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ANOUK - Together Alone | Alice Cooper - Billion Dollar Babies | BeeGees
-This is where I came in |
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American Highway V | Dorris Dörrie -
Kirschblüten Hanami |
| Fritzi
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Hörbuch |
| George Harrison - Cloud Nine
| Kadja Nin - Sambolera | Ringo
Starr - Ringo´s Rotogravure |
| Thin
Lizzy - Live and Dangerous | Ladies Talk | Kim Chong - Hellos and Goodbyes |
| Pan
Tau - alle Staffeln auf DVD | Susanne
Kölbl,Olaf Ihlau - Krieg am Hindukusch |
| Annie
Lennox - MEDUSA
| Keith Jarrett - Köln Concert | Vanessa Mae - Storm |
| Cliff
Richard - The Time Machine Tour DVD | Charlotte
Roche - Feuchtgebiete |
| Lou Reed - NEW
YORK | Dave Stewart & Barbara Gaskin
| Bossa´n´Stones | Peter
Maffay - ewig |
| Katy Perry -
One of
the Boys | Stieg Larrson - Verblendung Film / DVD
| Stieg Larson - Verdamnis DVD und gleich danach
Stieg Larson Vergebung DVD | BLISS
- Loveprayer | Them Crooked Vultures | Prince - 20TEN | Shania Twain -
For the Love of him | Ludwig van Beethoven -
Siebte Symphonie | Lou Reed & Metallica - LULU
| Brian May - Another World | Axelle
Red - A Tatons | The Cranberries - no need
to argue |
Sorry für die fehlenden Coverbilder und
die funktionslosen Amazon-Links (da steckt der html Teufel d´rin
und hat mich schon zu sehr genervt ;-)
Interpret/Komponist:
Lou Reed & Metallica
Titel:
Lulu
Tracks:
10
Label:
Mercury (Universal)
Zugegeben
war ich nie ein großer Fan von Metallica. Das ganze Image zu
vordergründig, Texte zu banal (erinnert sich noch jemand an die
poetische Kraft eines Ronnie James Dio? "In the light of the night , in
the dark of the day: Look Out!" und die Zielgruppe von "Meister der
Puppen", "Ois and´re zählt nicht", "Justice for all" und die
"Unvergebenen" zu klar definiert, als dass mir die Bosheit authentisch
genug erschien. Es sollte nur das Identifikationssignal gesendet
werden: Wir verstehen euch, wir sind wie ihr, verärgert,
böse, geschunden von der Gesellschaft und dem Leben, richtige
Männer, die immer noch nach den richtigen Frauen suchen, wir sind
laut, sagen unbequeme Sachen, die ihr euch dem Chef gegenüber
nicht erlauben dürft und ausserdem sind wir sehr gut beim grimmig
schauen, tun geheimnisvoll und ziehen uns IMMER schwarz an. Hoffentlich
hat jemand Angst davor.
Allerdings kann man den Erfolg anerkennen, die Konsequenz und
Deutlichkeit des Konzeptes und gewissermaßen die massenkompatible
Quintessenz des Metal kondensiert in dem insgesamt schlüssigen
Act. Die sportliche Leistung ( 8 Minuten “Master of Puppets“ ), das
bestehen am Markt ( ist wirklich nicht einfach ) sind absolute
Parameter und wenn man ´mal einen Konzertmitschnitt im TV sieht,
muss man ganz klar erkennen, woher der Erfolg kommt. Das ist harte
Arbeit. Immer grimmig schauen, nur dreckig lachen und dann haben die ja
auch total schwarze Gitarren...
Lou Reed mag ich ganz gern. Weniger aus der Zeit von Velvet Underground
als er im Umfeld des Marketingmeisters Andy dem Warhol, welcher einer
blasierten Oberschicht im Zuge ihres Selbstverständnisses
verkappter Bohemians Suppendosen als Kunst verkaufen konnte, denn
natürlich musste man als intellektueller Geist, den Fraß,
mit dem das gemeine Volk abgespeist wurde, als verwerflich zur Schau
stellen oder ikonisieren, oder jedenfalls konnte man darüber reden
und wer weiß, vielleicht ließ sich das Punkmädchen da
drüben ja mit ein bisschen Luxus überreden, wenn man
glaubhaft macht, man verstehe sie. Oder war ihr das egal? Jedenfalls
Lou Reed, "New York", "Magic and Loss", Soloalben sehr echt. Sehr
direkt. Sehr wahr und intensiv in der Wiedergabe des Elends
amerikanischer Grosstädte, Bigotterie der Gesellschaft, Aids,
Drogen, was wir alles kennen, wissen und uns doch immer ´mal
wieder zu Bewusstsein rufen müssen: Den meisten Leuten geht es
ganz schön beschissen (hey , das reimt sich) und vor allem viel
schlechter als uns. Ohne Perspektive. OHNE. Das mit seiner Stimme, und
ebenso schlichten wie eindringlichen und coolen Gitarren. "You
can´t beat two guitars, Drums and Bass." Da ist man schon
neugierig, was der glaubwürdige Rebell, Ex-Junkie und Punkidol mit
den souverän das Business reitenden Kommerzrockers zusammen noch
schafft.
Geschlachtete
Schaufensterpuppe auf dem Cover. Doppel-CD. Aber nur 11,99 in
zentraleuropäischer Übergangswährung. Skepsis kommt auf.
Na gut die machen initialen Verkaufsdruck über den Preis. Das
neue, billig, geht. Booklet blätter. Skespsis bleibt. Viel Text.
Grimmige, schwarz angezogene Männer sitzen nebeneinander. Lou Reed
Porträt. Viel Text. Viele Seiten. Wenig eindrucksvolle Bilder der
geschlachtete Schaufensterpuppe offenbar älteren Modelles, was
wohl eine Reminiszenz an vergangene Grandezza vermitteln soll, als
sogar Schaufensterpuppen handbemalt wurden. Das wirkt
traditionsbewusst, nachdenklich und dabei doch irgendwie eines
möglicherweise zum Untergang verdammten, menschlichen
Herrschaftsstrebens entgegen voll kritischer Weisheit. Die
Schaufensterpuppe. Offenbar Lulu. In verschiedenen, kaum
aussagekräftigen Positionen. Mal mehr Gliedmassen, mal ohne. Immer
mit dem toten Blick der großen Glasaugen unter Kunststoffwimpern.
Aber: es geht um die Musik. Da geht das los mit perfektionistisch
nachbearbeiteten Akustikgitarrenschrammel.
Der Student
hätte es im Homerecording nicht sauberer machen können, um
seinen professionellen Anspruch zu manifestieren. Wie gut dass es
ProTools gibt und man nicht das Leben aufgenommen, lassen muss wie es
ist. Rock´n´Roll ? Wegretuschiert. Es folgen irgendwie
strukturell undurchsichtige Songcollagen mit Sprenkeln von Heavy
Gitarren in vergleichbar unorigineller Manier. Standard , nur Standard.
Sounds alle genauso perfekt, wie vorhersehbar. Nein langweilig. Zigfach
dagewesen. Uninspiriert? Es muss an der Erwartungshaltung liegen.
Metallica Fans aufgemerkt. Finger weg von diesem Album um
größerer Enttäuschung vorzubeugen. Man weiß nicht
so recht, wohin soll das weisen ? Die immer weiter auftauchenden
Retortensounds wechseln sich ab, aber bieten einem weder klare Linie,
noch Anhaltspunkte. Die Nummern sind nicht aus einem Guss, sondern
verlaufen sich in Spielereien ohne Kraft. Irgendwie ist das
anstrengend. Die Stimme von Lou Reed ist wie immer. Da ändert sich
wohl nichts mehr. Man sollte wohl die Texte lesen. Vielleicht dass man
dann versteht, was kann dahinterstecken? Es zieht sich. Es reißt
nicht mit. Es packt nicht. Gar nicht. Ich glaub, da muss man sich erst
´reinhören. Da dämmert mir eine Erklärung: Denen
ist passiert, was so manchem auf die alten Tage in den Rücken
fällt. Metallica hat es schon vorher einmal getroffen, als sie
meinten ihre Hits mit einem Symphonie Orchester aufnehmen zu
müssen. Das ist immer, wenn sie anfangen sich doch noch auf Grund
ihrer pubertären Underdogkomplexe gegenüber dem Establishment
vor demselben verneigen zu müssen, wenn es dasselbe wegen des
Geldes (genau darum geht´s nämlich im Establishment)
zulässt. Da kommen dann die "Fans" im Smoking in die Royal Albert
Hall und hören kindische Streicherarrangements von Heavy Metal
Riffs und fühlen sich verständig, während der
Freizeitrocker mangels Barschaft für eine allzu teure
Eintrittskarte (und mangels Smoking) sich zuhause beim Hören der
Platte zum verdienten Feierabend nach dem Büro denken darf: Denen
haben wir gezeigt, dass unsere Musik genauso gut und wertvoll ist wie
Henry Purcell. Oh nichts gegen Klassik. Ich mach´ das selbst. Und
wir wissen inzwischen, wie ein Beethoven, ein Mozart wirklich und eben
gar nicht politisch korrekt waren.
Warum nur
passiert es immer wieder, dass sich erfolgreiche Größen, und
gerade die erfolgreichsten am Ende noch mal etwas beweisen müssen?
Und damit ihre Erfolge entwerten. Man muss einfach wissen, wann´s
am schönsten ist und aufhören können. Oder roch da einer
von der Plattenfirma noch mehr Profit? Wenn man alt ist, Spitzenerfolge
feiern durfte und den Allerwertesten voller Kohlen hat, schmeißt
man sich auf eine Palmeninsel oder wahlweise in ein schottisches
Landhaus (damit nicht womöglich ein Foto vom Hetfield im bunten
Hemd auftaucht auf dem der Hammet lacht und gelbe (!) Ananas lutscht)
und lässt alle Viere g´rad sein oder widmet sich
wohltätigen Projekten, wie sich das gehört.
Aber nein,
die müssen unbedingt endlich bedeutend werden, Kunst machen,
tiefsinnig und unverständlich. Man hätte das auf den ersten
Blick sehen müssen: Das Cover ist farbig. Dazu folgende Anekdote:
Zu Zeiten eines sich zusehends auflösenden Kunstbegriffes
äußert einer aus der Runde bereits reichlich dem Rausch
verfallener Kreativlinge bei einer der üblichen Diskussionen, was
Kunst sei, gegenüber Bertolt dem Brecht provozierend: "Kunst ist,
wenn jemand auf den Tisch scheißt!" Darauf Brecht: "Nein, Kunst
ist, wenn jemand unter Beifall auf den Tisch scheißt."
Deshalb muss
jeder selbst entscheiden:
Ist das Kunst oder kann das weg?
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| Gitarren
nicht zu knapp
|
| Interpret/Komponist: |
Brian May |
| Titel: |
Another World |
| Tracks: |
13 |
| Label: |
EMI |
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|
Das Leben des
Brian war allzu sehr durch die Königin bestimmt gewesen, weswegen
der sich entschloss Eigenes in Soloalben zu verwirklichen. Dies musste
wohl zwangsläufig in einer anderen Welt geschehen. Dies Album ist
nicht das einzige seiner Art und soviel ich weiß auch nicht das
erste. Aber sehr Rock. Alle diese Soloalben machen der Plattenfirma
wenig Freude, obwohl man meinen möchte ein Queen-Gitarrist
verkaufe sich schon statistisch gut, da es so viele aufgeschlossenen
Fans geben muss.
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Egal. Hier
spielt der Gitarrero auf. Gitarren über Gitarren.
Rock´n´Roll. Und wie. Unter anderem ein Cover von "Slow
Down". Da denkt man sich, wie viele andere alte Rock´n´Roll
- Nummern in den richtigen Händen mit moderner Technik noch mal
massiv fetzen könnten. (Wenn sich eben nicht gerade ein..."Hey
Baby" unter den Nagel reist. Sowas sollte bestraft werden.) Sonst
lauter eigene Nummern, von denen besonders "China Bell" (No it
ain´t what you thinkin´she ain´t love for sell
....she is a little bit o´ Heaven and a whole lotta Hell), "On my
Way Up", "The Guv´nor" (gemeint ist Jeff Beck - remember his name
is Jeff ;-) Make way for the Guv´nor. und neben "Slow Down", "All
the Way from Memphis" abgehen. Dazwischen Balladen. Manchmal ein wenig
verstiegen, eigenwillige Soundcollagen, vielfach sehr hübsch und
stimmungsvoll.
Man hört
auch bei diesen Arrangements heraus, dass sie von einem Gitarristen
stammen. Mays Stimme ist nicht spektakulär. Für die Rock
Nummern taugt sie. Vielleicht besser als mancher Sänger der sich
erkoren fühlt. Aber das bleibt immer eine Geschmacksfrage.
Ansonsten Gitarren. Nicht zu knapp und wie man sich denken kann
hervorragend in jeder Weise. Cozy Powell trommelt - was will man mehr -
und auf seinem Song hat Jeff Beck ein Gastspiel. Wenn jemand auf
Gitarren steht, hier hat jemand, der nicht sparen musste, spielen kann
und gemacht hat, was ihm gefällt, ´ne Scheibe springen
lassen. Freddie is dead. Jesus hat von Wiederkehr die Nase voll. Und
die Maikönigin lässt auf sich warten.
Join the life of Brian in another World.
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|
Très
Jolie
|
| Interpret/Komponist: |
Axelle Red |
| Titel: |
A Tatons |
| Tracks: |
14 |
| Label: |
Naive |
|
Diese Scheibe
ist nicht neu. Axelle Red ist in Frankreich ein Superstar. In
Deutschland wie so oft praktisch unbekannt. Nun singt sie
französisch und das verstehen in Deutschland nicht so viele. Aber
die Sprache klingt wunderschön und ist super zu singen. Viele
Vokale. Um die Musik zu genießen braucht man die Texte nicht zu
verstehen und tut es vielleicht sinngemäß doch anhand von
bekannten Wortfetzen. Die Nummern sind leicht, meist fröhlich. Die
Arrangements luftig. Manchmal jazzy, ein bisschen funky. Ein paar mehr
Keyboards, Hammond-Orgeln über bewegte Bässe und ein
grooviges Schlagzeug.
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Alles in allem
sehr französisch. Gefühlvoll, herzlich, lebenslustig und vor
allem nicht zu kompliziert. Und ganz bestimmt: genussvoll. Mit dem
ersten Titel "A Tatons" ist man sofort in der Stimmung. "C´Etait"
nimmt einen an der Hand: Hier geht es weiter. "Mon Cafe" ruhiger
Nachmittag. Dann "Ma Priere". Dafür hat man den Kaffee entspannt
genossen. Jetzt tanzen wir zu den letzten Sonnenstrahlen und beten auf
diese inbrünstige Weise um eine gesegnete Zukunft für
kommende Generationen und unsere Welt. Groovy, groovy.
Überhaupt
liegt es vielleicht an den vielen Musikern afrikanischer Herkunft, von
denen es in französischen Landen nur so wimmelt, dass die Songs in
die Beine gehen. Das ist kein oberflächlicher Blödsinn! Nur
eben beherrschen die Franzosen die Kunst das Leben trotzdem leicht zu
nehmen. Weil sie wissen, es ist die einzige Möglichkeit.
Außer der Melancholie.
So geht das gut
weiter mit "Pas si Naif" bis mit "A Quoi Ca Sert" ein
träumerischer Chanson folgt. Dann wieder schneller und mit "Qui
Connait La Route" ist ein nächster Höhepunkt erreicht. Es
folgen abwechslungsreiche Nummern, die Axelles süße, fast
kindliche, aber souveräne und kräftige Stimme bestens zur
Geltung bringen. Nummer 11 eine Reprise des Titelsongs "A Tatons"
mündet in einen Funk-Jazz, in welchem sich die Musiker offenbar
jenseits aller Rahmenbedingungen, eventuell kommerziellen Grenzen oder
was auch immer frei auszuleben zugestanden haben. Runde Sache. Gut
gegen Winterdepression. Super Stimme, tolle Musiker, schöne
Nummern.
last but not least: kein Englisch.
Très Jolie!
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Einfach zuhören
Interpret: Egal, aber vieleicht nicht gerade den
zwanghaften Karajan, sondern K.H.Boehm oder Vlatoslav Richter,
Gewandhausorchester Leipzig oder eines der renommierten Orchester aus
dem osteuropäischen Raum.
Komponist/Titel: Ludwig van Beethoven - Siebte
Sinfonie
Tracks: Keine technischen Details. Wenn ihr ein
wundervolles Menue genießt, wollt ihr auch nicht, dass der Koch
kommt und die Zubereitung auseinandersetzt
Spieldauer: 33:33
Beethoven kennt man. Von den Sinfonien ist es die "Fünfte" welche
regelmäßig hochgejubelt wird und daher reichlich ausgetreten
ist. Vor allem kennt man kaum mehr als den ersten Satz und in Wahrheit
auch nur das Motiv und genau genommen davon nur die ersten vier Noten.
da-da-da-daa (Stimmt Stefan Remmler hat das erfolgreich geklaut).
Gerne wird von Schöngeistern die an sich für Beethoven sehr
untypische "Pastorale", die sechste Sinfonie gepriesen. Angeblich...
naja ist nicht so interessant und der Titel Pastorale war ebenso wenig
von Ludwig wie er etwas von sogenannter Programmmusik wusste (der
Begriff wurde erst später geprägt) oder ein Anhänger von
"außermusikalischen Inhalten" in der Musik war. Man machte
"absolute Musik". Eine seltsame Sache, die bedeuten soll, dass es in
der Musik ohne irgendwelche anderen nur um rein musikalische Inhalte
und deren Genuss ginge. Das fällt einem Grossteil der Hörer
furchtbar schwer und ist eigentlich egal .
Von der Neunten schweigen wir lieber. Sonst hauen uns die Freimaurer ;-)
Jedenfalls die siebte Sinfonie, sehr absolut. Der Kopfsatz ist schon
voller Energie. Ganz Beethoven. Das Scherzo, der dritte Satz, viel
lebhafter als in der Fünften. Der zweite Satz ist der
normalerweise in der klassischen Sinfonie ruhige Part. Den habt ihr
vielleicht schon einmal gehört und wieder vergessen, weil ihr
nicht wusstet was es ist, obwohl es so schön war. Der zweite Satz
ist schlicht genial .
Deshalb ohne Worte, einfach zuhören.
Megastraff
Interpret/Komponist: Shania Twain
Titel: For the Love of Him
Tracks: 12
Spieldauer: 40 min
Label: Laserlight Digital (DELTA MUSIC)
Shania Twain kennen wir als Modern Country Ikone Amerikas die
übernatürliche Qualitäten zu haben scheint und auf jeden
Fall superhübsch ist. Sie wird bei “Wetten Das..?“-Besuchen
deshalb von Tommy überschwänglich angekündigt,
begrüßt und abgeleckt seit sie auch in deutschen Landen
Nummern platzieren konnte. Diese sind die politisch korrekten Surrogate
dessen, was es über den Teich zu uns geschafft hat und sie haben
teilweise Schlagercharakter oder sind zumindest sehr poppig.
Da die Hormonzwerge in meinem Blut auch für vor allem wirklich
schöne Frauen empfänglich sind, hat die Dame mit dem nicht
nur ebenmäßigen Gesicht sondern auch fantastischen
Körper und dem Segen einer megastraffen Stimme und
Bewegungsbegabung meine Aufmerksamkeit geweckt. So erfährt man das
Shania zum Glück noch dazu Persönlichkeit und Charakter
vorweist, was einmal mehr bestätigt, das wahre Schönheit von
innen rührt und weibliche Attribute kein Hindernis bilden,
selbstbewusst, unabhängig und souverän zu bleiben. Selbst in
einer Männer-Domäne wie dem Country-Fach mit reichlich
konservativen Wertvorstellungen. Aber vielleicht irrt der Rebell ein
wenig, wenn er glaubt altmodische Menschen seien deshalb auch
engstirnig.
