Es gefällt dir, weil es dir gefallen muss. Deine von uns darauf trainierte Hörgewohnheit lässt keine Flucht zu. Harmoniefolge: Aha-Effekt weil zigfach dagewesen, berechnetes Tanztempo unterstützt durch den Drive des unerbittlichen 16tel HiHat der elektronischen Datenverarbeitung. So klar und einfach vordergründig wie der künstliche Geschmack von Mikrowellenessen.

Auch der von Katy mit Dave Stewart, Meister hochgeachteter Werke verfasste Song erhebt sich leider nicht nennenswert über diesen Standard. Wirklich dämlich ist ein angeblicher RockMix von "I Kissed a Girl". Herhören: Rock wird alles, wenn man nur eine (dem Klang nach zu urteilen nur gesampleten Gitarrenklängen rührende und damit vollkommen antiseptisch klingenden) Spur verzerrter -- da schüttelt sich das Spießerherz -- immer gleicher, uninspirierter E-Gitarrenakkorde hinzufügt. Das ist alles. Wie billig?

Ja, "I kissed a Girl" hat einen irgendwie charakteristischen Sound, es hat einen, wenngleich wenig spektakulären Hook, es ist ein, leider penetranter Ohrwurm und es hat diese eine, kleine Message. Es ist ein Hit. Ja, Katy Perry ist ein hübsches Mädchen. Das "I kissed a Girl" Video vervollständigt die enhanced CD, obwohl das Video eher keine historische Spitzenposition einnehmen wird. Wir kennen es: Viele Mädchen wackeln schulterfrei, in Spitzenstrümpfen umgeben von keimfreier Kunstseide, Plüschhasen, Erdbeerkuchen und Blümlein durch die allgegenwärtige Rosaheit unterdrückter Frivolität. Sind die Produzenten doch aufrichtig zu uns? Wollten damit signalisieren: Miss Rosa Plastikflamingo in einem geregelten Abenteuertraumpark als Rettung vor der Kulisse des grauen Alltags. So kennen wir Amerika. So sieht man es auf den Bildern des Booklets.

Alles das ist aus Plastik. Nachgemacht. Perfekt. Industriell vervielfältigte Massenware. Pflegeleicht und reproduzierbar. Katy, ein Flamingo. Hübsch, sexy, rosa aber leider: aus Plastik. Zugegeben der Grossteil meiner Kritik trifft auf einen überwiegenden Teil der chartorientierten Veröffentlichungen der Musikindustrie zu und ist gar nicht spezifisch für diese Scheibe oder Katy Perry, der im übrigen persönlich vergönnt sei sich im Erfolg zu sonnen. Was erwartet man? Nichts von den beschriebenen Eigenarten ist überraschend. Allein das ist schon Teil des Problems. Vielmehr geht es darum die Dinge richtig einzuordnen, richtig zu verstehen. Als Werkzeug einer zivilisatorischen Unterhaltungsmaschine, als Produkt eines Marktes und Mittel unbelastenden Zeitvertreibs erfüllt dies Album seinen Zweck hervorragend. Da haben sie gute Arbeit geleistet. Die wissen was sie tun. Kein Grund ihnen zu vergeben.

Es sind die Früchte des BackTrayCovers und der hellroten Erdbeere auf dem CD-Label: perfekt aber Plastik. Super für irreale Projektionen. Vorsicht beim Reinbeißen. Nicht essbar!

Höchst unwahrscheinlich, dass es je ein weiteres Album von Miss Perry geben wird. Sie bleibt wohl eines der von der Industrie geschaffenen, sprichwörtlichen One-Hit-Wonders, die nicht deshalb zu Wundern werden, weil die natürlich trotzdem vorher nicht wissen konnten, ob ihre Rechnung aufgeht. Vielleicht schieben sie ein zweites hinterher, welches dann von so vielen haltlosen Fans blind gekauft wird, bis sich herumspricht, dass nun gar nichts mehr dahinter ist, aber es bis dahin immer noch mehr Profit erwirtschaftet, als manches kunstfertige Werk wirklicher Musiker.

Eine Steigerung der kommerziellen Plastik-Ikone ist ja auch schon da: Lady Gaga. Und das führt mich zu weiter reichenden Analysen musikindustrieller Zukunftsstrategien.




Stieg Larrson - Verblendung - Ein amerikanischer Film

Land, Jahr: Deutschland / Dänemark / Schweden 2009

Regie: Niels Arden Oplev

Buch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg nach dem Buch von Stieg Larsson

Produzent: Lone Korslund, Soren Staermose

Musik: Jacob Groth

Darsteller: Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Peter Haber, Marika Lagercrantz, Lena Endre

Länge: 129 min

Ein Journalist (genau: ILLUMINATI lässt grüssen, das hat man jetzt einfach, Journalisten sind die einzigen,die noch Ethik und Moral hochhalten in dieser Gesellschaft...) bekommt unerwartet einen Auftrag eines wirklich sehr, sehr reichen Mannes aus einer wirklich sehr, sehr althergebrachten Industriellenfamilie,
mit wirklich sehr, sehr exaltierten Individuen, ihren Neigungen und entsprechendem Familiensinn, eine längst (40 Jahre oder so) verschollene Nichte ausfindig zu machen.
Zu seiner Hilfe taucht eine junge Hackerin in´s Geschehen, die noch ganz andere Probleme hat.
Später finden die beiden auch zueinander...ja, ja ich verate nicht zuviel, denn das sind alles die Dinge,
die irgendwie kommen mussten.