Zum Sound: Diese CD ist eher ein Jugendwerk. Der Countryansatz ist
deutlich und es hat auch Beinaheschnulzen. Ansonsten hat der
Gitarrensound (das ist wohl das "modern" an dem Country) tendenziell
eher Rockcharakter und ein paar Stücke sind fast Metal, wäre
nicht die Melodiösität. Die Gitarren - z.B. von "LUV Eyes"
und insgesamt - vor Einsatz ihrer Stimme würden sicher niemand
vermuten lassen, es handle sich um Country. Desgleichen Schlagzeug und
Bass. Sicher das rummst. Und Shania´s Stimme ist ebenso
mädchenhaft, wie glasklar und scharf. Die Themen der Songs drehen
sich um zwischengeschlechtliche Ereignisse und nein, so was wie
Homosexualität wird nicht behandelt, aber ansonsten wird z.B. das
Hierarchieverständnis unter den Geschlechtern ("Bite my Lips")
etwa im Berufsfeld durchaus beleuchtet. Neben verständlich
harmlosem Anhimmeln des Helden, welchen es zu gewinnen gilt (genau
letztlich werden die Männer nicht gefragt ;-) und dem besonderen
Glück einer wirklich einigen Partnerschaft wird sehr emotional die
- in Amerika bestimmt nicht kontroverselose - Problematik von Kindern
zwischen indianischen und "amerikanischen" Eltern besungen.
"My Father was a Cherokee, my mothers people were ashamed of me..." In
"Halfbreed" wird noch eine weit deutlichere Sprache gesprochen, was die
Schwere der lebenslangen Verletzungen und Demütigungen eines
Menschen betrifft, welche sich eine doch immer so von Selbstzweifeln
freie Saubermann-Bourgoisie überall auf der Welt auch
gegenüber anderen ihrem labilen Selbsttäuschungssystem Angst
bereitenden Natürlichkeiten der Schöpfung leisten zu
dürfen glauben.
Sicher kein Thema das Shanias Konformität in der
Country-Branche beweisen sollte. Offenbar handelt es sich hier nicht um
eine lustige Landei-Nummer von Beauty-Cowgirl für den tumben
Chauvi vom Bierpreispark. Das ist eine aufrechte und wundervoll
talentierte Frau. Herz, Verstand, Sex und Charme mit goldenem Willen.
Sound amerikanisch druckvoll produziert. My humble respect in front of
a special woman.
Prince - 20Ten
Sich selbst treu.
Das neueste Album von Prince, der sich
seit 2001 wieder so nennen darf,
liegt der aktuellen Ausgabe des Rolling Stone Magazins bei.
Quasi kostenlos, bei einem Verkaufspreis von 6,99 Euro.
Seine Veröffentlichungen gehen schon seit einiger Zeit
nicht mehr unbedingt in den regulären CD-Einzelhandel.
Dies sei auch bei diesem Album nicht gesichert. Womöglich
findet es später seinen Weg dorthin und/oder wird als Download
angeboten.
Damit liegt der Künstler offenbar vollkommen richtig betreffend
der Marktsituation: CD Verkäufe rückläufig seit
über zehn Jahren,
Kompensation durch Downloads nicht annähernd ausreichend.
Die Vergütung, die er durch die Beilage zum RS Magazin erhält
mag gering, jedoch sicher sein. Vor allem, da Prince durch seine
früheren Erfolge wohlhabend genug sein dürfte und inzwischen
nicht mehr - wir kennen die Geschichte alle - an eine Plattenfirma
gebunden ist, sondern unter seinem Label NPG veröffentlicht, ein
sinnvolles, wie einfaches Konzept.
Dazu kommt, dass er -die goldenen Fünfzig überschritten -
noch immer
und logischerweise zu den Veröffentlichungszeiten erst recht LIVE
auftritt. Diese Konzerte sind bekanntlich noch immer von hervorragender
Qualität. Vieleicht kommt es von der Verwirrung, die wegen des
bereits
erwähnten Streits um seine Namensrechte enstand
oder er freut sich einfach immer noch, letztlich gesiegt zu haben,
dass er bei diesen Gelegenheiten das Publikum gerne mehrmals
nach seinem Namen befragt: "What is my name ?"
und die Antwortrufe: "PRINCE" so geniesst.
Zum Album:
Die Kartonstecktasche ist psychedelisch bunt, sehr typisch Prince mit
fliessenden Formen und seinem Konterfei.
Seine Lieblingsfarben und die geschmackliche
Ausrichtung seiner Imagepersönlichkeit wird teilweise
als kitschig bis schwülstig bewertet , ist aber sicher
harmlos und in seiner individuellen Authenzität
vielmehr eine Wunderkind-Buntheit.
Der Titel 20Ten nicht spektakulär originell, aber
wenigstens geschickt grafisch mit dem LoveSymbol verquickt.
Tatsächlich steht auf dem Cover nicht: Prince.
Es sieht aus wie eine Promotion-CD und so steht auch
"For Promotion Use only. Not for Resale" auf dem Cover.
Das entspannt die Tantiemen Situation...
Sehr hübsch und aufwendig der vielfarbige Labeldruck
auf dem CD-Spiegel selbst.
Ausser den Titeln der Songs Minimalinfo.
(Dafür stehen im Heft blumige Beschreibungen der Songs
von der Redaktion mit inhaltlicher Hilfestellung bei Act of God.)
Wie früher heisst es jetzt hier einmal mehr und wieder
Produced, Arranged, Composed & Performed by Prince.
Liegt es daran oder an dem gesetzten Alter, das die Scheibe in fast
jeder Beziehung auch genauso klingt wie schon seit jeher und sogar
an den Sound seiner allerersten eigenen Vinylplatten erinnert,
als wirklich innovativ zu werden.
Dies muss man nicht als Kritik verstehen. Persönlich bin ich nicht
der
fordernden Einstellung verfallen einem Künstler menschlich
verständliche Reaktionen anzulasten, weil er eine wie auch immer
geartete Gier nach Befriedigung durch Neues, Herausragendes oder was
weiss man eigentlich nicht erfüllt.
Dazu ist die Kunst nicht da. Das nennt man Kommerz.
Wenn jemand noch dazu seine Sporen verdient und sogar den Olymp
bestiegen hat, kann man auch entspannen.
Also macht Prince jetzt und wieder, was er gerne tut.
Wahrscheinlich hockt er in seinem, wenn auch opulenten HomeOffice und
nimmt die Nummern in einem lockeren Zeitrahmen eben wie früher auf.
Wann und wie ihm danach ist.
Die praktisch optimale Version für einen Künstler.
Es klingt nach Prince. Prince Fans kommen auf ihre Kosten. Fraglich ob
er neues Publikum anzusprechen versucht. Hätte er den Namen,
das Renommée nicht schon, läge nicht dem Rolling Stone bei,
er
würde wohl kaum Aufmerksamkeit erhalten. Zurecht nicht.
Keine der Nummer reisst einen vom Hocker. Sind aber im Sinne absolut
eindeutig Prince.
Wie gesagt, nichts weiter als was man von ihm erwartet.
Besonders deutlich fallen das "Vollplastik"-Computerschlagzeug und
diverse
überkommene Synth-Sounds, die elektronische Funkbässe und
dergleichen auf.
Das macht man heutzutage sogar im HomeRecordingStudio von Abiturient
besser.
Vieleicht liegt es daran, dass Prince das gar nicht anders wollte.
(Was sich im Interview erklärt.)
Ja, die Songs erinnern an Songs von ihm, die es schon gibt.
Sagte ich schon ? Alles schon da gewesen.
Egal. Prince ist nicht an Drogen- oder Alkoholexzessen zugrunde
gegangen, oder durch Sexskandale oder Dümmeres ruiniert worden.
Er lebt auch noch. Wäre es nicht viel blöder und zweifellos
kindisch
in seinem Alter die Welt nochmal neu erfinden zu wollen, als sich an
sich selbst zu erfreuen ?
Prince Interview im Heft schön gehaltvoll.
Thumbs up for Prince ! Hope to see you on stage as long as it means fun
to everybody.
P.S.: Erst später entdeckte ich eine weitere CD (das nimmt ja
überhand)
"New Noises 101" mit Titeln aktueller Veröffentlichungen diverser
Künstler.
Es ist auch zu einem Teil reine Geschmackssache, und die Topnummern
wird man nicht auf so BeilageCDs finden, aber alle diese Werke sind weit
vom Genie eines Prince entfernt. Die deutschen Künstler leiden
unter der
schon ein Klischée begründeten Krankheit: hölzern.
Bei allen Arrangements hat man den Eindruck es wird peinlichst darauf
geachtet Hörerwartungen zu erfüllen. Industrieware ohne den
kreativen
Funken. Es funktioniert zu gut, als dass es funkt.
Deshalb prince laut Titel der Ausgabe: SEX,GOTT,FUNK.
Wirklich
gutes Live-Feeling
|
|
| Interpret/Komponist: |
Thin Lizzy |
| Titel: |
Live & Dangerous |
| Tracks: |
17 |
| Spieldauer: |
Damals Doppelalbum, wie sich das für ein
Live-Album gehörte |
| Label: |
Phonogram / Vertigo |
| Website: |
www.thinlizzy.org +
www.thinlizzyonline.com |
|
Liebhabern des
Genres muss man Thin Lizzy kaum ans Herz legen. Zwar
erhielten sie nicht den Rang von Namen wie Sabbath, Purple
oder Zep,
aber wenn man Rockmusik schätzt und von der Band noch nichts
gehört hat, werdet ihr mit diesem Album eine helle Freude haben.
Die irische Band um den trotz virtuoser Gitarrenarbeit dominierenden
Bassisten und Sänger Phil Lynott gilt zu recht als hervorragende,
wenn nicht eine der besten Live-Rock-Bands. Und was ist Rock anderes
als Livemusik? Dieser reichlich legendäre Zusammenschnitt
verschiedener Konzerte der "Johny the Fox"- und "Bad
Reputation"-Touren (1976 + 1977) vermittelt wirklich gutes
Live-Feeling.
| |
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| |
Der Bandname
erinnert zuerst an das erste Serienautomobil der Welt, die
berühmte Tin Lizzy, die blecherne Elizabeth von Ford,
ist aber aus einem Comic namens “Beano“, dessen weiblicher
Roboter mit Namen Tin Lizzie wohl auch auf dem Fahrzeug
beruht. Mit dem zusätzlichen H im Thin,
welches der irische Akzent wie Tin ausspricht, gewinnt er
einen zusätzlich erotischen Aspekt der Deutung und ist
gleichzeitig frei von der Gefahr Marken- und Urheberrechte zu
verletzen.
Schon lange vor Metallica
hatte die Band mit "Whiskey in the Jar" 1973 und 1976 mit "The
Boys are Back in Town" (auch auf diesem Album) große Hits.
Die Wiederbegründung der Band 1999 bietet leider nicht mehr das
Original-Line-Up. Angesichts des Todes der zentralen Figur Phil Lynott
(bereits 1986), welcher seinem Drogenkonsum angelastet wird, ist das
spezielle Flair einer ausnahmsweise nicht englischen und ausnahmsweise
von einem höchst charismatischen, noch dazu schwarzen Bassisten
irischer Herkunft mit erstklassiger Stimme geführten Band nun
Rockgeschichte.
Rockgeschichte
ist auch "Live & Dangerous". Fantastisch zu hören
ohne Lows oder schwachen Nummern bietet es hervorragend gespielten Rock
mit immer wieder schönen Gitarren-Unisono und Doppelsolos. Nennt
es Hard-Rock oder 70ies-Rock, ist diese Musik nicht so progressiv wie
andere Rockgruppen dieser Zeit, sondern bodenständig, klar,
harmonisch und melodisch. Wie es sich damals gehörte, fehlt hier
weder Schlagzeugsolo noch der Publikumspart. Phil spricht mit den
Leuten und sie antworten ihm. Tanzen und Mitsingen. Einfluss irischer
Folklore hat auch anderen Rock- und Popgrössen nie geschadet.
Nutzlos wäre es einzelne Höhepunkte hervorzuheben oder
bestimmten Songs wie "Rosalie" (Bob Seeger), "Jailbreak",
"Emerald" oder "The Rocker" den Vorzug zu geben. Die
können spielen. Da rumst der Fels. Dieses Album ist rundherum
klasse .
Die Coverbilder
vermitteln eine schönen und bunten Eindruck der wirklichen
Livesituation bei Konzerten der 70er. Farbige Les Paul
Gitarren über die Türme der Marshall Full Stacks
gespielt, lange Haare, große Bühne, glitzernde Jacken und
eine noch von Hand gesteuerte Lightshow ohne Abstriche. Die
Klangqualität ist die eines remastert Analog-Albums und bringt den
Vinylklang von 1978 bestens rüber.
Es ist nicht
leicht ein Album zu besprechen, welches trotz allgegenwärtigem
Vergessen in kompetentem Kreis Kultstatus besitzt. Wenn man Thin
Lizzy noch nicht kennt, einen guten Zusammenschnitt ihrer Arbeit
möchte oder einfach auf Rockmusik steht, gibt es mit "Live
& Dangerous" ein originelles, ja , originäres,
authentisches und dabei voll massenkompatibles Dokument aufrechter
Musik vollster Hingabe.
|
Interpret: Ladies Talk: Kim Chong,
Alexandra Fischer, Barbara Mayr,
Christiane Öttl, Gina Lindner
Titel: Ladies Talk
Tracks: 14
Spieldauer: woas i ned
Label: Kang & Music
Website: www.ladiestalk.com
Diese Rezension ist subjektiv, wie alle Rezensionen, aber in besonderem
Masse,
da mir die Gründerin des Ensembles "Ladies Talk" Kim Chong
persönlich bekannt
war und ich sie oft in kleinem Rahmen singen
hören durfte. Dabei genoss ich ihre Stimme als eine allein durch
ihren Klang die angenehmste Atmosphäre zu schaffen fähigste.
Ich bin selbst Musiker. Ich schreibe hier aus tief empfundener
Anerkennung
des
glückspendenden Wesens einer hervoragenden und wunderbaren
Musikerin. Leider erlag der physische Körper von Kim Chong im
Januar 2008 im Alter von nur 49 Jahren einem Krebsleiden.
Es sind auf diesem Album nun fünf Frauen, die singen. Und ganz
offenbar tun sie es alle ganz ausgezeichnet. Hier Einzelheiten des
Gesanges zu beurteilen, halte ich für wenig förderlich, da es
doch zu weit im Bereich des persönlichen Geschmackes liegt. Die
Audio-CD ist rundum schön. Aufwendig und dabei technisch sehr gut
produziert. Kim hatte offenbar gute Unterstützung. Bei der Musik
handelt es sich um eine genreübergreifende Mischung. Jazz, popig
produziert. Pop in jazzigem A Capella. Traditionelle koreanische Musik
in modernem Arrangement und Gewand.
Darunter sehr bekannte Nummern wie
"Sir Duke" von Stevie Wonder,
"Kiss" von Prince, "The Lion Sleeps
tonight" und "500 Miles". Meine Favoriten sind "Mungägurum"
(koreanisch) und das sehr lustige "Without Samba" von Wolfgang
Lackerschmidt. Beide Nummern sind äusserst frohsinnig und
besonders Lackerschmidts Samba geht direkt in die Beine.... Hinzu
kommen Jazz-Standards (Straighten up and fly right) und Afrikanisches.
Es handelt sich hierbei um die einzige CD der Gruppe, welche sich nach
einer erfolgreichen Korea Tournee und einem Auftritt bei der Olympiade
in Athen
aufgelöst hat. Wie erwähnt ist die gesangliche
Souveränität der meist ohne
Begleitung eingesungen
Stücke über Zweifel erhaben. Die Klangqualität der
Aufnahmen ist vollkommen einwandfrei auch bei den Nummern mit
Bandbegeleitung. Die Aufmachung des in einem Schuber gelieferten
Produktes absolut wertig.
Es liegt ein ausführliches Booklet bei,
welches zum Leid des Westeuropäers zum
überwiegenden Teil in
Koreanisch ohne Übersetzung daherkommt. Das ist insofern schade,
da das Interesse, wenn nicht bestehend, durch den Umfang geweckt wird
und man denkt es könnte kaum das Problem gewesen sein die Texte
noch einmal in englisch einzufügen. Dafür entschädigt
vieleicht die (für mich unerwartet) beiliegende Video CD welche
ein paar der Stücke nochmal in Clips und mit Bildern aus Studio
und dem Koreabesuch bringen. Auch hier gibt es keinen Grund zur Kritik
an der Qualität. Das VCD Format ist in Asien extrem gängig,
aber in Europa sehr selten. Daher ist es nicht mit allen Geräten
kompatibel, was auch am Ländercode liegen mag. Mit einem PC sollte
man keine Probleme haben. Das Produkt ist offenbar für den
koreanischen Markt geschaffen, wo Kim geboren wurde, ihre musikalisch
Karriere startete, erfolgreich und berühmt war, auch nachdem sie
in Deutschland heimisch geworden
war. Die Arrangements sind von den
Mädchen selbst. Insgesamt ist die Musik sehr gut zu hören.
Bitte
vergebt mir mein besonderes Faible für Kim. Ihre Kolleginnen
stehen ihr wohl kaum nach, auch wenn sie die Bandleaderin war. Ich kann
die CD rundherum empfehlen. Es handelt sich um ein musikalisches Juwel.
Ganz andere Stimmung bietet Kim Chongs Solo CD "Hellos & Goodbyes".
Sie sei euch an´s Herz gelegt.
Deshalb
folgt die Reneznsion, die gleichzeitig Bezug auf "Ladies Talk" nimmt
gleich hier:
Titel:
Hellos &
Goodbyes
Interpret: Kim Chong (begleitet vom Walter Lang Trio)
Label: Fine Music / Georg Löffler Musikverlag
Tracks: 12
Um das richtig zu verstehen, mag es hilfreich sein meine Rezension zu
"Ladies Talk" zu lesen. Kurz vorweg: Total subjektiv und ich schreibe
nicht gern Rezensionen. Ich liebe einfach diese Stimme. Vieles von dem,
was einen Jazzliebhaber an den Jazzelementen, wie Bassolos,
Schlagzeugtechnik usw. faszinieren mag, interessiert mich
überhaupt nicht. Am wenigsten gefällt mir der Song von Sting.
Musikanalytisches Gelabber ist weitesgehend Zeitverschwendung. Kims
Stimme ist ein reiner Segen. Sie vermittelt eine grosse Leichtigkeit.
Sie und ihre Lieder zu hören ist sehr, sehr schön. Ich
höre sehr gern "Alle Vöglein" auf koreanisch. Technisch sind
die Aufnahmen super. Die Musiker beherrschen ihr Handwerk. Lieder
herzlich , ehrlich , hübsch. Insgesamt sind die Songs eher ruhig
und daher wahrscheinlich nicht für jede Stimmung geeignet. Das
Produkt ist schön und aufwendig gemacht. Zum grossen Vorteil sind
die Nummern auf der amazon Seite zum anhören bereitgestellt, so
dass man vor dem Erwerb selbst herausfinden kann , ob einem die Musik
gefällt und gut tut. Bitte nehmt euch die Zeit dafür.
Mein
tief empfundener Respekt vor einer hoch erfreulichen Musikerin. Alles
Liebe
Titel:
Kirschblüten - Hanami
Regie: Dorris
Dörrie
Darsteller: Elmar Wepper, Hannelore Elsner, Aya Irizuki
Ein Film über Liebe. Die Liebe
normaler Menschen in einem normalen
Leben.
Unsterblich,
wie man sie auf der Filmleinwand erwartet.
Ganz anders als die chromblitzende Hochglanzliebe junger
elfenbeinhäutiger
Sexgöttinnen und Ferrari fahrenden Börsenmillionären ist
es die Liebe des alle Jahre täglich füreinander da seins
und die Dinge des
Lebens zu teilen.
Trudi und Rudi Angermeier. Er Bürohengst der Abfallwirtschaft. Sie
lies ihren
romantischen Traum eine japanische Butoh-Tänzerin zu werden, der
liebenden Fürsorge um ihren Mann wegen hinter sich.
Ein ruhiges Leben in geregelten Verhältnissen. Die Ruhe
erschüttert durch
Krankheit und Tod lässt erst Trudi versuchen ihr gemeinsames
Glück noch eine Weile zu leben.
Dann bleibt unerwartet aber Rudi zurück und beginnt
eine Suche
nach dem, was immer wie selbstverständlich verfügbar war, so
dass es weniger auffiel. "Man weiss nicht, was man hat, bis man es
verliert",
lautet ein alter Spruch.
Unverstanden von denen , die ihn am besten kennen sollten, findet er
eine
Leidensgenossin, welche ihm einen überraschenden Blick einen
different point of view, vermutlich nicht ganz zufällig
asiatischer Natur
vermittelt
und Rudi selbstlos begleitet.
Auf eine metaphysische Art sind die Erlebnisse Rudis viel
spektakulärer als
Luxusurlaube und Helikopterskiing.
Nur so kurz und deutlich wie es dem Irrtum gebührt zeigt sich in
den Reaktionen
und Äusserungen seiner Kinder
wie wenig die kleingeistigen Regelvorstellungen der hilflos der
Allmacht von
Liebe und Tod gegenüber sich ängstlich
durch Ordnung und schwarz-weiss-Denken zu retten suchenden
Zivilisationsteilnehmern zulassen können,
was ihnen jenseits Funktionalität (ihrer eigenen und die ihrer
Geräte, Systeme
und Moralgebilde) an wundervoller
Wirklichkeit geboten wird.
Ein Film über Trauer. Hilfreiche Trauer.
Die in der
chromblitzenden
Hochglanzwelt verbotene oder wenigstens verpöhnte Trauer.
Über menschliches Dasein. Wirklichkeit der Liebe.
Über die
Schatten der
materiellen Welt und die Welt der Schatten dahinter.
Oder darüber.
Hochgelobt und mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt wurde der Film und
Elmar
Wepper.
Wir kennen Elmar Wepper seit langem als guten Schauspieler.
Schöne
Gelegenheit
bekam er in diesem Film die subtile Authenzität einer bayerischen
Seele natürlich darzustellen und mehr die
über Grenzen,
Distanzen, Nationalität, Rasse, Alter und wodurch man glaubt die
Leute noch voneinander trennen und unterscheiden zu müssen,
gemeinsame
Existenzialität der Menschen zu berühren.
Ausgeliefert, wie er ist kann er siegen in der Hingabe an die
metaphysische
Wahrheit.
Wenn du dich fallen lässt, wird dich jemand auffangen.
Kirschblüten bei AMAZON
bestellen:
| Nobody´s Wife
|
|
| Interpret/Komponist: |
ANOUK |
| Titel: |
Together Alone |
| Tracks: |
11 |
| Label: |
Dino Music / BMG |
| Website: |
www.anouk.com
|
|
"Together
Alone" ist die erste internationale Audio-CD von ANOUK aus dem
Jahre 1997. Die erste Nummer auf der Platte war der Hit "Nobody´s
Wife" und wurde gleichzeitig als das Statement verifiziert mit dem
ANOUK von nun an identifiziert werden sollte. Jedenfalls wurde in
deutschen Landen die Promotion dahingehend gestaltet. Nicht von
ungefähr brachte ANOUK dieses Statement reichlich glaubwürdig
wieder, der Text schien genau auf sie zu passen und so kauften ihr die
Leute das Nobody´s Wife gerne ab .
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Bereits lange
vor Veröffentlichung im lukrativen deutschen Markt war ANOUK in
ihrer
niederländischen Heimat bekannt und erfolgreich. Ich gehörte
zu einer Art Testgruppe der
BMG A&R Abteilung welche neue Acts Probe hören und beurteilen
durfte, um den möglichen Markterfolg
im Vorfeld bestimmen zu können und aussichtslose Kandidaten zu
erkennen und dadurch Investitionsvorteile
zu erlangen. Sehr froh war ich, das ich wohl nicht der einzige
Testhörer war, welcher ANOUK befürwortete
und das Album in Deutschland erschien. Tatsächlich schrieb ich den
Entscheidungsträgern bei der BMG,
dass es sich hier ausnahmsweise einmal um eine RICHTIG gute Musike
handelt. Besonders im Vergleich
zu dem laschen Mist , den sie uns sonst so übersanden. Man
beachte: Es waren regelmäßig neutral weiße
CompactCassetten (Ja in den Neunzigern versanden sogar die ganz
großen Plattenfirmen noch CompactCassetten),
ohne Bilder die keinerlei Rückschluss auf Herkunft, Name etc. des
Acts zuließen. Es ging nur um die Musik.
Man war also unbeeinflusst von der an sich schon höchst
beglückenden Optik der nordischen Blondine
.
Tatsächlich
hörte ich die Aufnahmen schon damals ständig. So
dermaßen fetzte die Dame. Glücklich über die
Veröffentlichung der Scheibe besuchte ich natürlich auch das
Münchner Konzert der zugehörigen Deutschland Tour (Damaliger
Konzertartikel für ein Online-Magazin im Anschluss.) Leider wurde
das Münchner Konzert der Tour zu Ihrer Folge CD "Urban Solitude"
von der BMG abgesagt. Wir standen des Abends vor trögen
Hinweisschildern. :-(
Seitdem ward sie
in Deutschland nicht mehr gesehen. In ihrer Heimat und den
Beneluxstaaten spielt sie mit Ihrer Band häufig und es gibt auch
regelmäßig neue Platten. Neben Ihrer grandios kraftvollen
Stimme und ihrer weiblichen Schönheit (gar nix
Barbie-mäßiges, dafür Tattoes und Mähne,
lebendige, selbstbestimmte Frau) gelingt es ungebändigte Wildheit
auf die Konserve CD zu bannen. ANOUK ist eine Naturgewalt. Roh
würde ich die Energie nennen, wäre sie nicht ganz eindeutig
voll unter ihrer eigenen Kontrolle. Dadurch wirkt sie eigentlich nur
noch machtvoller. Diese Frau singt, das es dich umbläst und
weiß dabei genau, was sie tut und um ihre Wirkung. Und das ist
alles auf der Platte drauf! Der Druck entsteht sogar bei
Zimmerlautstärke und eine höhere wird empfohlen.
Es ist Rock:
Sehr lauter, druckvoller Rock. Dicht und intensiv. Dabei stören
die Instrumente nie die Stimme, die trotz der Lautstärke stets gut
durch dringt. Das liegt an dieser Kraft. Und die ist es auch, die einem
so leicht glauben macht, es muss dieses Mädchen sein, welches die
Worte von "Nobody´s Wife" geschrieben hat eben , weil
sie das so meint und wahrscheinlich selbst ist.
Die anderen
Nummern stehen dem Einstiegssong gar nicht nach und die CD bietet auch
nicht die drei üblichen guten Stücke und sonst nur restliches
Beiwerk. Die Titelnummer "Together Alone" macht gleich weiter.
Nach einem trügerische leisem Intro bricht es über einen
herein. Der Text auch wieder ohne Blatt vorm Mund. Dann eine
spöttische Nummer: "It´s so Hard". Gefolgt vom
ruhigeren "The Other Side of Me". "Pictures on your Skin"
bietet ein sophisticated Arrangement und musikalischen Tiefgang mit der
schon bekannten Power. Das berühmte Muhammad Ali Zitat taucht
darin auf: "Smooth like a butterfly, sting like a bee." Dann
die Acoustic-Ballade "Sacrifice", welche noch zu Ehren
gekommen ist und noch dazu mit dem schlichtem Charme daherkommt, so
einfach gestrickt zu sein , dass sie jeder mittelmäßig
fleißige Gitarrist leicht erlernen mag, ohne auch nur im
geringsten zu verlieren. "Fluid Conduction" ist für
meinen Geschmack eine der besten Nummern und erledigt bei ausreichender
Lautstärke auch wieder das Staubwischen in eurer Wohnung. Nach
weiteren zwei Songs schließt die CD mit der klugen Ballade "Time
is a Jailer" und dem auch später noch viel erhörten
stimmungsvollen "Mood Indigo".
Stil und
Instrumentierung von ANOUK?s Rock sind nicht extravagant, bieten aber
eine individuelle Ausprägung geläufiger Akkorde. Sie bewegt
sich mit ihrer Band im Areal eines reifen Genres und versteht es eine
eigene Interpretation desselben beizutragen. Ihre klugen Texte
verstehen es Seelenzustände verständlich zu machen,
beschreiben Erfahrungen gelebter Sexualität und Einsichten in
Beziehungswelten. Weiblich, selbstbewusst, als betroffene Beobachterin
kann hier kaum anders als von einer erfreulichen Mündigkeit
gesprochen werden. (Jungens aufgemerkt: Hier kann man lernen.) Sie
reichen weit über verbreiteten Hard-Rock-Blödsinn wie "In
the light of the night...", "Monsters in the sky fly high...",
"Big Tits fit..." usw. hinaus. Die Produktion ist
differenziert, durchsichtig klar und druckvoll. Technisch und klanglich
super. Cover und Booklet unspektakulär mit Bildern von ANOUK und
zum Glück allen Texten. CD-Label Goldbronze. Sollte hier der
Wunsch Vater des Gedankens gewesen sein, kann man nur zustimmen: Sie
ist eine Auszeichnung in Gold wert.
Eine erste
Scheibe ist oftmals die mit dem größten unverfälschten
Elan. Ich kann die anderen ANOUK Sachen nur empfehlen. Sie ist sich
treu. "Together Alone" bleibt trotzdem mein Favorit. Da
knallts mal souverän und die Energie ist spürbar. ANOUK hat
warscheinlich das Ventil angezapft , durch welches Gott langsam die
Luft aus dem Universum lässt. Auf chromstählernen Schwingen
düst ihr Gesang mit Tönen wie fluoriszierende Geschosse aus
Lichtgewehren durch den Raum in unser Ohr, in unseren Bauch, in unsere
Psyche, in unser Dasein und lässt uns selbst die Energie erfahren.
Live Bericht von
ihrem Konzert in der Münchner Muffathalle
ANOUK
- ein höllisches Gör´ !
Dieses
kleine blonde Fräulein erscheint fast
schüchtern,zurückhaltend auf der Bühne der Münchner
Muffathalle.
Unterstrichen
von den einleitenden Subfrequenzen des Bassvirtuosen.
Dieser
Eindruck hält ca.45 Sekunden an. ANOUK ist ein Wirbelwind,ein
Taifun.
Frech
und sexy trifft es gleich viel eher wenn ANOUK mit ihren zwei im
Scheinwerferlicht reflektierenden Goldschneidezähnen zu den
heftigen Gitarren über die Bretter fegt.
Ihre
Stimme:rauchig,angebrochen,man glaubt den Whiskey in der Kehle zu
hören ,wenn sie immer wieder Anekdoten zu den Songs und
überhaupt zum Besten gibt.
Die
Stimme wie glühender Stahl den Augenblick anschließend
wo ANOUK wieder singt.
Die
Kraft könnte bis an den Rand des Universums reichen.
Intonationssicher?
Intonationsgestählt! Ich möchte da nicht im Weg stehen.
Die
meint jedes Wort. Weiß was sie meint. Im "zarten" Alter von 23.
Und
tanzt , wippt mit allem , was sie hat in der schwarzen Lederhose
und schwarzen Shirt.
Rückt
beizeiten den BH zurecht. Lacht und lächelt. ANOUK nimmt´s
locker.
Zu
"Nobody´s Wife" ist ihr schon so heiß ,daß sie ihr
T-shirt loswerden will.
Beim
darauffolgenden "Sacrifice" (Ballade) rollt sie dann noch ihr
Trägershirt hoch, scherzt. Über
Kondition, Whiskey? Sofort wieder der Stahl der Stimme.
So
geht das. Keine Schnörksel. Gute Musiker:zwei fähige
Gitarristen, ausgezeichneter Bass und auch der vielseitigen
Percussion(Handarbeit), mächtiger,superfitter Drummer, nicht zu
vergessen der die echte Hammond (über hundert Kilo)
bearbeitende Keyboarder. Das
ist eine Rockband: Roadies für die vielen Gitarrenwechsel ,
Röhrenverstärker mit Werbung, Acoustic Trios, Unplugged
Percussion...
vielseitig
die Farben und Möglichkeiten der Instrumente beherrschend und
nützend.
Mittendrin
dies´ fantastische Mädchen mit ihrer Mischung aus
Straßenrotz und Gemütsadel deren Texte ein
glaubwürdiges Leben beinhalten.
ANOUK
ist voll d´rauf. Sie weiß es, sie tut es, sie hat es.
Ultrasteil
!
Leider
nur zwei Zugaben. Dafür kommt sie, schon umgezogen
(Flitterstreifencordhose,schwarzer Nicki) zu direkten persönlichen
Kontakt und für Autogramme kaum 15 Minuten später aus dem
Backstage zu den Fans und ist natürlich, lieb und offen.
Ganz
selbstverständlich wie eine normale Komillitonin (ANOUK studiert
in Holland). Küßt Bekannte , sitzt zwischen uns, lacht !
|
| Der lustigste Beatle
|
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| Interpret/Komponist: |
Ringo Starr |
| Titel: |
Ringo´s Rotogravure |
| Tracks: |
10 + 1 |
| Spieldauer: |
mittellang |
| Label: |
Atlantic |
| Website: |
www.ringostarr.com
|
|
Ringo´s
Soloplatten stellen immer den Spass-an-der-Sache-Aspekt vor
kommerzielle Überlegungen. Weder geht es um musikalische
Meilensteine, noch um unsterbliches Songwriting oder andere
Superlative. Sei es sein "Sentimental Journey" Album mit den
Stücken, "die in seiner Jugend zuhause in der Familie gesungen
wurden", sei es seine All Star Band und deren Alben. Auch die
aktuelleren Scheiben wie RINGORAMA lassen das ganz offenkundig
erkennen. Und sein typischer Humor spielt immer mit.
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Hätte
Zappa damals Ringo gefragt "Does humor belong to music?",
hätte dieser wahrscheinlich geantwortet: Dumme Frage. (Naja,
Amerikaner.) Gut, er kann sich das als Beatle vermutlich leisten, aber
vergessen wir nicht, dass der Lennon/McCartney-Katalog einst an einen
"Afro-Amerikaner" verscherbelt wurde, dass von Ringo auch schon Zeiten
persönlicher Schwierigkeiten bekannt waren und es jede Menge Leute
gibt, deren Geldvermögen durchaus Freiraum für wertvolle
Kultur unabhängig von Profitstreben ließe, welche es aber
trotzdem vorziehen die Welt und ihr Bankkonto mit billigem Schund zu
beglücken, der kurzfristig höhere Erlöse über
Massenverdummung zu erzielen verspricht.
Die Legende
berichtet allerdings, dass die Belegschaft des eher auf gelinde gesagt
einheimische Vertreter von Volkskultur spezialisierten KOCH-Music
Labels im kosmopolitisch zentral gelegenen Martinsried noch heute
wöchentlich einen rituellen Freudentanz zum Vertragsschluss mit
einem Beatle über die Veröffentlichung von RINGORAMA
aufführen. Unabhängig vom kommerziellen Erfolg, nur auf Grund
von Ruhm und Ehre. Sie singen dabei angeblich sich an den Händen
haltend im eliptischen Kreise hüpfend: "Man glaubt es nicht,
doch ist es wahr, bei uns erscheint der Ringo Starr. Nach jahrelangem
Humpapaa , erscheint bei uns der Ringo Starr. Entgegen jeder Algebra,
belastet es auch den Etat von Afri- bis Amerika erscheint bei uns der
Ringo Starr. Zum Glanz und dazu Gloria singen tralla und halleluja
gemeinsam mit Victoria wir, dass das Schicksal sich begab und es
schließlich uns geschah. Daher ganz laut dreifach HURRA ! bei uns
erscheint der Ringo Starr."
Ich gebe zu ein
RINGO-Fan zu sein. Auch wenn ich kein Schlagzeuger war oder werden
wollte, identifizierte ich mich doch spontan mit diesem fast
zwangsläufig als Nicht-Frontmann weniger gehuldigten Bandmitglied.
Und das blieb so. Lennon wurde zu sehr als übernatürliches
Genie angepriesen. Auch mit dem anderen Schönling Paul
konkurrierte das Selbstverständnis des Heranwachsenden
wahrscheinlich zu sehr. Ohne natürlich eigentlich ihnen abgeneigt
zu sein, schienen sie einfach einer abgehobenen Unerreichbarkeit
anzugehören, welche dem Jungen aus einfachen Verhältnissen
kein ausreichendes Identifikationspotential auf freundschaftlicher
Ebene bot. George hätte dies möglich gemacht, entbehrte aber
irgendwie des Bezuges und es lag wahrscheinlich an seiner selbst von
den Mitgliedern erlebten Sonderstellung in der Gruppe, die ihn ein
wenig seltsam wirken lies. Er war etwas tiefgründig.
Schließlich war RINGO mit seinen Ringen ein Kumpeltyp und in
seiner Art so entspannt locker und unprätentiös. Er strahlte
ein empfindsames Selbstbewusstsein aus, das familiär und
aufrichtig bodenständig wirkte, schien rebellisch genug ohne sich
selbst wichtig zu nehmen oder zu überhöhen. RINGO war einfach
der Lustigste.
Auf der aus
seinen Scheiben zusätzlich herausragenden ROTOGRAVURE sind es nun
seine Freunde aus der vormaligen Viererbande mit Käferköpfen
(John lebte damals noch und hatte sicher Riesenspaß) und andere ,
weniger bekannte Kollegen, wie Erich Klappton und Klaus Voorman (guter
Freund und Bassist, nebst anderen Arbeiten für die Gruppe
verantwortlich für das REVOLVER und das Antology Cover), die
jeweils einen Song beisteuerten und natürlich auch mitspielen.
Nach dem
höchst gelungenen Einstieg mit dem alten
Rock´n´Roll-Schlager "A Dose of Rock´n´ Roll"
nimmt der Frohsinn seinen Lauf. Gleich darauf eine erfreuliche
Cover-Version des ebenso alten Rock´n´Roll-Schlagers "Hey
Baby!" lange bevor die wirklich coole Nummer von untoten,
österreichischen Gletschermumien durch Affengeschrei gemeuchelt
und impotenten Trunkenbolden zum Frasse vorgeworfen wurde. (siehe oben:
kurzfristig höhere Erlöse etc auf Kosten der Kultur.)
Verständlicherweise möchte man wissen, ob das hübsche,
feine Mädchen, welches die Strasse hinuntergeht, das meinige,
seinige jeweilige werden möchte. Das hat Carl Grossman, der
Songschreiber, welchem wir die Mios von der Mumie deshalb trotz
Primatengrunz herzlichst gönnen (Menschen, die geile Nummern
schreiben, genießen in unseren Augen/Ohren
außergewöhnliche Privilegien.) genau erkannt. Dann folgen
die extra für das Alben verfassten Nummern der Jungs und andere.
Sind sie auch weniger hitverdächtig, so gehen sie einem doch gut
ins Blut und bieten verschiedene Stilistiken und lebensnahe,
intelligente Verse.
Die Platte ist
angenehm zu hören. Wirkliche Musik von wirklichen Musikern macht
wirklich Laune. Die Bilder im Booklet bilden den Spass der Beteiligten
bei den Sessions zusätzlich ab und vermutlich weil Ringo es 1976
zu ersten Mal seit der Trennung der Fab Four geschafft hat sie auf
einer Platte wiederzuvereinigen ist auf der Rückseite das
legendäre Bild der Tür mit den Kritzeleien drauf.