Es ist das ein Thriller. Die Verfilmung eines der Bücher von Stieg Larrson mit gleichem Titel das in angemessener Weise Teil einer - wer rät´s ? - Triologie ist. Ist doch gleich ´was anderes als nur ein Buch. Bestseller - ihr wisst schon.

Der Film ist, und das schreibe ich hier in aller Entschlossenheit, absolut unterhaltend, wenn gleich ein wenig lang. Mit einer halben Stunde strafferer Handlung, wäre ihm und dem Zuschauer ein Gefallen getan. Super gemacht und trotz einzelner Kompliziertheiten auch kontinuierlich. Er bietet gute Unterhaltung und thrill. Mit Freigabe ab sechzehn ist er sogar ganz schön brutal. Die Bilder könnten auch missinterpretiert werden und unreife oder problematische Gemüter verwirren. Ich weiss nicht, ob die teilweise schockierenden und sicherlich bewusst und mit gutem Grund unangenehmen Szenen schon Sechzehnjährigen zugemutet werden können / sollen.

Ansonsten besteht die Sache vordringlich bis ausschliesslich aus schwarz-weiss malerischen Plattitüden und Klischées türmen sich darin in vorsätzlich zu solchen gereinigter Form.
Der Journalist, der Grossindustrielle, seine Familie inklusive altem, degeneriertem Nazi, die Hackerin im Resozialisierungsprogramm, der sadistische Betreuer, die Sache zwischen dem Journalisten und ...
siehe oben....Hackerins Mutter....usw.....alles natürlich mit Happy End.

Meine Mutter hätte gesagt: " Mei , es ist halt a amerikanischer Film."


Stieg Larrson - Verdamnis DVD Fortsetzung von das (Verblendung, das soeben darüber besprochene Werk)

Filmtitel: Verdammnis

Land, Jahr: Deutschland / Dänemark / Schweden 2009

Länge: 152 min

Wem die "Verblendung" gefallen hat, wird wohl auch mit dieser Episode froh werden. Letztlich ist es "dasselbe in Grün". Unrealistische Allgemeinplätze nur noch flacher und weniger temporeich inszeniert. Mehr Durcheinander in den Handlungsverläufen und zusätzliche Figuren sollen wahrscheinlich den Eindruck erwecken, es zeichne ein ausgeklügelteres Bild. Ende absehbar. Langweiliger. Darin muss die Verdamnis liegen.
Einzig die indentifikationstaugliche Figur der Lisbeth Salander, welche auch überzeugend gegeben wird, bietet eine durch die Baukastenillusion scheinende Wirklichkeit.
 Tatsächlich begegnete mir vor kurzem eine Maisacherin mit offenkundigem Styling und auffälliger Ähnlichkeit mit dieser Figur...Lisbeths are everywhere.
Mal sehen was die "Vergebung" bringt.

Stieg Larrson - Vergebung DVD Fortsetzung bzw. Abschluss der Triologie

Vergebung wäre schön. Viele Leute wünschen Sie sich, ohne bereit zu sein,
selbst zu vergeben oder auch nur zur Reue. Angeblich wird Lisbeth´s Unschuld (?)
bewiesen. Wozu dann Vergebung ? Offen gestanden weiss ich es nicht, da ich den
Film nach etwa einem Drittel abgeschaltet hab´. Ja der dritte Teil, baut für meinen
Geschmack noch ab. Vieleicht sind die Bücher besser. Ich erwarte eher Steigerungen.
Vor allem wenn das Material bei Erstellung der Filme von Anfang an vorliegt.
Oh es passiert schon , das zweite und gar dritte Teile nur aufgewärmte Versionen sind
oder durch eine Überfrachtung mit Special Effects oder als reine Materialschlachten
brillieren. Egal. Ich hab´s nicht zuende geschaut. Kann also nicht urteilen, aber wenn ein
als Thriller angesetzter Film nach einem Drittel der zeit nicht losgeht, mich nicht packt,
dann ist mir inzwischen einfach die Zeit zu schade. Muss am Alter liegen.
Jedenfalls fehlt mir da ein Vervollständigungs-  oder Erledigungsdrang.
Sorry: Laaaaaaaaaaangweeieieieieieieieieilig.

Interpret: BLISS

Titel: Loveprayer

Tracks: 12

Spieldauer:  51:06

Label: Survival Records

Das Album mit dem poetischen Titel von der Band mit dem vergnüglichen Namen ist genauso so, wie die beiden heißen. Mit der Erstveröffentlichung 1989 erzielte Bliss damit außerhalb ihrer Heimat England, nämlich vor allem in Deutschland, das was in der Branche ein Achtungserfolg genannt wird.