Keinesfalls
handelt es sich hier um ein irgendwie aalglattes Medienprodukt für
eine Zielgruppe, sondern ein spezifisches Kleinod der
Rock´n´Roll Welt. RINGO ist RINGO. Wozu sich verstellen.
Aber nicht etwa wegen des Geldes. Wie? Voller queren Humor wie er es
auf RINGORAMA sagt: "If you can´t laugh. What´s the
Problem?"
Besser: Take
a dose of Rock´n´Roll and wash it down with cool clear
soul. Nicht zu vergessen: Shu bab du wau wauh!
|
Sehr empfindsamer
Synthie-Pop
|
|
| Interpret/Komponist: |
Annie Lennox |
| Titel: |
Medusa |
| Tracks: |
10 |
| Label: |
Rca Int. (Sony Music) |
| Website: |
www.empyreal.de |
|
Vielleicht lag
es an dem so schmalen Eindruck der Maffay-CD.
Gleich darauf legte ich zum ersten Mal MEDUSA ein. Eine Offenbarung.
Eine ältere Produktion von 1995 mit sehr viel künstlich
elektronischen Klangerzeugern. Lauter bestehende Lieder. Das ist kein
Rock und ohne Anspruch an Rebellion. Klar, Annie Lennox ist etabliert
genug und kann singen. Wie auch immer kann trotzdem einiges
schiefgehen, wenn man nach dauerhaften (Chart-)Erfolgen einer
langjährigen Formation plötzlich Solopfade einschlägt.
Fakt ist: Die hat´s. Das weißt du nach drei Sekunden?
| |
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|
| |
Ganz klar
Synthie Pop. Vermutlich sollte es genau das werden. Ist Annie
bekanntlich die Stimme der EURHYTHMICS, welche für sehr
erfolgreichen Synthiepop stehen und dessen andere Hälfte Dave
Stewart (Zitat zu übersteuerten Signalen bei einer Session in
Berlin: "Egal klingt immer gut.") ebenfalls weiter in diesem
Genre aktiv blieb. Nach meinem Eindruck sind die elektronischen
Klangerzeuger vielfach, wenn nicht alle real eingespielt und werden
nicht nur von Sequenzern gesteuert. Drummachines hört man als
solche und dazu kommen auch natürliche Instrumente. All das tut
der Sache keinen Abbruch.
Die teilweise
sehr bekannten Songs, wie - no more "i love you´s"- , -take
me to the river- oder -a whiter shade of pale- sind ihre
persönliche Wahl und jedem wird einmal mehr Leben eingehaucht. Mit
an sich relativ schlichten Arrangements erhält jede Nummer eine
ihr entsprechende Stimmung und Lennox Stimme setzt ihr
unverwechselbares Timbre in einfüllungsvoller Weise variabel
hinzu. Sehr empfindsamer Synthie-Pop!
Hätte das
Produkt leicht stromlinienförmig und aalglatt werden können
ist es das ganz und gar nicht. Es klingt nach der sprichwörtlich
handgemachten Musik von Menschen. Man hört das Fleisch und das
Blut. Das groovt, das schmachtet, es schwebt in Sphären und ist
cool. Haben die Songs auch keine Gemeinsamkeit außer der Wahl
durch Annie und sind die Stimmungen vielfältig so kann man das
Album doch gut durchhören. Es bietet eine stabile Einheit als
musikalisches Werk in sich.
Das Cover
spiegelt diese klare, stabile Attitüde gut wieder: Eine
bleichhäutige Annie Lennox als 5/7-Büste, den eigenen Namen
in Schreibmaschinen -- Lettern auf die Stirn des markanten Gesichtes
geschrieben. Einziger Farbtupfer ist der in die linke, obere Ecke
groß und in Großbuchstaben in tiefem Kaminrot von oben nach
unten gesetzte Titel: MEDUSA.
Innen wurde die
Idee der Schreibmaschinenbuchstaben auf das ganze Gesicht
übertragen und sonst finden sich die Songtitel, die nötigen
Label-, Copyright-,Musiker-Infos, Danksagung und klare, aufrichtige
Worte: ...love and gratitude...feel privileged to have been given
this opportunity...To the writers of these beautiful songs I offer my
profound respects.
So ist das: Die,
welche selbst glückspendende Fähigkeiten auf hohes Niveau
entwickelt haben, üben sich auch gerne in angemessener Demut.
Die
Schreibmaschinen Lettern sind eine sehr passende Metapher: Geschaffen
von einer Maschine als Werkzeug des Menschen mit einem
perfektionistisch, industriell gefertigten Druckkopf sind die
Buchstaben doch mit echter, flüssiger Tinte auf Papier aus
ehemaligem Holz gedruckt und hinterlassen eine Verformung darin,
fransen an den Rändern aus und sind doch alle zwangsläufig
individuell und lebendig in ihrem mechanischen Ursprung der
Wiederholbarkeit. Ein interessantes Konzept.
Das ist Kunst.
(Unter Zurücklassung meiner gefürchteten
gesamtphilosophischen Analysen weitergehender Universalität.) Alle
dürfen sich in eigener Art darauf einlassen!
|
| Kraftvoll bejahende Improvisation
|
|
| Interpret/Komponist: |
Keith Jarrett |
| Titel: |
The Köln Concert |
| Tracks: |
4 |
| Spieldauer: |
ca. 1 h 5 m |
| Label: |
Ecm Record (Universal) |
| Website: |
- |
|
Das Köln
Konzert ist eine der populärsten Live - Solo-
Klavier-Improvisationen "alller Zeiten" (wie man es in
Ahnlehnung an die typische Programmbewerbung aktueller Privatsender
formulieren möchte, daher auch die drei L). Dabei ist es von so
einzigartigem Zauber und unmittelbarer Intensität, dass die
Aufnahme bald nach dem eigentlichen Ereignis am 24.Januar 1975 in
Köln seinen Interpreten einer breiten Bevölkerung über
die Jazz-Szene hinaus bekannt machte und sich seitdem zu einer Ikone
entwickelte und seine wunderbare Wirkung zeitlos besteht.
| |
 |
|
| |
Wem Bach zu
kompliziert, zu anstrengend, zu akademisch, zu affektlos trocken oder
zu elitär erscheint, der hört eben die Brandenburgischen
Konzerte. Natürlich ist Bach all das nicht oder
höchstens von fehlgeleiteten Wächtern der Kunst falsch
präsentiert. Das Köln Konzert ist Keith Jarretts Brandenburgische
Konzert. Keith Jarrett ist ein musikalischer Gigant. Zahllose
Alben seines Trios mit Jazzstandards, eigene Orchesterkompositionen,
Kompositionen mit dem und für das Trio, Klavierkompositionen
für andere Interpreten, mehr Symphonisches und sogar
selbsteingespielte Aufnahmen von Werken des oben bemühten Bach
sowohl auf Klavier als auch auf dem zu Bachs Zeiten (da gab es noch
kein Hammerklavier) benutzten Spinetts gehören zu den Ergebnissen
seiner Musikalität. Nicht zu vergessen die vielen weiteren
Live-Solo-Klavierimprovisationen wie die Konzerte in Bregenz, Wien,
Paris.
Keines konnte
das Mysterium des Köln Konzert wiederholen. Vielleicht
war es den Machern des kleinen und schon damals unabhängig von der
Wirtschaftsmacht großer Recordcompanies in Locham/Gräfelfing
antretenden und heute zu Universal gehörenden Jazz-Labels ECM
erst nicht klar und sie hielten es eben nur für die
Veröffentlichung eines weiteren Konzertes dieses Piano-Derwisches.
Gerade recht für die gerne in das eigene Plattengeschäft in
Pasing pilgernde ECM-Jazzgemeinde. Vielleicht hofften sie auch den
wahrscheinlich unerwartet segensreichen wirtschaftlichen Erfolg mit
anderen Solokonzerten wiederholen zu können.
Ich selbst bin
eigentlich der ja auch ganz unterschiedlichen Musiken des Jazz nicht
übertrieben zugeneigt (meine hoch differenzierten Detailansichten
dieser Haltung werden hier gespart), aber glücklicherweise offen
genug mich an aller Musik über mögliche Kategoriegrenzen
hinaus unvoreingenommen erfreuen zu können. Trotzdem bewog mich
die Erfahrung des Köln Konzert andere Aufnahmen zu erwerben und
ohne deren Leistung schmälern zu wollen, es waren auch immer
wieder sehr schöne Stücke darunter, blieb die spezifische
Magie des Köln Konzert ein solitäres Wunder.
Wäre es nur
meine subjektive Erfahrung und könnte man eine kurzfristige von
Mundpropanganda der Fangemeinde, geschürt durch clevere Promotion
und ähnlichen bewirkte Massenhysterie ausmachen, möchte man
alles als Folge des Zaubers eines "ersten Males" abtun. Als Projektion
einer befreiten und überemotionalisierten , entfesselten Jugend,
die sich einen Messias sucht. Jedoch ungebrochen ist die Wirkung. Viele
Jahre nachdem es mir auf einer Autofahrt durch schneebedeckte
Landschaften des winterlichen Bayern von meiner damaligen, sehr
schneidigen Freundin in Erwartung eines erotischen Wochenendes im
elterlichen Wohnwagen des zu dieser Saison verlassenen Campingplatz am
See vorgespielt wurde, rührten mich Stellen in ganz anderem
Kontext wie nur wenige Musikstücke es vermögen spontan zu
Glückstränen. Immer noch wird das Köln Konzert
in aller Welt verkauft ohne noch beworben zu werden und ohne dies zu
benötigen. Wahrscheinlich stehen die Verkaufszahlen Keith
Jarrett´s aktuellerer Produktionen dahinter zurück und das Köln
Konzert sichert ihm sein künstlerisches Dasein .
Beginnend mit
einem scheu in den Saal tropfenden Motiv entführen es sogleich
sanfte Harmonien in eine Welt die unsere Psyche märchenhaft
entrückt. Lässt man sich forttragen, begegnet man auf der
Reise melodischen Kleinoden, bombastischen Harmoniekaskaden untermalt
vom Stöhnen des agierenden Pianisten. Orgiastisch werden
kräftige rhythmische Strukturen wiederholt und münden doch
leicht in luftige Phrasen fröhlichen Genusses. Der schwimmt sogar
in Milch. Durch teilweise starken, aber nichtsdestotrotz gezielten und
fähigen Pedaleinsatz sich zusätzlich aufbauende Klangberge in
momentaner Stagnation vor der sich neu in der Improvisation ergebenden
Idee, welche sich fort spinnt und wie logisch entwickelt, folgt ihr
eine andere feine Phrase in wieder nicht gekannte Landschaften. So wird
die Musik auch für den Zuhörer zur körperlichen
Erfahrung, welche dem Treiben erliegt. Daher nimmt man dem Spieler
seine im normalen Konzertbetrieb schlicht unmöglichen Laute ob der
zwischen den Polen seiner Schöpfung leidenden Spannungen als
unwillkürliche Äußerungen seines künstlerischen
Erlebens nicht nur in Kauf sondern bald als Zeichen der
Authenzität an. Bald ächzt man selbst innerlich und versteht
nur zu gut den Drang die Erlebnisse auf der Reise durch Jarretts
Schwingungs-Universum auszudrücken.
Es sind
Klänge eines freien Verständnisses von Harmonie, Melodik und
Rhythmik. Nicht unbedingt typisch jazzig. Sehr unmittelbar und
gefällig. Statt strukturell kompliziert zu sein, bieten sie eher
eine Vielzahl intensiver Affekte zur direkten Empfindung. Die
stellenweise in der Improvisation natürlich entstehenden
Spannungen und kathartischen Lösungen, die rhythmischen Ostinati
über kräftige Harmonien, Riffs mit hypnotischer Wirkung
ethnischer Ritualmusiken, offenkundig der Jazzschule Entsprungenes und
fast popige Melodien gleiten mühelos ineinander, so dass der
Hörer sich forttragen lassen darf, ohne Sorge haben zu
müssen, verloren zu gehen. Alles fügt sich zu einem
Abenteuermärchen der aufeinanderfolgenden Zauberorte und
Wundergeschichten. Lebendig dargeboten vom in ihnen aufgehenden und uns
Teilwerden lassenden Erzähler. Der vierte kürzeste Teil des
Konzertes , bezeichnet als Part II c, basiert offenbar auf einem nicht
mehr ganz frei in ´s Ungewisse hineinimprovisierten Rahmen eines
hübsch seligen Themas.
Geschickt
schließt Jarrett damit sein Konzert. Jeder professionelle Musiker
weiß, dass Improvisationen, besonders unter dem Druck einer
Live-Darbietung für zahlende Gäste zum absolut
überwiegenden Teil keine reinen Neuerfindungen insgesamt sind.
Sein können. Normalerweise nimmt der Künstler Basisideen und
Bruchstücke, musikalische Rahmen aus Harmoniegerüsten und
nicht zuletzt insgesamt eine Praxis aus seiner Übungsroutine und
Vorbereitung als Stütze und Einstieg mit in die Live
Darbietungssituation. Es gewährt ihm und dem Publikum die Garantie
wenigstens nicht elendem Mist eines wie auch immer misslungenen
Schicksals eines irgendwie missratenen Abends ausgesetzt zu sein.
Könnte ja passieren. Bei ganz freier Improvisation. Diese betreibt
er im Vorfeld. Wenn er für sich bei ausreichend Zeit und
terminfrei unterbrechen und reflektieren kann. Darauf baut er auf,
entwickelt und lässt entstehen, was ihm diesmal dazu einfällt
und wozu es ihn und sich selbst treibt. Im optimalen Fall entsteht
daraus oder unabhängig davon etwas wirklich unmittelbar ganz
Neues.
Trotzdem
ist ein so in sich passendes und kraftvoll bejahendes
Improvisationskonzert (mit extrem wenigen wahrnehmbaren Fehlgriffen,
nur bei wirklich sehr kritischem Hören. Sollte man sich zu Gunsten
des
Genusses sparen) so schlüssig und rund ein herausragender
Glücksfall.
Bei der besonders gezielten Vorbereitung auf ein Konzert, das
aufgezeichnet wird (man möchte nicht wissen, wie viele Wunderwerke
ohne
Aufzeichnung der Welt entgangen sind.) hat er sich wohl überlegen
dürfen es nicht ausgerechnet zum Ende hin zu gefährden. Der
abschließenden Improvisation gelingt dies in seligster Weise.
Langanhaltender
Beifall eindrucksvoll aufrechter Dankbarkeit des
Publikums liefert dessen eindeutigen Ausdruck unbedingten
Einverständnisses.
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Vanessa Mae hat
Spaß
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| Interpret/Komponist: |
Vanessa Mae |
| Titel: |
Storm |
| Tracks: |
14 |
| Label: |
Emi |
| Website: |
www.vanessa-mae.com |
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Die seit ihrem
Debutalbum "The Violin Player" 1995 vielfältige
Aufmerksamkeit erregende Ausnahmemusikerin wurde als Tochter eines
Thailänders und einer Chinesin geboren; ihr Adoptivvater Graham
Nicholson ist Brite. Vanessa Mae lebt in London. Sie begann im Alter
von drei Jahren Klavier und erst danach mit fünf Jahren Violine zu
spielen. Mit zehn war sie beim London Philharmonic Orchestra mit der
Aufnahme in das Royal College of Music nur ein Jahr später.
Vanessa-Mae spricht Englisch, Französisch, Spanisch, etwas Deutsch
und Chinesisch.
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Trotz dieser
und vieler weiterer Erfolge und Preise wird sie in der strengen Welt
der Klassik oftmals noch immer geschmäht. In ihrer Philosophie und
ganz offensichtlich in ihrer musikalischen Praxis steht der Spaß
an der Musik klar im Vordergrund. Damit tun sich gewisse Wächter
der Kunst seit jeher schwer. Die in Hotpants ihre pubertäre Erotik
lebende Künstlerin vergraulte solche Gestalten gleich zu Beginn
ihrer internationalen Karriere. Erotik scheuen vor zwanghafter
Regeltreue staubtrockene Kulturhüter wie der Teufel das
Weihwasser. Wörtlich.
Vanessa Mae
macht es ihnen nicht leicht. Ist sie doch hochgradig virtuos,
musikalisch extrem vielseitig, bildhübsch, ohne Hehl
bezüglich eines gerne genutzten Sexappeal, hervorragend
intelligent und mit ihrer ausgezeichnet freundlich angenehmen Art eine
souveräne, selbstbestimmte Frau. Sie hat Spaß, sie findet
ihn wichtig, vielleicht das Wichtigste an der Musik und sie kann ihn
vermitteln. Vanessa Mae macht Spaß. Besonders live. Vanessa Mae
wandelt stets über frisch mit Wasser bespritzten
Rosenblättern auf die Bühne.
Wenn sie einem
freimütig nach geduldig unzähligen Fotowünschen der
immer gleichen und dann neuen Fans bereitwillig ohne Allüren stets
freundlich nachgebend gegenübersteht und in die Augen blickt,
spürt man eine segenspendende, klare Energie herrlich strahlender
Schönheit.
Eigentlich
mochte ich keinem ihrer auch unterschiedlichen Platten, welche allesamt
besondere Perlen enthalten, den Vorzug geben. Dieses bietet einmal mehr
ein wunderbares Potpourri scheinbar unvereinbarer Stilistiken mit
durchweg gelungenen Arrangements teilweise bekannter, klassischer,
fernerer und spezieller Titel. Insgesamt ist es poppig. Dabei
energetisch sehr kraftvoll.
Auf das sanft
einleitende "Summer Haze" folgt die sehr an Vivaldis
Jahreszeiten erinnernde Titelnummer "Storm". Die gerät manchmal
haarscharf nicht aus den Fugen. "Retro" kann ganz gut als
eigenständige Synth-Fusion Nummer erklärt werden. Das
hübsche "Bach Street Prelude" in sich kapriziös
entwickelnden, sich bisweilen verklärendem
Computerspieluhrenarrangement kommt als Nächstes. Kontrastreich
dann eine erzählerische Gipsy-Moritat. Kippt sie manchmal wieder
klassische Motive birgt sie überbordende, spielfreudige
Musikalität.
Aber jetzt
geht´s erst los: Der "Can Can". Garant für gute
Stimmung als knallharte Disco-Hymne. Wer will da "Nein" sagen? (und
wenn, selber schuld) Stromgeige und Gestöhne. Accelerando zum
Schluss und künstlicher Chor. "Can, Can (You?)" lautet
der abgewandelte Titel. Sie kann´s. Und zwar hemmungslos.
"Happy
Valley" total anders. Eine Modern-Classics Celebration mit
asiatischen Elementen und echtem Chinesen Chor. Zur Wiedervereinigung
Hong Kong´s mit dem Festland. Da kann man nicht meckern. "A
Poet´s Quest (for a Distant Paradise)" -für was sonst?-
ist poetisch. (was sonst?) Sehr salbungsvoll. "Embrasse Moi (You
fly me up)", die erste Nummer mit Vanessa an den Vocals.
Himmlisch. "Aurora" trägt uns schwungvoll mit
Violinengeschmacht über die Landschaften. "I´m a doun"
ein sentimentales schottische Volkslied aus dem 19. Jahrhundert.
Aufwendig orchestriert und nicht so langweilig wie "Mull of Kintyre".
(Sorry Paul.) Jetzt der damalige Aufhänger: Donna Summers No.1 "I
Feel Love" mit Vanessa on Vocals. Unweigerlich Disco. Hart,
kühl und schwülstig. Dieser sehr spacy.
Extrem cool im
Anschluss die fantastisch Starke Nummer "Hocus Pocus" der
frühen Klassikrocker aus den Niederlanden: "Focus".
Damals eine Sensation. Frisch wie nie kommt sie hier mit Hilfe
fortgeschrittener Aufnahme - und Klangtechnik in grossartig
entwickelter Neuauflage und musikalisch voll der Freude einer beim
Spiel tanzenden, jungen Frau daher.Alles mündet im sakralen "The
Blessed Spirits". Eine Frau, die dankbar und glücklich ist,
sich an der Spitze ihrer Zunft und des Daseins zu befinden. Genau da,
wo Menschen wie sie hingehören .
P.S.: Wenn ihr
eine moderne Version der "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi (in
originaler Version mit nur leicht angepasstem Arrangement und mit
zusätzlichem Material auf der Platte) sucht, seien euch auch diese
von Vanessa Mae an´s Herz gelegt. Sehr lebendig und Vivaldi
hätte sich womöglich gefreut (denn der Barock war kein
Zeitalter "unveränderlicher Vierecke") auch ´mal wieder eine
die Strenge durch Lust am Spiel durchbrechende Version zu erleben
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| Beatle zum Anfassen
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| Interpret/Komponist: |
George Harrison |
| Titel: |
Cloud Nine |
| Tracks: |
13 |
| Label: |
Dark Horse Records / Warner 1987 |
| Website: |
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Mit dieser
Platte wäre George Harrison wahrscheinlich nicht zu weltweiter
Berühmtheit gelangt, würde ihm nicht seine Vergangenheit als Beatle
eine positive Voreingenommenheit beim Publikum und damit besseren
Zugang, aufgeschlossene Herangehensweise und offene Ohren bescheren.
Selbst die unterstützende Öffentlichkeitsarbeit würde im
Wust der Veröffentlichungen leichter untergehen. Viel zu
unprätentiös ist schon die ganze Aufmachung. Vielleicht
hatten sie einfach keine Lust auf das ganze Brimborium und
natürlich muss man sich als Beatle nicht hinter
überirdisch wirkenden Hochglanzfassaden verbergen. Kommerzielle
Megaerfolge braucht man nicht mehr beweisen und so treten die elf Songs
ein wenig wie die Erstlingsscheibe einer jungen Bande in Erscheinung. Beatle
zum Anfassen.
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Auffallend
vollverspiegelt ist Harrison´s Brille auf dem nur ihn vor
schlichten Wolken zeigenden Cover. Die haben da Alufolie aufgeklebt.
Ganz in Schwarz, lässt man das geschmacklich streitbare
Linienmuster
auf dem schwarzen, dem Anschein nach einem fernostasiatischen
Touristenmarkt entsprungenem Hemd beiseite (Qualität: Hawaii-Hemd
in
S/W), schwarze Gretsch-Gitarre, Hose: schwarz und irgendwie wirkt
Harrison mit dem unrasierten Grinsen unter den Wuschelhaaren selbst
leicht höhnisch. Ein Wolkenbalken unterstreicht seinen Namen vor
den
eigentlichen Wolken als einzige gestalterische Raffinesse. Innen geht
es ebenso schlicht weiter. Bilder internationaler Musikidole in
familiärer Studiosession-Atmosphäre: Eric, Elton, Ringo, Gary
Wright,
Jeff Lyne…special thanks im Alltagsdress.
Elf Titel (zehn
offenbar von George, denn es fehlen undurchsichtigerweise Urheberinfos,
und eine alte Rock´n´Roll-Nummer zum Schluss) bringen
abwechslungsreiches Songerlebnis nach Hause. Gehaltvolle Texte geben
Georges Gedanken Preis, charakterstarke Musik kleidet die Themen
erfreulich und farbig. Nicht zu kompliziert, doch mit menschlichem
Tiefgang Gemütszustände und Dinge des Lebens behandelnd.
Vordergründig deutlich wird das an der reflektierenden Nummer
"When We Was Fab“, welche sehr geklärt die Situation der Beatle-
Boys zur Ruhmeszeit darlegt und dies auch im Arrangement ironisch
unterschreibt. Langsame, lustige und Liebeslieder. Beschwingter Rock
und Metaphysik. Solche Platten macht der Harrison, wenn er reif und
frei ist. Kein Beatle sein muss, trotzdem sich das nicht ändern
lässt. Hätten sie sich nicht aufgelöst, wäre es
wohl in diese Richtung gegangen. Kommerziell ist das zu eigensinnig.
Eigenständig. Die Alufolienaugengläser zu wohnzimmerkreativ.
Die Platte sagt: "Wir kochen alle nur mit Wasser. Manche haben einfach
mehr Talent, mehr Möglichkeiten oder mehr Glück. Wichtig ist,
echt zu sein. Das kannst du auch. Besser als die Seele mit
Hochglanzchromplastik verklebt zu bekommen, damit es blinden Massen als
toll angedreht werden kann.“
Lässt man
sich auf die etwas queren Nummern ein, findet man ein Weise der Kunst
als menschlichen Ausdruck normaler Leute, facettenreich, wie der Alltag
mit der ebenso profanen , wie unglaublichen Schönheit der
Gänseblümchen und Buchfinken und wird mit dem vielleicht auch
zynischen, aber sehr Spaß bringenden und tanzbaren "I got my mind
set on you“ belohnt. Wenn man eine Platte des Niveaus von Beatles
sucht, kauft man am besten eine Platte eines Beatles. Wolke
neun ist zwei Stufen über Wolke sieben.
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| Riesenkonzert,
super Realisation
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| Interpret/Komponist: |
Cliff Richard |
| Titel: |
The Time Machine Tour - Die DVD zur Tour des
50 jährigen
Bühnenjubiläums aufgenommen in der Wembley Arena, London |
| Tracks: |
46 plus Bonus Fotogalerie aus fünf
Jahrzehnten, ca. 160 min, Format: DVD 9 ohne Ländercode, keine
Alterbeschränkung Bildformat: 16:9 Audio: DTS Surround Sound Dolby
Digital 2.0 Stereo |
| Label: |
Edel records GmbH |
| Website: |
www.cliffrichards.org |
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Cliff Richard
vorzustellen erübrigt sich. Selbst die, denen er zu nah an
Schnulze und Schlager wäre, kennen einige seiner Hits und
mögen vielleicht doch den einen oder anderen Song. Cliff ist der
erfolgreichste (Einzel-) Künstler Englands bis heute. Eine
internationale Musik-Legende. 250 Millionen weltweit verkaufte
Tonträger, 56 Hits sogar in den deutschen Charts, davon vier
Nummer eins und fünfzehn Top-Ten Titel. Weltweit hat er über
200 Alben veröffentlicht und 123 Hits zu vermelden. 1980 erhielt
er den O.B.E. (Officer of the Order of the British Empire) und
wurde 1995 zusätzlich von der Queen zum Ritter geschlagen. Die auf
der DVD verewigte Tour zu seinem fünfzigsten
Bühnenjubiläum startete im November 2008 in seiner Heimat
England. Ist also Topaktuell .
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Fast bescheiden
lässt Cliff sich von einer sechsköpfigen Liveband, vier
Backgroundsängern und acht Tänzern begleiten. Jedes Detail
dieses über zweieinhalbstündigen Liveerlebnisses liegt in
hervorragender Bild- und Tonqualität auf technisch höchstem
Niveau vor. Die Bildqualität verträgt problemlos
Zoomvergrösserungen. Ohne jeglichen Zweifel sind hier
souveräne Profis am Werk. Dem Status gebührend wird hier
nicht gekleckert. Natürlich erwartet man von einer
fünfzigjährigen Erfahrung auch ein entsprechendes Niveau. Nur
gibt es auch andere, die lange von der Bühne, von der
Bildfläche, aus dem Leben verschwunden sind. Wieder andere sind
entweder zu routiniert geworden oder sehr abgehoben. Verstecken sich
womöglich ob ihrer Möglichkeiten hinter einem uferlosen
Apparat oder lassen von einer Garde jüngerer den Auftritt
bestreiten, welche sie stützen .
Nichts davon hat
Cliff nötig. Über zweieinhalb Stunden sind schon für
Zwanzig jährige Bands und Sänger eine Strapaze. Cliff ist
immer vorn an der Rampe. Tanzt, lässt sich auf einem Surfbrett
herumtragen, hüpft ohne deswegen sich in Playback flüchten zu
müssen. Wechselt die Klamotten. Spricht viel mit dem Publikum, was
sehr aufrichtig vertraulich und sympathisch wirkt, aber auch der Stimme
Pausen gönnt. Vergessen wir nicht, dass jeder von uns in seinem
Alter froh sein wird einigermaßen gesund zu sein. Sogar eine
Live-Uraufführung: "She means nothing to me" gibt es, da
er die Nummer bisher nie auf die Bühne bringen konnte. Tolle
Tänzer, schöne Kostüme. Vor dem Time-Machine
Bühnebild werden die Songs mit individuellen Choreographien
abwechslungsreich in Szene gesetzt. Klasse Show. Leicht und
konventionell. Natürlich weder Avantgarde noch Revolution.
Gute Musiker
spielen die Sachen ohne Tadel. Moderner, erstklassiger Sound. Cliff ist
kein Jahrhundertsänger und sein Alter macht es seiner Stimme nicht
leichter. Aber das ist vollkommen egal. Souverän und professionell
beherrscht er das Material des umfangreichen Programms. Ganz sicher ist
alles in Ordnung mit seinem Vortrag und im Vordergrund steht allemal
der Spaß. Und den haben sie immer noch.
Nicht das man
glaubt das ließe zum Ende hin nach. Im Gegenteil steigert man die
Stimmung noch einmal auf einen Höhepunkt hin und Cliff und seine
Leute lassen die Hüften kreisen zu schwungvollem
Rock´n´Roll. Dann im "Millenium Prayer" wieder
mehr Pathos und noch mal zieht das Showtempo zum Schluss an. Das
Publikum klatscht mit, schunkelt, die Halle steht längst. So ist
es gewünscht.
Zwei
verschmerzbare Wermutstropfen bleiben. Die Bildergalerie als Bonus ist
schwach und die Bildergalerie selbst leider auch. Ich finde diese
Bonusmasche ohnehin schwachsinnig. Was auf der DVD/CD drauf ist, ist
drauf. Es gibt doch sowieso keine Version ohne den Bonus usw. Aber wenn
schon, sollte es vielleicht besser dem Status genügen. Das tut die
Bildergalerie nicht. Jeder Fan hat sicher seit Jahrzehnten mehr,
speziellere, bessere Bilder gesammelt. Es sind nur 11
schwarz-weiße und zwei farbige. Aus fünf Jahrzehnten?! Wie
es heißt. Und gerade besonders spektakulär sind sie auch
nicht.
Es lassen sich
aus so einer Karriere nicht alle Hits auf einem Konzert spielen und auf
einer DVD vereinigen. Es sind zuviele. Doch fehlt mir einer: "Lucky
Lips". In Deutschland als "Rote Lippen soll man küssen"
bekannt geworden. Weicht der deutsche Text vom Sinn der englischen
Version weit ab, was wohl dem Autor angelastet werden muss, ist doch
die Originalversion eine Perle alltäglicher Weisheit. Klar und
schlicht formuliert, wirklich wahr und stets zu bedenken. Ein
schöner, kleiner Song für Jedermann und zum Mitsingen.
Vielleicht gab
es verlags-, urheber- oder sonstige rechtliche Hindernisse die Nummer
mit ins Programm zu nehmen. Vielleicht reizte Cliff das einfache
Stück nicht mehr oder es hing ihm sozusagen gar zu sehr zum Halse
heraus, als dass es noch einen Platz darin finden mochte ?
Zugegebenermaßen gibt das Lied musikalisch nicht viel her, ist
aber gerade deshalb so unmittelbar, hat mit seiner hübschen
Melodie den lebensfrohen Charme eines Lausbuben. Es verwundert einfach,
dass ein so großer Hit fehlt und viele werden ihn vermissen.
Sonst alles
bestens: Riesenkonzert, super Realisation.
Schnulzensängerschönling? Ja ! Das ist Geschmacksache. 50
Jahre Bühnenpräsenz nicht. Die Gunst der Massen ist nicht
immer eine Auszeichnung. Die Gunst der Zeit manchmal auch nicht. Nicht
alle überleben und es zu schaffen ist edel genug. Eine Legende zu
werden kann niemand steuern. Keine Kratzer in den Lack des Monuments zu
bekommen ist schon außergewöhnlich. Nach oben kommen viele.
Oben bleiben wenige. "I´m nearly famous now" (Jetzt bin
ich schon fast berühmt) singt Cliff.
Wo er recht hat
, hat er recht. ;-)
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Zum Leben erweckt
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Autor:
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Irmgard
Keun, gelesen von Fritzi Haberlandt
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Titel:
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Das
kunstseidene Mädchen
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Originaltitel:
|
-
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Umfang:
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4 CDs
Gesamtdauer: 268:41 Minuten
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Format:
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Hörbuch
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Preis:
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variert
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Verlag:
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BRIGITTE
Edition "Starke Stimmen"
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ISBN:
|
B0007N1BJO
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Website:
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www.empyreal.de
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Dieses
Werk begegnet uns in Form des Tagebuches der jungen Hauptfigur Doris
über den Zeitraum etwa eines knappen Jahres. "Aber ich will
schreiben wie Film, denn so ist mein Leben und wird es noch mehr sein."
Fritzi Haberlandt gelingt es in der Hörbuchversion diesen "Film"
vor unserem geistigen Auge lebendig werden zu lassen. Sogleich
fällt es leicht und scheint nur natürlich die Sprecherin des
Textes mit Doris dem kunstseidenen Mädchen zu
identifizieren.
Verwendet
mancher ein Hörbuch, um vorgelesen zu bekommen, seine Augen zu
schonen oder einfach die professionelle Sprechkunst eines Darstellers
zu genießen so ist die Symbiose der persönlichen Notizen in
der Perspektive eines Tagebuches und der affektiven Gestaltung der
Geschichte hier traumhafte Wirklichkeit.
Fritzi
Haberlandt wird zu Doris. Bald kann ein Unterschied nicht mehr
wahrgenommen werden. Die eigene Sprache des Mädchens und ihrer
gesellschaftlichen Schicht bringt sie als sei ihr selbst der Schnabel
so gewachsen. Wir hören die junge Frau quasi ihre eigenen
Tagebucheinträge vorlesen. Mit der für junge Frauen
typischen, leicht hysterisch anmutenden, emotional unmittelbaren
Beteiligung, als wären es gerade die aktuellen. Wir sind das
Tagebuch und Doris/Fritzi vertraut uns ihr Leben aus erster Hand an.
Die
einzelnen Einträge bieten kleine Erzähleinheiten. Die
Sekundenbruchteile dazwischen, von denen und zu welchen Fritzi
Haberlandts Sprechatem den Bogen spannt und wieder aufnimmt, scheinen
wir geschlafen zu haben. Bis das kunstseidene Mädchen wiederkehrt,
um uns die Neuigkeiten zu schildern, als hätte sie diese soeben
erst selbst erfahren. So tauchen wir in wenigen Stunden ein in eine
authentische Romanwelt dieses unverdorbenen Wesens.
Gerne
schließt man die junge Frau ins Herz, wie sie die Welt und ihre
Teilnehmer um sich herum entlarvt. Den zudringlichen Rechtsanwalt
dessen langweiliger Schreibstube, wie der grauen Abhängigkeit und
der Öde des kleinbürgerlichen Milieus sie zu entrinnen sich
wünscht. Später ihre Kolleginnen und Widersacher am Theater
usw. Mit dem Witz einer Distanz und der Treffsicherheit naiver
Unbefangenheit höhnt und kritisiert ihre bildhafte Sprache mit
klarem Blick auf ihre Umgebung. Man möchte mit ihr lachen und ist
erfrischt.
Dann
wendet sie sich mit viel Mitgefühl wieder schwächeren
Mitmenschen zu und beklagt doch auch die große Ungerechtigkeit,
die es in der Welt gibt. Ihr liebenswürdiges Gemüt
überzeugt uns, sie urteilt nicht. Ihr Unverständnis steigert
sich bisweilen zu Abscheu und so sind die unverhohlenen Beschreibungen
das Ergebnis einer unverstellten Weltklugheit. Trotz Herkunft aus
einfachen Verhältnissen ist das kunstseidene Mädchen
offenbar doch keine gewöhnliche Frau. Ein ausgeprägtes
Mitgefühl, überdurchschnittliches Empfindungsvermögen
zeichnet sie aus und man möchte ihr Verzeihen, weil sie doch immer
Nachsicht mit Allen hat und bei nur dem einen fast kindlichen Wunsch
"ein Glanz" zu werden sonst nie eine Absicht oder Selbstsucht erkennen
lässt.
Wie ein
Kind in unschuldiger Hoffnung darauf die Welt möchte so sein, wie
man sie sich wünscht, beschreibt das Tagebuch mehr als nur das
Leben von Doris, dem kunstseidenem Mädchen und eben sie
darin mehr als so gefühlvolles, liebenswürdiges, über
alle Verdacht erhabenes Medium, einen Spiegel der Welt, der
Gesellschaft, der Menschen im Deutschland der schwierigen 30er, ihrer
Sorgen und Probleme, wie Arbeitslosigkeit, Überlebensstrategien,
Hoffnungen, Wünsche, Leiden, Eitelkeiten.... Das kunstseidene
Mädchen denkt laut über die Welt nach und schenkt uns
diese Gedanken.
Irmgard
Keun, ersann diese Figur, welche ihr in Zügen angeblich
autobiographisch nahestand, lies sie diese Welt erfahren und zeichnete
ihre Erlebnisse in einer nicht literarischen Zielen verhafteten,
sondern volksnahen, von normalen Menschen gesprochenen, unmittelbaren
und von der Faszination für das junge Kino geprägten,
bildreichen Sprache auf.
Fritzi
Haberlandt erweckt das Buch, die Figur, die Geschichte in unseren
Köpfen zum Leben. Besser als es ein Film je hätte schaffen
können.
Gratulation!
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Nachvollziehbare
Vielschichtigkeit
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Autor:
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Susanne
Kölbl, Olaf Ihlau
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Titel:
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Krieg am
Hindukusch: Menschen und Mächte in Afghanistan, Vollständig
überarbeitete und aktualisierte Ausgabe Mai 2009, Titel der
vormaligen Originalausgabe: "Geliebtes, dunkles Land“
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Originaltitel:
|
-
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Umfang:
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336 Seiten
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Format:
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Softcover
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Preis:
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EUR 12,95
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Verlag:
|
Pantheon
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ISBN:
|
978-3570550755
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Website:
|
www.randomhouse.de/pantheon
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Es liegt
eine Neuauflage des weithin als konkurrenzlos geltenden Werkes
über die leidvoll präsente Situation in Afghanistan vor.
Hintergründe und Zusammenhänge werden bis weit in die
Vergangenheit vielfältig beleuchtet. Die historischen und
politischen Fakten nötigen dem Leser durchaus Konzentration ab.
Umfassende Daten und Namen fordern seine Aufmerksamkeit Man
erfährt einiges über den Werdegang Osama Bin Ladens. Den
besser Informierten mag das Meiste bereits bekannt sein und deshalb ist
seine Geschichte auch knapp gehalten. Offensichtlich nicht Aufgabe
dieses Werkes ist Bin Ladens Entwicklung mit der Geschichte
Afghanistans und der gesamten Problematik offenkundig verbunden, so
dass der entsprechende Teil Eingang gefunden hat. Einem weniger
intensiv mit der Materie vertrauten, und damit wohl vielen nur
allgemein politisch interessierten Lesern trägt es auch
diesbezüglich zur besseren Einsicht bei.
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Darstellungen
der nationalen und für die einzelnen, recht unterschiedlichen
Teile Afghanistans landestypischen Gepflogenheiten, wieder deren
Gemeinsamkeiten, Werdegang der herrschenden Führungscharaktere,
ebenso wie Reaktionen und Mentalität der Stämme lassen die
Konfliktsituation in ihrer Vielschichtigkeit nachvollziehbar werden.