Nicht viel später verschwand die Sache aufgrund von Unstimmigkeiten, deren Details so wenig interessieren müssen, wie sie immer wieder vorkommen. Glücklicherweise kam es 2007 zur Wiederveröffentlichung, so dass wir in den Genuss kommen, die wunderbaren Songs mit der wirklich hervorragend kraftvollen und raffinierten Stimme von Rachel Morrison sogar in verbesserter Klangqualität auf CD hören zu können.

Die klug und trotz einheitlichen Line-Ups individuell instrumentierten Nummern verzichten auf große Bläsersätze und Hintergrundstreichorchester oder deren elektronischen Ersatz. Dabei lassen sie die Farben und Möglichkeiten typischer Bandinstrumente - besonders charakteristisch hier die groovig, phaette Orgel - umso schöner in den sehr durchsichtigen Arrangements hervortreten. Die Spannweite reicht hier von ruhigen, bisweilen kontemplativen Balladen origineller Coloeur jenseits vordergründigen Schmachtens nach unerreichbaren Liebhabern, über erfolgreiches Mid-Tempo bis zu den wiederum übliche Rockstandards weit übersteigenden, rhythmisch ebenso tight wie ausgeklügelten Schnellspielern.

Die Themen beschränken sich nicht nur auf die erfüllte Liebe, sondern steigen in emotionale Abgründe, wie sie auch entgegen dem allgemeinen Beschwören entsprechender Gefühle in tiefere, konkrete Details der Psyche vorwagen und mit dieser offenen Authentizität betören. Der Charthit war damals "I hear you call", kritische Frage: "How does it feel the morning after?"

Mein persönlicher Favorit "Won´t Let Go" besingt zur Abwechslung nicht die Freuden erotischer Paarkonstrukte sondern fast hymnisch die Bedeutung gesunder Familienbande und der zugehörigen Bandenliebe. Diese Band hat einen eigenen Sound. Auch Teile, die sich musikalisch bekannt anhören mögen, klingen neu und unterstützen die facettenreiche, traumhaft selbstbewusste und megascharfe Stimme von Lady Morrison.

Bliss hat noch weitere Alben aufgenommen und in aktueller Formation geben sie auch wieder Live-Konzerte.


Interpret: Them Crooked Vultures

Titel: Them Crooked Vultures

Label: RCA 2009

Tracks: 13

Website: www.themcrookedvultures.com

Der Name der Band heisst übersetzt in etwa "De schiachen Geier".
Es handelt sich um durchaus bekannte Flugobjekte, die sich schon (Dez.2009) in München
live mit einigem Erfolg beweisen durften und seit Erscheinung dieses Albums Furore machen.
Mit dem Bassisten von Led Zeppelin, John Paul Jones gruppieren sich Joshua Home (Queens of the Stone Age) und Dave Grohl (Drummer von Nirvana).
Die Geschichte der "jungen" Band findet sich auf deren Webpage gut erfasst.

Offen gestanden ereignet sich auf dem Album nicht unbedingt spektakulär Neues.
Das erwartet man von alten Geiern nicht zwingend. Diese Inkonen können sich natürlich leisten, das zu tun, was ihnen passt. Und so ist anspruchsvoller Rock geboten. Vieleicht nicht modern, aber die Qualitäten der erfahrenen Musiker mit modernen Mitteln verwirklicht. Sicher ist es ebensowenig neu, dass sich Rockmusik im Konzert unmittelbarer darstellt,
als auf Konserve und so heisst es, sei ein Konzertbesuch die erste Wahl.
Allerdings ist dieses Album weder kühl, noch überproduziert oder Opfer kommerzieller Industrieinteressen. Die können Musik machen, haben sich alle möglichen Nummern ausgedacht und spielen die super ein. Der Eindruck, die alten Herren gönnten sich mal wieder künstlerische Eskapaden lässt sich nicht vollkommen leugnen. Bei solchen Grössen und dem entsprechend wertvollem Ergebnis müsste man bedauern, wenn sie es der Welt nicht aufdrängen, zur Verfügung stellen. Schliesslich hätte auch keiner etwas gegen ein
weiteres Led Zeppelin oder Nirvana Album einzuwenden und die Mischung macht´s.

Darf man nicht dankbar sein, wenn in einer Welt die den volkswirtschaftlichen Schaden zum Masstab des Daseins und seiner Unwägbarkeiten erhoben hat, Künstler die Möglichkeit haben, uns teilhaben zu lassen an der Freiheit darüber zu stehen. Eine Scheibe mit guter handgespielter Rockmusik so wie sie sein kann, wenn die Kunst siegt.
Dazu braucht man weder Modellfratzen, noch Hochglanzjugend oder Plastiksound.
Dazu gehört der realistische Humor ihres dreiköpfigen Geierwappens:
Das Mögliche unmöglich machen.

Offenbar haben diese gesetzten Jünglinge Riesenlust auf Musik und Konzerte.






  
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