Dadurch versteht man alles viel besser. Die allgemein vorhandene Kritik
an den Amerikanern, ihrer Gründe, Haltung, Politik und
Vorgehensweisen wird durch konkretere und klar formulierte Sachlagen
verdeutlicht, wie einem gleichsam so einfache Mechanismen wie die
Parteinahme der Bevölkerung durch simple Lebensverbesserungen
zurück in ´s Bewusstsein gerückt werden. Wer beisst die
Hand, die ihn füttert? Aber auch wenn man nur einen Teil der
reinen Information behält, erfährt man Wichtiges zur
Situation in Afghanistan. Viel tiefer geht die Wirkung: Das Buch bringt
uns Afghanistan nahe. Hier kann man lernen, verstehen, helfen.
Unter
Zurücknahme ihrer selbst ohne das eigene Anliegen und
persönliche Engagement ganz zu verbergen, wird eine komplexe und
furchtbare Realität detailliert aufgeschlüsselt, dabei auch
einem unbedarften, aber interessierten Leser entsprochen. Und mehr: Man
wird mitgerissen. Gefesselt drängt man über die Vielzahl an
geographischen und geschichtlichen Inhalten hinweg. Man möchte
wissen, wie es weitergeht. Fasziniert von der Schilderung bekommt man
fast ein schlechtes Gewissen die furchtbare Wirklichkeit der
afghanischen Menschen im Krieg spannend wie einen Abenteuerroman zu
lesen. Vielleicht ist es nur die Blasiertheit des westlichen
Zivilisationsmenschen, der sich im Überfluss verstrickend auch
dieser Fülle flacher Reize bereits überdrüssig sein
Alltagsleben so langweilig findet, dass ihm die Härte der
Lebensrealität gepeinigter Nationen aufregend erscheint. Vielmehr
schaffen die Autoren jedoch diese Authentizität, weil sie an
selbst erlebten Beispielen aller möglichen Beteiligten Situationen
schildern, welche reale Eindrücke gerade wegen ihrer lebendigen
Erfahrbarkeit vermitteln. Hier werden wahrhaftige Ereignisse und die
Wirklichkeit lebender Menschen detailfreudig und bildreich gezeichnet.
Es
geht so weit psychologische Momente zu begreifen, wie die Zweifel an
der individualisierten Gesellschaft westlicher Zivilisation. Wenn wir
selbst uns für gebildet haltende und gewissermaßen in
rationaler
Vernunft, wie mit rein wissenschaftlicher Information reichlich
vorteilhaft ausgestatteten und angeblich aufgeklärten
Persönlichkeiten
schon Schwierigkeit haben, eine fremde Kultur und Mentalität
tatsächlich verständnisvoll zu erfassen, kann man doch nur
allzu gut
mitfühlen, was die Erfahrungen und Mediendarstellungen unserer
Welt bei
der afghanischen Bevölkerung trotz allein durch die Not um Hilfe
vorhandene Aufgeschlossenheit an Eindrücken bewirken muss. Wie die
"Demokratie“ zum Synonym für gebrochene Versprechen, Gewalt und
Sittenlosigkeit wird.
Neben
dem, was der Mensch aus der uns scheinbar fernen Problematik und
den schönen Einsichten in fremde Kultur und individuellen
Lebenssituationen, der so anderen und dabei in ihren Wünschen doch
nicht so verschiedenen Menschen für sich selbst lernen mag, wird
einmal
mehr deutlich, wie wenig man sich aus menschlichen Konflikten
heraushalten darf und wie schwer es dabei bleibt sich nicht
einzumischen. Das heißt selbstlose, uneigennützige Hilfe zu
leisten.
Anzubieten, zur Verfügung zu stellen und zu stehen,
unterstützen ohne
eigennützig zu sein und nur verblendet, das zu verfolgen, was man
für
richtig hält und das Maß zu kennen, um die Würde des
Leidenden nicht zu
verletzen und seiner eigenen Art und den daraus resultierenden
Entwicklungsweisen zu entsprechen. Sowohl um erfolgreich werden zu
können, als auch in den Genuss eines stabilen Ergebnisses freier
Selbstbestimmung zu kommen. Freiheit bedeutet immer die Freiheit des
Anderen. Wie der andere sie verstehen möchte. Freiheit lässt
sich eben
nicht aufoktruieren.
Den
Autoren gelingt das Kunststück Fakten distanziert zu handhaben und
dabei die persönliche Verbundenheit mit den Menschen, deutlich die
eigene Beteiligung klargestellt, spürbar werden zu lassen. Die
Vielschichtigkeit der wirkenden Faktoren sachlich darzulegen, ohne auf
die doch entscheidende menschliche Teilnahme verzichten zu müssen.
Mag man ob der Fülle der Information überfordert sein, wird
diese nie in Frage gestellt durch mögliche Empfindungen, welche
dafür umso sicherer ankommen und erhalten bleiben. Die Autoren
sind nah an der Sache, den Menschen, im Land und erleben alles selbst,
ohne Partei ergreifen zu müssen. Allein schon in den Danksagungen
erfährt man leicht die Intensität der Recherche und
persönlichen Aspekte derselben, wie den „hohen persönlichen
Einsatz“ des Fahrers. Es lässt sich förmlich spüren wie
unmittelbar man mit dem Tode bedroht sein kann.
Trotz
dem, was man an Hindernissen erfährt und entgegen aller zitierter
Einschätzung von Fachleuten und Beteiligten mündet die
Darlegung in
eine hoffnungsvolle Aussicht, welche zum Glück nicht minder
realistisch
bleibt.
Als Krönung finden sich nebst diversen
Schwarz-Weiß-Abbildungen im Buch
selbst im Druck technisch hervorragende und als Bilddokumente fast
romantisch schöne Eindrücke wilder Landschaften, veritablen
Talibankämpfern, Hirten und Weiden, von Kabul und Soldaten,
traditionelles Brot, verschleierte Frauen auf dem Spaziergang
.
Bei einem
im Netz gefundenen VDO-Clip eines öffentlichen Interviews der
beiden Autoren, wenn ich mich recht erinnere zur Buchmesse im
Veröffentlichungsjahr des vormaligen Originalwerkes spürt man
sogleich, wie sie den Wunsch am liebsten gleich das ganze Buch und
vielleicht darüber hinaus zu erzählen hinter pragmatischen
Notwendigkeiten zurücklassen, im Zeitkorsett und zugunsten einer
besseren Fassbarkeit für das Publikum auf die gerichteten Fragen
knappe Antworten bieten, denen der Druck der viel weitergehenden
Erfahrungen dahinter nur zu deutlich angemerkt werden kann. Nicht
zuletzt beantworten sie die im aktuell medientauglichen Superlativ
gefasste Frage nach „dem Wichtigsten“, nach dem, was Afghanistan ihnen
selbst bedeute, was es ausmacht und ihnen gegeben habe, das zu dem
ursprünglichen Titel „Geliebtes, dunkles Land“ geführt hat.
Was sie daran liebten? Natürlich wissen die beiden um den
Medienzwang und haben gelernt Dinge knapp und einfach zu formulieren.
Gemeinsam ringen sie einen Moment mit der Fülle ihrer Teilnahme
und münden, den Blick auf vor ihren inneren Augen auftauchenden
Bilder voller Empfindungen, welche hinter diesen wenigen kleinen Worten
stehen müssen, darin, was eine Nation jenseits aller Machtpolitik
und wirtschaftlichen Interessen, jenseits der Gewalt und des Leides
ausmacht, berührt und eint: "Das Land, die Menschen.“
Meine
aufrichtige Hochachtung.
|
Literarisch entbehrlich
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|
| Autor: |
Charlotte Roche |
| Titel: |
Feuchtgebiete |
| Originaltitel: |
- |
| Umfang: |
224 Seiten |
| Format: |
Taschenbuch |
| Preis: |
EUR 8,95 |
| Verlag: |
Ullstein |
| ISBN: |
978-3548280400 |
| Website: |
www.ullstein.de
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Nicht mehr ganz
aktuell ist der dauernde Erfolg dieses Buches auffällig. Charlotte
Roche muss nicht näher beschrieben werden, seit sie eine der
frühen und erfolgreicheren MTV-Moderatorinnen war, was
in gewissen Kreisen als Garant für nicht zwangsläufig
überbordende intellektuelle Möglichkeiten gilt. Ihr
Gouvernanten-Charme war mir stets sympathisch. Vielleicht lag es nur
daran, dass sie kein idiotisches Kreischblondchen-Klischee bediente,
welches nur aus T & A zu bestehen scheint. Als mit MTV
Schluss war, versank sie gebührlich in Vergessenheit. Weil sie
eine gar so große Nummer bei dem Musiksender zu sein schien,
wunderte sich mancher, wie kategorisch ihr Karriereende ausfiel.
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Dann kam sie
relativ unerwartet mit einem Roman ans Tageslicht zurück. Die
Einen überrascht (können MTV-Moderatorinnen
schreiben und lesen?), andere desinteressiert, wurde dieser stark
beworben und fand ein breites Publikum. Charlottes Moderatorenerfahrung
machte sie zu einem praktikablen und gern genommenen Gast der
unzähligen Talk -, Interview – und Wir besuchen uns für
die Bewerbung unserer Produkte einfach gegenseitig – Shows. Dort
sollte sie zur Belustigung die jeweils ekeligsten Stellen aus ihrem
Buch beispielhaft vortragen. Alte verklemmte Typen laden gerne junge
Frauen wegen bisschen Schmuddel ein. Vor allem wenn sie optisch eher
…eben wir kennen sie ja.
Der
Roman ist literarisch entbehrlich. Die Sprache bietet wirklich wenig
Besonderes, nicht einmal heiße Jugendkulturfloskeln. Die Story,
sozusagen die Handlung ist stark begrenzt und weder von
spektakulärer
Spannung, noch neuen Erkenntnissen, tiefen Gefühlen, historischen
Zusammenhängen oder irgendwas in dieser Richtung erfüllt. Die
ganze
Sache dreht sich fast ausschließlich um, bzw. ist nur das seichte
Rahmenprogramm für die immer deutlich hervorgekehrte Vorliebe und
Verfolgung ausdrücklicher Antihygiene. Dies wird bei allen
Gelegenheiten und in Bezug auf alle Lebensbereiche und natürlich
besonders in Zusammenhang mit den relativ weitreichenden sexuellen
Errungenschaften ihrer Heldin Helen dargestellt. Zusätzlich
entwickelt
sie ein gewisses Sendungsbewusstsein die Welt mit der Antihygiene zu
versorgen und schadenfroh zu necken. Helen ist ein wenig infantil. Ist
wahrscheinlich in dem Alter, in dem man sich gewöhnlich für
sehr
erwachsen hält ganz normal.
Das Buch liest
sich leicht und schnell mangels Gehalt. Wenngleich die Hygieneparanoia
einiger Wohlstandsbürger zweifellos so lächerlich wie dumm
ist, würde ein Psychologe Helens, und laut ihrer Talk-Show Besuche
auch Charlottes Hygieneauffassung als zwanghafte Störung aufgrund
frühkindlicher Traumen in der analen Phase verstehen. Das wird
auch bestätigt, denn die Heldin rebelliert gegen den
bürgerlichen und geschlechtlich ungerechten Hygienewahn ihrer
Mutter. Bestimmt ist die besessene Fixierung auf die Lust sich zu
beschmutzen und immer irgendwelche Aufhänger oder sonstig
scheinbar außergewöhnlichen Praktiken zu nutzen nicht die
Lösung und kein Zeichen eines entspannten und gesunden
Verhältnisses zur Sexualität und allen möglichen
Varianten mit und ohne Bakterien. Leider bleibt die ganze Sache sehr
oberflächlich und es werden keine Zusammenhänge klar
außer, dass eben Helen geil auf Schmutz ist, weil ihre Mutter den
immer verboten hat. Na toll. Insgesamt ist es die flache Geschichte
eines jungen Allerweltsmädchens, dass ihre bürgerliche
Vergangenheit und Jugendkonflikte verarbeitet. Der berüchtigte MRR
würde wohl einmal mehr von Nabelschau sprechen. Weil
aber genau das das Problem eines großen Teiles der Gesellschaft
und von Frauen und Mädchen noch immer ist, kommt die pseudolockere
Dreckspielerei bei Vielen an und das eigentliche Drama ist, wie
furchtbar hartnäckig das Problem sein kann und wiederkehrt. So
gesehen war dies Werk sicher noch sehr nötig zur Befreiung der
Frau und als neuer Anstoß gegen die, auch durch wahnwitziges
Medienbombardement bewirkte, Stagnation der sexuellen Revolution. Nur
kein Stress: So allgemein normales Vögeln auch nach der Dusche ist
nicht geringwertig und vollkommen okay. Liebe stört nicht. Sorry,
Charlotte, dein Zeug ist gar nicht so interessant, aber wir gönnen
dir die Kohle und mögen dich trotzdem.
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Intelligente Popmusik
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| Interpret/Komponist: |
Dave Stewart & Barbara Gaskin |
| Titel: |
As Far as Dreams can go, The Singles, The Big
Idea |
| Tracks: |
variert |
| Label: |
Line (DA Music) |
| Website: |
www.davebarb.demon.co.uk |
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Beim Duo Dave
Stewart & Barbara Gaskin handelt es sich um Musiker, die in
Deutschland wenig bekannt sind, obwohl sie in ihrer britischen Heimat
Top-Ten Hits landeten, noch auftreten, zusammen Alben produzieren und
veröffentlichen (zuletzt im März 2009 und ein Re-Release
Oktober 2009). Dieser Dave Stewart ist Keyboarder und hat außer
seinem Namen nichts mit dem Gitarristen Dave Stewart von den Eurhythmics
gemein.
Auf den drei
Scheiben finden sich bekannte Hits wie "It´s my Party“ –
damals der Charteinstieg für die beiden (bis der "Bird Song"
von Lene Lovitch (grusel) die No.1 belegte) – die
Rock´n´Roll - Tanznummer "Locomotion“, den
wirklich extrem klasse Song "Busy doin´ nothing“,
welcher schon mit Bing Crosby voller Frohsinn war: "We´re
busy doing nothing, working the whole day through, trying to find
lot´s of things not to do, we´re busy going nowhere,
isn´t it just a crime, we´d like to be unhappy , but: we
never do have the time….”
In neuen
facettenreichen Gewändern, welche den unvorbereiteten Zuhörer
mit Vertrautem an die ausgeklügelten, glasklaren
Synthiesoundkaskaden von Daves Arrangements heranführen. Auch
weniger bekannte Werke anderer Songschreiber wie "Leipzig“ von
Thomas Dolby und das wunderbare "I´m in a different World“
von Holland/Dozier, Johny Rocco von van Dyrke oder der "Siamese Cat
Song" von Peggy Lee und Sonny Burke aus Disneys "Susi
und Strolch" und viele Andere finden sich.
Die eigenen
Nummern sind noch interessanter. In ihnen offenbaren sich
umso mehr die Talente. Barbara Gaskins Stimme ist sanft, angenehm und
dabei leicht fähig sich den Stimmungen der Titel entsprechend
romantisch, fröhlich, traurig bis melancholisch, poppig, frech,
erzählerisch, beschwörend, bestimmend, abgehoben, liebevoll,
liebenswürdig und oft entrückt zu geben und dabei immer ein
bisschen
streng, akademisch korrekt, vielleicht gleichzeitig so kühl wie
die
künstlichen Klänge der Synths und Sampler sein zu
dürfen. Dave kann
hier frei seinen stimmungsvollen, bis symphonischen Klanggemälden
nachgehen. Grob gesprochen handelt es sich um 80er Jahre Synthie-Pop.
Kompositorisch , musikalisch jedoch hochanspruchsvoll. Hier werden mit
elektronischen Klängen wie mit Orchesterfarben
Gemütsverläufe weit über
gängige Songmuster hinweg gestaltet. Jede Nummer eine Reise durch
die
im Text beschriebenen Situationen. Da sind opulente Balladen wie
treibende Up-Tempo Knaller. Eingängige Gassenhauer neben komplexen
und
harmonisch sich verstrickenden Gebilden. Wirklich bemerkenswerte
Konstrukte kompositorischen Geistes paaren sich mit konventionellen
Refrainmonstern.
Dave
hat selbst zwei Bücher zu Komposition, Arrangement, Improvisation
etc.
verfasst, die diese Dinge auch Laien näherbringen können. Nur
in
englischer Sprache erschienen.
Auf der Homepage
wird sie intelligente Popmusik genannt. Yes!
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Einfache
Wahrheiten
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| Interpret/Komponist: |
Lou Reed |
| Titel: |
New York |
| Tracks: |
14 |
| Label: |
Sire |
| Website: |
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Zur Person Lou
Reed braucht man nicht viel zu sagen. Velvet Underground sind
Legende, mit Andy dem Warhol sind sie herumgezogen und dem breiten
Publikum ist der Walk on the Wild Side als Mitsinger selbst
für den tonal unbegabtesten Suffbruder als einziger Song bekannt,
ohne unbedingt einen Schimmer von dessen grausamen Background der Gosse
erahnen zu müssen.
New York
ist amerikanischer Punk, Underground, ist Lou Reed. Die Songs
beschreiben in einer beeindruckenden Klugheit, textlich auf einem
poetischen Niveau – was sind Songtexte anderes als Gedichte, Verse,
Poesie? – und dabei aufs eindringlichste die hässliche
Lebensrealität einer amerikanischen Städtekultur und deren
Unterschicht. Keine weichen Rindsledersessel. Kein Gucci. Kein Chrom.
Drogen,
Prostitution, Bildungsmisere, Bildungsfatalität.
Homosexualität, HIV…Tod. Die Musik ist von der selben Kraft. Roh,
unverblümt und sehr intensiv. Mit seinem Lieblingsset "you
can´t beat 2 guitars, bass, drum“ entstehen 14 Titel, die in
ihrer Einheit des Sounds und der Attitüde keinerlei Langeweile
aufkommen lassen oder nur annähernd einen Verdacht es könnte
alles gleich klingen bestätigen. Diese Songs sind stark und eigen.
Auf eine direkte, bedrohlich wahrhaftige Art. Die wenig sangliche
Stimme Reeds ergänzt die Musik mit ihrem Sprechgesang wunderbar.
Texte im Booklet. Der Sound und die Produktion sind erstklassig. Bass,
Schlagzeug, Gitarren klingen wie im Zimmer. Kein Effektfirlefanz, nur
Druck. Geistiges Niveau hoch, Talent klasse, professionell
hervorragend, Bodenständigkeit stabil, einfache Wahrheiten.
Sicher nicht
jedermanns Geschmack. Vielleicht ist es Vogelscheiße auf deinem
Kopf, die wir vermeiden möchten und schnell aus dem Leben zu
verbannen suchen, welche hier besungen wird. Aber diese
Vogelscheiße gibt es und auf dieser Platte kannst du sie riechen.
Dabei ist sie verdammt cool zu hören.
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| Pan Tau kann
zaubern
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Gewissermaßen
ist es unnötig zu Pan Tau
überhaupt eine Rezension zu verfassen, da die Serie diesen
sprichwörtlichen Kult-Charakter erreicht hat. Leider ist das
Attribut "Kult“ zu einer dieser Worthülsen verkommen, das nur mehr
zu dem blinden Wunsch ohne eigene Auseinandersetzung oder gar
Reflektion daran – an dem Kult – teilhaben zu dürfen oder zu
müssen, taugt. Es handelt, sich wohl um ein Symptom der
desozialisierten (© bernhard faaß) Gesellschaft, welche in
Verkennung ihrer sozialen Defizite nurmehr den tief empfundenen Mangel
verspürt. Dabei leider die Ursachen oder das, was verlustig ging,
nicht mehr erinnernd es daher durch hohle Ziele wie eitle Götzen
zu ersetzen sucht, nur um diese in auffälligem Eifer zu verfolgen.
Kult: rituelle Anbetung aus Kompatibilitätsgründen
bedeutungsentleerter Idole durch relativ schwachrational entwickelte
Geister zur Erlangung von diesen Mechanismen nutzender
Herrschaftsklasse in Aussicht gestellter Erlösung.
Unterstützt niedere Instinkte wie vordergründiges
Rivalitäts-, Karriere – und Hierarchiedenken. Insgesamt
rudimentär und evolutionshemmend.
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Nennen wir Pan
Tau lieber eine Legende. Verwunderlich genug, dass die
Verfügbarkeit der Serie auf DVD so lange auf sich warten lies.
Anlass genug diesen Klassiker einem neuen Publikum nahezubringen, das
nicht schon aus vormaligen Zeiten vollkommen hingerissen von der
dezenten Figur das Erscheinen hoffnungsvoll erwartete. Ja Leute, das
ist die gehaltvolle, unschuldigem Frohsinn, selbstverständlicher
Empfindungstiefe und der Zufriedenheit lebendiger Menschen
entspringende Traumwelt. Am Beispiel der im Zusammenhang nicht
erstrangigen Hintergrundmusik wird ersichtlich mit welch aufrichtigem
Engagement man zu dieser Zeit das Geschäft der
Fernsehserien-Produktion betrieb. Es ist eine dieser
begeisterungswürdigen tschechischen Werke, die dem
Gemütsreichtum der slawischen Seele alle Ehre macht. Wirklich
schöne, kunstvoll komponierte Musik von echten Musikern
eingespielt, war Ehrensache. Vom hohen Wiedererkennungswert der
Titelmelodie nicht zu reden, dessen Thema in geschickter Weise den
Stimmungen der jeweiligen Szenen entsprechend arrangiert wird. Eine
derartig gekonnte Detailgestaltung kommt einem bei heutigen
Produktionen gar nicht mehr als Option in den Sinn, so abwegig lassen
sie das allgegenwärtige Kostendiktat der
Billig-Billig-Profit-Wegwerf-Schei…tel
dr….über….Produktionsmaschine erscheinen. Wirklich von Herzen
arbeitende Könner bringen ihre Befähigung zur Geltung. Trotz
geringerer technischer Mittel und geringeren Budgets übersteigen
die ausgebildeten Möglichkeiten des menschlichen Geistes und des
Antriebs bestmögliche Ergebnisse zu unseren Gunsten und unserer
Freude zu schaffen kurzlebig platte Reizeffekte durch vielfältige
Details, Tiefe des Ausdruck und Sinngehalt, welche die Folgen zu einem
immer wieder wertvollen Genuss werden liessen.
Pan Tau
ist eine reife, dabei klare und strukturell richtiggehend einfache
Figur. Schon der Name ist Beweis für gestalterische
Intensität auch auf der zweiten und weiteren Bedeutungsebene. Der
klangvolle Name des schweigsamen Herrn besteht aus zwei Begriffen der
mystischen Welt, die sich in ihrem offensichtlichen Gegensatz zu einer
natürlichen Symbiose vereinigen. PAN der ziegenhufige König
der Waldgeister und Elfen – neuerdings bekannt durch den Fantasy-Film "Pan´s
Labyrinth“ und vormals von der Kirche als Bild des
Leibhaftigen missbraucht – repräsentiert die animalischen
Kräfte der Fauna, der säugetierhaften Natur, irrationale,
instinktive biologische Mächte. TAU, ist wohl nicht unbedingt der
flüchtige Glanz eines wörtlich zu verstehenden Taues, als
vielmehr das asiatische Dao, früher oft in der Lautschrift als Tao
mißinterpretiert und/oder zugleich der mit vielfältigen
Interpretationen belegte letzte und 22. hebräische Buchstabe
tatsächlich identischen Namens Tau. Unser T, welches seither auch
mit dem Christus, der universellen Liebe identifiziert wird.
Die sanfte
Person in dem schon zur Entstehungszeit höchst altmodischen
Herrenkombination eines Gehrocks mit großgraugestreiften Hosen,
einem "Vatermörder“-Kragen inklusive Krawattenschal, wieder
symbolträchtigem Schirm und der bekanntlich zentralen Melone, im
deutschsprachigen Raum korrekt als "Stresemann“ bezeichnet, nicht zu
vergessen die stets frische weiße Nelke im Revere, hebt sich
allein durch die ausdrücklich die gängige Mode
übersteigende Eleganz einer entrückten Welt ab.
Pan Tau
ist ein metaphysisches Wesen. Ein Held. Keiner der gewalttätigen
Heroen, weltherrscherischen Größenwahns, korrupter Sieger
wirtschaftlicher Überlegenheit, Supergenie oder
Mörderkräfte, kein Antiheld verlorener Ideale, Retter oder
Befreier unterdrückter Sehnsucht. Pan Tau hat diese Probleme
nicht. Er bietet keinen Ansatz für Eskapismus schwacher
Gemüter oder um sich für etwas Besseres zu halten. Die Welt
ist eine frohe. Entspricht dem Lebensgefühl der Leute in einer
Zeit als alles besser zu werden schien, besser wurde. Pan Tau
lässt die Welt gewähren und schaut gelassen zu. Weder wird
Perfektion angestrebt, noch ist diese Welt eine naive Idylle. Der
souveräne Herr, dessen Verständnis ohne Worte, ohne Sprache
auskommt, benötigt keine irdischen Mittel um zu große
Irrtümer zu korrigieren. Pan Tau hat es leicht: Er kann
zaubern!
Mit einer
subtilen Geste um die wunderkräftige Melone ist ihm jede
Lösung möglich. Und diese Kraft wird dezent wirksam. Pan
Tau ist nicht allmächtig, sondern auch verletzlich und
gefährdet. Liebenswürdig, wohl gesonnen, gefühlvoll,
einfühlsam, mitfühlend. Ein Held, genauer ein Freund der
Kinderseele.
Der Himmel
schickt ihn. Ein Außerirdischer? Mit seiner, wie einem der alten
Jules Verne Romane entsprungenen Weltraumkutsche fliegt er, ohne
Atemgerät, hinab auf die Erde. Das Flugobjekt erweist sich als
winzig, wie sein Passagier, der sogleich Kraft der Melone zu einer in
unserer Welt normalen Statur wächst und sein fragiles Gefährt
einfach in die Rocktasche steckt. Nun kann Otto Simanék der
kongeniale Darsteller eins geworden mit Pan Tau beginnen die
Welt – nicht belehren, nicht befreien, nicht retten, Nichts von den
falschen Hoffnungen erfüllen – zu beglücken. Die Welt der
einfachen Leute und deren kleinen Sorgen und Nöte mit Glück
zu erfüllen, begibt sich das übernatürlich Wesen mit der
zauberkräftigen Melone in ihre Mitte und nimmt Teil an allem, was
unseren Alltag ausmacht und wichtig ist: Schnee, Weihnachten, Schule,
Reisen, Zirkus, Taxi und manchmal tanzt er aus der Reihe. Pan Tau
lässt uns nichts weiter erkennen als das Glück und die Wunder
unserer Welt, die uns profan erschien und doch bunter und unglaublicher
ist als es stromlinienförmige
Hochglanzmegablitztechnologieersatzprodukte vorzugaukeln versuchen. Pan
Tau kann eben zaubern.
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Absolute Intensität
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| Interpret/Komponist: |
Johnny Cash |
| Titel: |
American V - A Hundred Highways |
| Tracks: |
12 |
| Label: |
The Island Def Jam Music Group |
| Website: |
www.empyreal.de |
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Country? Alter
Mann? Amerikanische Autobahnen? Kann es schlimmer werden? Dieses letzte
Album vor seinem Ableben, er wollte ihm noch selbst den letzten Schliff
verpassen als sein Produzent Rick Rubin die Nachricht von seinem Tod
erhält, ist vielleicht nicht besser als "American IV: The Man
Comes Around", das Album davor und logischerweise vorletzte.
Vieleicht hat es etwas damit zu tun, wenn der Tod so nahe bevorsteht.
Vielleicht nicht und es ist nur die Reife eines Künstlers, der
längst Gelegenheit hatte alles zu schaffen, was erstrebenswert
gewesen sein könnte. Und dies bekanntlich nicht ohne
gehörigen Erfolg. Vielleicht ist es die Situation, Nichts, aber
auch gar nichts mehr beweisen zu müssen und hat deshalb trotzdem
mit dem so absehbar bevorstehenden Tod zu tun oder nur mit der Reife
des Alters.
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Es sind auch
keine "neuen" Lieder. Es sind amerikanische Songs. Aus dem
sprichwörtlichen Great American Songbook. (Zwei von ihm selbst.)
Von einem gesungen und gespielt, der das seit Jahrzehnten tut und
außerdem scheißalt ist. Er tut dies mit den einfachsten
Mitteln und unspektakulär produziert. Da ist nichts, das jemand
aufregend finden könnte, womit man Aufmerksamkeit zu erwecken sich
bemühen wollte. Ja, ich kannte Johnny Cash vorher. Nein ich bin
kein Country Fan, obwohl ich hier und da einiges sehr gut finde und
gerne höre. Neues und Altes. Jeder weiß von seinen ganz
großen Nummern: "Ring of Fire" oder"Folsom Prison
Blues". Man hat den Hollywood-Film "Walk the
Line" gesehen, in dem eine June Carter einen Mann mit den
gleichen Initialen ehelicht, der sie seit jeher anhimmelt: Ein
wahrhaftiges Märchen .
Aber dann: Ein
alter Mann singt alte Lieder. Na und schon? Noch dazu auf für
unsere Zeit fast verwerflich medien- und marktuntaugliche Weise,
nämlich einfach so mit Gitarre und eben singt der dazu. Ja mei ?
Wen soll das denn locken? Alt ist er, müde. Am Ende jammert der
wie wer weiß nicht was. Es geht schon los, dass in der
chromblitzenden Welt der vielleicht nicht grundlos sogenannten Neuzeit
wahrscheinlich niemand wüsste, wo man die CD hinstellen kann. Ich
wollte nur herausfinden, was dieser legendäre Mann ans Ende setzt.
Sein Ende. Das Ende dessen, was "Johnny Cash" war, ist. Die Marke
"Johnny Cash", das Produkt "Johnny Cash". Die Legende.“
Zu oft schmieren
große Stars nach einer gewissen Zeit und vor allem gerne zum
Schluss ab. Besonders, wenn irgendein Kommerzheini auf die Idee kommt,
noch mal richtig Gage mit dem ehemals großen Namen abzugreifen
und sich das Opfer zu einer aufwendigen Produktion mit womöglich
bergeweise unterstützenden "Freunden" des Stars, selber Stars,
aufheizen lässt. Alter schützt vor Torheit nicht. Ich wollte
nicht durchhören. Ich wollte nur anspielen. Ich hatte eigentlich
nicht viel Zeit. Ja, er beginnt von Schwäche zu singen. Bittet um
Hilfe. Lieder über den Tod kommen vor. "But I´m not the
whining kind." Man kann nicht abschalten. Will nicht
aufhören. Zu seiner Gitarre kommt einmal nur ein tiefes Cello.
Bald Stampfen und Klatschen. Dann ein wenig Piano, zusätzliche
Gitarren. Eine Orgel. Alles sehr spartanisch. Eine unsägliche Ruhe
geht aus von den in allemal extrem zurückhaltenden Tempi wunderbar
empfindsam gespielten Instrumenten und seiner einzelnen Stimme.
Irgendwie manchmal porös, rau, wie wir sie kennen, doch sanft und
sicher, mild auf den Tönen segelnd. Johnny Cash Stimme. Alt und
jung zugleich.
Schlichter
Charme der Harmonien und volkstümlicher Melodik, Texte herzlicher
Menschlichkeit getragen auf ihrem eigenen Fluss dessen Geschehen an
Wellen, Strudeln und Windungen sich souveräne Musiker
hingebungsvoll entlang treiben lassen können. Leichte Akzente,
hübsche Verzierungen entstehen wie im Vorbeigehen eingeflochtene
Glückwünsche und schmücken wie Sonnenstrahlen Morgentau
auf Rosenblättern in den Spektralfarben gleich himmlischen
Edelsteinen blitzen lässt. Die eigene, bewährte Kraft der
Songs gepaart und verstärkt mit der Stimme purer Authenzität
und einfach gekonntem Spiel. Cash singt über die Liebe. Nicht wie
ein Teenager. Über eine Frau, die dunkle Wolken weglachen konnte...
Diese Musik ist
von einer absoluten Intensität. Direkt. Die Stimme spricht zu dir.
Die Töne der schlichten Arrangements kommen in dein Leben, wie die
Luft deines Atems und die Sonnenstrahlen des Morgens. Da sind sie,
unaufdringlich, fast alltäglich, wie wenn sie immer schon da
gewesen wären. Sie stören nicht. Sie schaffen sofort eine
Stimmung, der man sich hingibt, weil sie gleich dazugehört, wie
ein alter Freund. Vertraut ist. Unmittelbar und intensiv.
Vollständig. Vielleicht kommt das vom Bewusstsein des nahen Todes.
Es ist dies eine besondere, bedingungslose Form der Freiheit. Alles
Vorherige ist Wert im Vergessen zurückgelassen zu sein, ob der
strahlenden Zukunft. Nichts hält einen mehr, wenn in Aussicht
steht, durch das grosse Tor zur Freiheit zu schreiten.
"I got rid
of the shackles that bound me and the guards that were always around me
There were tears on the mail mother sent me in jail But I'm free from
the chain gang now."
So kann man
gehen. Schlicht, schön. Frei und ganz. J.C. sei gegrüsst.
Danke, dass du bei uns warst und für die Musik, die du uns
geschenkt hast. Das Vergnügen ist auf unserer Seite .
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Maffay spielt (sich) auf
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| Interpret/Komponist: |
Peter Maffay |
| Titel: |
ewig |
| Tracks: |
13 plus enhanced CD open disc Zugang |
| Spieldauer: |
jede Minute ist zu lang |
| Label: |
Sony / BMG |
| Website: |
www.maffay.de
|
|
"Wenn nicht
für immer, dann wenigstens ewig" Von solcher Qualität
sind die Texte auf Peter Maffays neuester Platte. Da waren Zeiten von "Über
sieben Brücken musst du gehen" vergleichsweise von
philosophischem Tiefgang geprägt. Tja, war der Song damals
vielleicht gar nicht so schlecht und auch nicht von Maffay, sondern von
den in ostdeutschen Landen beheimateten "KARAT", welche auch
sonst wiederholt Substanz bewiesen, und nur von Peter M. ge...liehen.
Doch diesmal
macht der Peter wieder seine "eigenen" Sachen und es kommt es noch
ärger als man ohnehin schon denken wollte:
"Die Peter
Maffay open disc ist dein ganz persönlicher Zugang zu Peter
Maffay. Dich erwarten spannende Gewinnspiele /(sic ? Anm.d.R.)/,
Webchats mit Peter Maffay /(dem wahren Peter Maffay? Wieder
Anm.d.R.)/ und andere Specials nur für dich. /(das ist ja
mal echt nichtkommerziell: Für jeden Fan eigene individuelle
Specials einzurichten ist sicher nicht profitabel. Oder versteht da
irgendwer etwas falsch? A.d.R.)/ Darüber hinaus wirst du zu
VIP-Veranstaltungen eingeladen /(Da muss es aber sehr viele VIPs
geben.)/ und hast die Chance auf persönliche Treffen /(mehrere?)/
mit Peter Maffay." /(grusel A.d.R.)/ .
So steht es auf
der CD. Man merkt sofort: das ist das Produkt eines grundehrlichen
Rock´n´Rollers, der es nicht mehr nötig hat Fans aus
finanziellen Gesichtspunkten heraus mit nutzlosem Schrott zu
verblöden. Diesem Mann ist es mit der Musik und seiner Message
ernst.
Peter Maffay hat
die Ewigkeit entdeckt.
Klar, das sind
alles die Ergebnisse der Interessen seiner Plattenfirma. Er selbst hat
damit nichts zu tun. Natürlich muss der Künstler leben und da
ist es gut, wenn der kommerzielle Teil des Geschäftes in den
Händen der Kaufleute liegt, damit sich das Künstlerherz frei
den Schwingen des Pegasus hingeben kann. Sicher hat sich da mein
neidischer Geist wohl getäuscht. Ich dachte Maffay wäre schon
reich. Wahrscheinlich alles verso...schenkt ? An Lilli....?
Man möchte
nicht intolerant wirken und ganz sicher und selbstverständlich
darf jeder seinen Neigungen und persönlichen Defiziten nachgehen
soviel er möchte (solange er niemand anderen schädigt usw.),
aber ich fand es schon immer seltsam peinlich, wenn Männer
über einem gewissen Alter ein Halbstarken-Image mit abgewetzten
Lederjacken verbreiten. Um die auf kotzgrünen Hintergrund
verewigten Texte im dunkel und schwarz gehaltenen Booklet:
Romantisierende Bilder von aufgereihten Gitarrentrophäen,
Hammondorgeltastaturen, ernst blickenden Musikern vor Verstärkern
und einem einzeln für sich stehenden Mikrofon überhöhen
die Studiosituation zu wertvoller Schöpfung dauernder Rockkultur,
ja idealisieren das Leben der Schöpfer selbst. Das freie, wilde
Rockmusikerdasein. Maffay mit verschmitzt hochgezogenem Mundwinkel
lässig vor einer Harley-Davidson. /(sind so krass Flammen auf den
Tank gemalt. Weißt schon: Burn.)/ Lieber würdig altern. Aber
egal. Alles kann verziehen werden, wenn die Mucke passt.
"Da draussen
warten deine Träume" Lieber Peter Maffay: Lass sie endlich
rein. Peter Maffay bewegt sich auf dem Level von Schülerbands.
Sorry Schülerbands, darunter natürlich. Ich verstehe das
nicht. Außer es könnte sein er ist einfach so, kann es nicht
besser, will es nicht anders. Nicht die Produktion ist mangelhaft. Die
Produktion ist top. Die Instrumente klingen wie im Märchen, sind
fehlerlos, kristallklar. Eine unnötig lange Note am Ende des
ersten Liedes ...in seiner Stimme konnten sie nicht retten. Lies er
vielleicht aus dummen Stolz nicht retten .
Gequält
tiefgründige Texte optimistischer Ernsthaftigkeit, angeblicher
Lebenserfahrenheit. Weisheit des Gutmenschen. Immer einen
mitfühlenden Rat der Zuversichtlichkeit parat. Fassadentrost. "Ich
kann wenn ich will und ich weiß wenn ich will dann kann ich"
Kumpelhaft und jovial kommt Maffay uns. Poetisch. Paradox
philosophisch. Die Worte zu platt. Binsenweisheit. Für den
der´s mag .
Selbst
wenn ich die eine oder andere Konstruktion des Songs gern verfolgen
möchte, lenkt mich der Käse den Maffay da von sich gibt ab.
Die Musik.
So technisch einwandfrei sie sich präsentiert, klanglich
beängstigend
durchsichtig. Jeden Ton eines jeden einzelnen Instrumentes hört
man zu
jedem Zeitpunkt aus den Arrangements heraus. Die weniger stark
besetzten Nummern sind schlicht und sauber gemischt. Band- oder
Verstärkerrauschen, Geräusche, Mikropops, Trittschall oder
was sonst
auf einer Aufnahme stören könnte sind studiotechnisch
längst passé.
Aber das hier war teuer.
Schön. Produktion Eins Plus. Summa cum Laude. Maffay und seine
Band
bringen das gewiss auch angemessen auf die Bühne. Da braucht man
einen
so perfektionistischen Anspruch auch nicht. Maffay live gibt es auch
schon lange
.
Genussvolle
Bosheit erinnert sich gerne an die Zeit als Hochadel sich nach endlosem
Sehnen des Volkes auf Deutschland -- Tournee begab. Michael Jäger
und sein Geröll. Mit Klampfen-Richard und Carl Watt, ein William
Wiemann und Holz Ronnie. Damals mehr noch als heute ein Ereignis
geschichtlicher Dimension für die Fans. Dann wurde bekannt, dass
Peter Maffay mit seiner Band das Vorprogramm bei den Konzerten
bestreiten sollte. Man mutmaßte es sei eine Entscheidung des
Veranstalters die Popularität des Hauptacts ohne Rücksicht
auf Geschmack, Vorlieben und Wünsche des Publikums zur
Präsentation dieses deutschen Acts marketingmässig
auszunutzen. Niemand glaubte, die Stones hätten gewusst, wer
Maffay war oder die Musik selbst gehört. Man dachte, das kann
nicht sein, die wissen davon nichts. Ungebändigter Hohn wallte
durch die Rockgemeinde. Voller Abscheu, gezwungen zu sein sich vor dem
lang erwartet eigentlichen Genuss einem Schlagersänger das Ohr
leihen zu müssen, reiste man in die Stadien. Im Münchner
Olympiastadion handelte es sich um durchgängige BUH-Rufe und
Aufhören-Chöre. Als das Programm durch war, null Zugabe,
nein, frenetischer Verabschiebungsjubel. Grausam .
Offiziell war
Maffay (damals) als Vorgruppe der Stones natürlich ein Erfolg.
Meine Güte. Es ist schon nicht leicht Anheizer für die
lebendigen Feuergötter spielen zu müssen, wenn man den
richtigen Stand hat, wie die J.Geils Band. Mr.Wolf, deren Sänger
wusste wohl nicht, was er tat, kündigte er den zwischen seiner
ehrenvollen Formation und den Kerlen die zum Schluss spielen mussten,
zerdrückten, zermahlenden Peter Maffay an, in dem er das Publikum
mit Fragen nach ihrer Vorliebe für Schlager aufrüttelte.
Teilweise sollen Eier und Tomaten Richtung Bühne geflogen sein.
Maffays Management hätte wirklich kommerzielles Interesse hinter
mehr Feingefühl zurücktreten lassen können. Sowas
hätte nicht sein müssen. Seitdem hat Maffay eine
gehörige Fangemeinde hinter sich. Viele Konzerte gespielt.
Damals ging
immer das Gerücht Maffay, der selbst wirklich gar nichts drauf
habe, könne mit seinem Geld aus den Schlagerhits die guten Musiker
um sich scharen, welche dann den Job für ihn erledigten.
Wichtigster sei dabei sein dicklicher Gitarrist Frank Diez, welcher
optisch weniger Medienkompatibel doch der eigentliche musikalische
Könner war. Er benutzte z. B. die wegen des Designs eichenartig
wirkenden, dunklen Holzes und der japanischen Herkunft als
Wohnzimmergitarre verpönte IBANEZ "Musician", welche in Wahrheit
extrem gut und die Elektrik betreffend sehr innovativ war
.
Es kam Tabaluga.
Sehr erfolgreich. Kindermusicals sind immer gut. Tanzen, Singen,
Mitmachen. Riesenshow und alles was es braucht, um nicht anzuecken.
Hatte wohl autobiographische Züge der kleine Drache. Die Message
bisschen dürftig, aber gut. Ein Lied gefiel mir sogar richtig gut.
Ich erwarb die Platte, war von dem Rest enttäuscht und fand: Der
Song, welcher es mir angetan hat, war: nicht von Maffay. Gar nicht .
Man hat wieder
Kohle und reist um die Welt. Gewinnt Freunde. Ich möchte die
Aufrichtigkeit der Beziehungen nicht in Frage stellen. Aber wenn einer
in Länder kommt, deren Musiker und die Menschen insgesamt weniger
komfortabel situiert sind, werden Produktionsangebote eines
begüterten Musikers eher nicht ausgeschlagen. Und warum sollte man
sich nicht verstehen und jede Menge Spaß haben. Sich etwas darauf
einzubilden, was alle möglichen Künstler und auch Reisende
ohne musikalische Mittel seit Jahr und Tag immer wieder zustande
bringen, scheint einfach komisch. Nicht Jeder macht aus seinen
persönlichen Erfahrungen eine Platte. Nicht jeder hat die
Promotionmaschine sie so zu vermarkten. Begegnungen nennt man das. Wenn
man ein Maffay und ein Aushängeschild deutschen
Kulturverständnisses und Gutmenschentums ist bekommt man dann auch
noch den Fred Jay Preis. Wofür ist der?
Man hofft die
in der Ferne darb...lebenden Mitmusiker bekommen ihre Tantiemen und es
bleibt nicht alles in...zurück zu dieser Platte. "ewig" Die Musik
hat keine Eigenart. Technisch perfektes Handwerk. Musikalisches
Handwerk. Das sind alles so Schulbeispiele. Prüfung bestanden.
Aber wenn Sie handgefertigte Designerarmaturen in einem Marmorbad
haben, stellen Sie sich auch nicht rein und bewundern es als hohe
Kunst. Es bleibt Handwerk. Funktionell. Die ganze Platte wirkt kalt,
seelenlos. Da ist kein Genie. Es sind textlich wie musikalisch
furchtbare Plattitüden, Allerweltsinhalte mit großem Aufwand
technisch perfekt in Szene gesetzt. Maffay Fans finden dass sicher
klasse. Maffay gibt den Underdog -- Hero, ein Held der
Mittelmäßigen. Aber Rock, Rock´n´Roll ist
bekanntlich nicht nur Musik. Ist Rebellion gegen gefühlloses
Establishment. Ist Leidenschaft, Lebensgefühl. Rock ist ein Fels.
Roh. Er lebt von der natürlichen Lebendigkeit nicht
perfektionistisch sein zu wollen, zu müssen. Rock-Diamanten sind
ungeschliffen. Lässt sich ein Richards vielleicht liften?
Geschliffene Rock-Brillianten sind selten und dann von großer
Genialität. Das lässt sich nicht kaufen und nicht kopieren.
Der himmlische Funke findet sich in billigsten Erstlingswerken so gut
wie er in den teuersten Profiproduktionen mangeln kann. Es funktioniert
offenbar nicht Rock mit dem Anspruch ordentlichen Bürowesens zu
produzieren. Es gibt Schlager, viele gute, mit weit mehr Seele.
Rocker sind
Steine. Einfache Isarkiesel. Insgesamt unzählig und wie wir alle
nicht so herrlich. Doch ist keiner wie der Andere und jeder einzelne
mit unvergleichlichen Eigenarten. Edel auch ohne Schliff. Der einzelne
Fels als Teil der mächtigen Gebirge des Ganzen. Glänzend vom
noblen Staub der Landstrasse des alltäglichen Lebens. Ja,
Rock´n´Roll war Musik einer gesellschaftlich
benachteiligten Gruppe. Unterschicht. Menschen mit leidvollem Dasein.
Die nicht teilhaben konnten am Wohlstand des bürgerlichen
Käfigs. Es sind nicht die, welche klein beigegeben haben und
über den Weg des geringsten Widerstandes sich im Regelwerk der
Konventionen eingenistet ihre Träume und Freiheit an die
Fernsehunterhaltung verkauft haben. Zu feige waren den
Herausforderungen des Lebens die Stirn zu bieten. Sorry, unterordnende
Anpassung und Rock gehen nicht zusammen. Da müsste man sich schon
entscheiden. Das Ganze hat den Charme einer Hausratsversicherung.
Meinetwegen einer für eine Villa am See. Trotzdem müssen die
Fans von P.M. wohl Versicherungsvertreter sein, die auch so gerne
Rocker wären und in Wirklichkeit im tiefsten Inneren ihrer Seele
eigentlich wild und frei sind. Hätten sein wollen.
"Ich kann
wenn ich und ich weiß wenn ich will dann kann ich." Wurde
als die Entscheidung anstand eben doch die dumpfe Ruhe Utopiens
gewählt und man wählte, wie es heißt einen
bürgerlichen Beruf? Ist ja auch vernünftiger. Können ja
nicht alle Rockstars werden. Macht der Peter schon für uns. Reist
um die Welt, macht Begegnungen, Musicals für unsere Kinder, ist
ein kleiner Drache, spuckt Feuer so zur Schau und hat eine Harley
Davidson...aber nie über die Stränge. Nichts , was uns
beunruhigt. Maffay betreibt den Spagat zwischen Rebellion und
gesellschaftsfähigen Konventionen. In alten Märchen
läuft das unter Seele verkauft. Dann sieht man auf politischen
Infokanal: Einsatz für Kinderrechte, Küsschen für
Ministerinchen (sieht aus wie Lilli...), Freundschaft auf höchster
Ebene. Der erfolgreiche Rebell-Musiker und die etablierte Familienfrau.
Das muss doch ehrlich gemeint sein. Dafür und damit unterbricht
man den Redner und eigentlich unhöflich den Fluss der
Veranstaltung, welcher man gerade noch hochachtungsvoller
Aufmerksamkeit der ernsten Sache wegen ständig sein würdig
bedeutsames Gesicht ins Publikum geworfen hatte. Die persönliche
Vertrautheit der Privilegierten gestattet sich die Extravaganz.
Inszeniert, auch das. Die Teilnahme ist gespielt. Maffay glaubt sich
wirklich. Wie so vielen gelingt es ihm nicht mehr wirklich spontan zu
sein. Wie seine Lieder ist sein Verhalten derart planmäßig
trainiert, dass seine Persönlichkeit oder was man dafür
hält, davon übrig ist nur mehr diese Stereotypen an den Tag
legt und sie deshalb als solche hingenommen werden müssen.
Betroffenheit geht so, Interesse so und wieder herzliche Aufmerksamkeit
anders. *Die festgelegten Signale sagen: jetzt ist Mitgefühl. Ich
sende dir das Signal Mitgefühl und du projizierst all deine
Wünsche an das Mitgefühl da hinein. Dann ist es doch fast wie
echtes Mitgefühl. .
There´
s no business, like Showbusiness.Viele Leute nehmen lieber diese
Second Hand Emotions. In Ermangelung echter Empfindungen. Sind auch
leichter zu ertragen, weniger gefährlich, werden nicht
schmerzlich. Aber war das nicht das Problem? Authentizität
hieß die politisch korrekte Worthülse für das, was die
geschundenen Seelen brauchen. Alles andere hält nur solange die
Fassade nicht bröckelt. Sonst fliegt der Schwindel auf. Und was
passiert dann mit der Glaubwürdigkeit? Ach ist schon zu oft
passiert .
"Wir
müssen die Zeichen sehen" singt Maffay. Könnte klappen.
P.S.: Gleich
darauf legte ich zum ersten Mal "MEDUSA" von Annie
Lennox auf. Eine ältere Produktion mit sehr viel
künstlich, elektronischen Klangerzeugern. Lauter bekannte Lieder.
Das ist kein Rock und ohne Anspruch an Rebellion. Klar, Lennox ist
etabliert genug und kann singen. Wie auch immer kann trotzdem einiges
schiefgehen, wenn man nach dauerhaften (Chart-)Erfolgen einer
langjährigen Formation (EURHYTMICS) plötzlich
Solopfade einschlägt. Vielleicht lag es auch an dem so schmalen
Eindruck der Maffay CD. Fakt ist: Die hat es. Das weißt du nach
drei Sekunden.
P.P.S.: Am
folgenden Tag war es Johnny Cash mit "American V". Ein alter
Mann singt alte Lieder. Begleitet von ein paar guten Musikern mit
wenigen Instrumenten. Ohne technischen Schnickschnack oder was.
Unendlich mehr Seele. Wahrheit. Intensität. Rock?
P.P.P.S.: Noch
mal, sorry, es soll ja welche gegeben haben, die ihn überlisten
konnten. Aber einmal die Seele an den Kommerzschlagerteufel verkauft,
gibt der sie bekanntlich nie wieder her. So war das eben mit der
Verdammnis: EWIG. So gesehen passt der Titel.
P.P.P.P.S.:
Leider auch das nur Kommerzschlagerteufelchen. Der wahre SATAN kauft
nur echte Rockerseelen (Stones) und macht es nicht unter Metallica
;-) Bleibt noch die Frage, wer eigentlich die Seelen der Scorpions
gekauft hat? Daher bezieht sich der Titel doch nur darauf, dass das
Durchhören der gesamten CD, um nicht vorschnell zu urteilen und
jeder Nummer eine Chance zu geben, sich ob dessen, was dies an
subjektivem Zeitempfinden hervorruft schlicht an Ewigkeitserfahrungen
grenzt. :-(
P.P.P.P.P.S.:
Erst kürzlich kam ein Konzertmitschnitt neueren Datums im TV -
irgendein Jubiläum - da konnte ich nicht umhin meine Darstellung
zu überprüfen, schaltete aber bald um. Beim Zappen geriet ich
zurück in die Zugabe: "Und es war Sommer". Genüsslich trieb
er den Song auf die Spitze in einem lang ausufernden "und es waar
Soooommmmmmeeeeeer" a Capella. Freudestrahlend (er) schloss so das
Konzert.
Sind es nicht die erfolgreichsten Titel, die es in die Zugabe von
Konzerten schaffen ? Sind es diese Titel , die das Publikum am meisten
schätzt ? Die alle vorangegangenen übertreffen und vergessen
machen (gute Idee) ? Die ihn selbst auch am meisten freuen, er am
besten singt ? Rocker oder Schlagersänger ?
Da hilft es auch nichts , wenn man bei Markus Lanz oder wo in der
Talkschow weil man alt ist , als einzigen (sic?) Irrtum der Karriere
reumütig die obig beschriebene Stones Tour angibt und vergeblich
anführt, man wäre ob der Jugend einfach so stolz gewesen mit
diesen Grössen die Bühne teilen zu dürfen, das man den
einen oder anderen Aspekt nicht erkannte. Bei allem Verstädnis
für den Wunsch auf der selben Bühne stehen zu können,
gibt es doch exakte Begriffe für diese Art von Irrtum.
Und dann war da noch Thomas der M-Stein, der auch ´mal in so
einer Interview - Situation gesagt hat, woran es eventuell gelegen
haben könnte.
Aber egal, es
ist Showbiz. Eben Unterhaltung und er spendet ja viel, der Peter.
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Afrikanische Seele
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| Interpret/Komponist: |
Khadja Nin |
| Titel: |
Sambolera |
| Tracks: |
11 |
| Label: |
Ariola (Sony Music) |
| Website: |
www.khadja-nin.com |
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Khadja Nin hat
sich seit ihrem letzten Album YA ! 1998 weitgehend aus dem
Musikgeschäft zurückgezogen und ist inzwischen mit dem
ehemals sehr erfolgreichen Rennfahrer Jackie Ickx verheiratet. Ihr
Bekanntheitsgrad in Deutschland ist zu unrecht gering und ihre Alben
waren und sind in den Läden kaum vorrätig. Die
Veröffentlichungen Khadja Nin 1992, Ya Pili…
(von den Vögeln) 1994, die oben genannte letzte und die hier
besprochene Compilation Sambolera mit "Best of…“ – Charakter
wurden in Belgien bzw. Frankreich veröffentlicht, wo Khadja Nin
seit langem lebt und Ansehen genießt.
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Sie arbeitet im
Wohltätigkeitsbereich und an humanitären Projekten vor allem
für die Menschen ihrer Heimat Afrika. Ursprünglich in Burundi
geboren, sang sie wie alle Afrikaner schon von Kind auf, imitierte und
wünschte die leider jüngst verstorbene Gesangsikone Afrikas,
Myriam Makeba zu sein. Ihr selbstbewusste Ziele, tragische Stationen,
glückliche Wendungen und große Erfolge aufweisender
Lebenslauf findet sich ausführlich auf ihrer Webpage allerdings
nur in englisch und französisch. Zusammenfassung in Deutsch auf
Wikipedia.
In einer Zeit
großen Unglücks wurde Khadja Nin und ihre tiefe, volle
Stimme mit dem hypnotischen Klang afrikanischer Magie von dem
etablierten Multiinstrumentalist, Produzent und Komponist Nicolasz
Fishman als "vom Himmel gesandte Prinzessin“ entdeckt und es kam zu
dieser fruchtbaren musikalischen Zusammenarbeit. Sambolera
wurde natürlich wegen der gelungenen Songzusammenstellung zur
Besprechung als repräsentativ gewählt. Mit diesem Album
gelang den beiden auch der Durchbruch. Die Lieder reichen vom
Persönlichen, über Weisheit und Spirituellem, sowie
Politischem bis zur Situation der Völker Afrikas. Die meisten sind
in den wunderbar klangvollen, vokalreichen Sprachen Kisuaheli oder
Kirundi verfasst, eines in Französisch.
Der Titelsong Sambolera
Mayi Son ist quasi metapolitisch. Der Text spricht von der
Selbstüberschätzung mächtiger Männer, ihren Irrtum
sich für göttlich zu halten, Ihre Behauptungen ihr Mangel an
Mitgefühl sei gottgewollte Herrschaft, ihr Krieg und ihre Morde
geführt im Namen des Herrn, ihre Selbsttäuschung, Lügen
und leeren Worte. Der Song spricht zu einem Hoffnungsträger. Das
frische Free ist eine Adaption von Stevie Wonder in Kadjas
Muttersprache und mag die Erfahrung einer eigenen Befreiung
wiedergeben. Diese Nummer ist nur auf dieser Scheibe. Schöne
Geltung verschaffen die ruhigen Stücke Wale Watu und Mama
Lusiya - Mutter Erde, dieser einzigartigen Stimme. Save Us,
textlich ein Hilferuf der Völker Afrikas´, musikalisch eine
schnelle, hoffnungsvolle Tanznummer. Ballade, Midtempo und der
hochfröhliche Zouk-Titel (Zouk: Afrikanischer
Populärmusikstil, wörtlich übersetzt bedeutet es Markt)
über den Freiheitsheld Barik Fall folgen. Nach zwei wieder
beschwörender klingenden Nummern ihrer rauchigen Stimme
schließt das Werk mit dem unvergleichlich schönen Lied
über die verborgene Liebe einer demütigen Frau: "Du mein
Leben, lass mich für dich singen…“
Die
Musik ist eindeutig von sowohl starken afrikanischen Einflüssen,
wie
auch vom charakteristisch, französisch-belgischen Stil
geprägt. Die
historischen Verbindungen der Nationen ist bekannt. Die Kompositionen
Fishmans sind ebenso angenehm, zugänglich wie klar und von
sicherer
Beherrschung des musikalischen Handwerks und Instrumentariums zeugend.
Dabei originell und originär. Steht die kräftig
fürsorglich klingende
Stimme Khadja Nins, deren tiefe, aus den eigenen Erfahrungen gewonnene
Menschlichkeit den Hörer in mystischer Weise wie ein Geschenk des
Himmels berührt, im Vordergrund, steht zum Glück die
Qualität, der sie
begleitenden Musik in keiner Weise dahinter zurück. Es ist eine
seltene
Symbiose künstlerischer Persönlichkeiten, von hervorragenden
Musikern
und klangvollem Background in familiärer Gemeinschaft
unterstützt.
Technische Qualität ohne Makel. Druckvoll, dynamisch und
durchsichtig.
Die Texte finden sich im Original und englischer Übersetzung im
Booklet
mit Bildern.
Die letzte
Nummer, das Liebeslied Bwana C. findet sich schon auf der
ersten Scheibe, ist hier aber wirklich nur einen Funken langsamer (4:39
statt 4:20) und ein bisschen "weicher“ gemischt, wodurch es für
meine Einschätzung sehr gewinnt.
Khadja Nin
selbst wirkt scheu und empfindsam. So sicher und kräftig die
Stimme ist, so leicht verraten Mimik und Bewegung das kindlich
verletzliche Seelenwesen der Schönheit. Ihre Backgroundvocalisten
nennt sie "Bruder" und "Schwester" und verkündet in ihrer
glaubwürdig bestimmten Bescheidenheit: "I am not the boss, I am
only in the front.“ In einer ihr eigenen Art der Demut, weiß sie:
"No-one gets anywhere alone.“ Ein Grossteil der Atmosphäre
entsteht gerade durch den für Afrika typischen Harmoniegesang,
welcher die seelische Einheit, die gesunde, natürliche Kraft
dieser Menschen im Glück spendenden Zusammenklang ihrer stolzen
Stimmen wiedergibt und überträgt. Fragile
Souveränität.
|
| Nicht gealtert sondern gereift
|
|
| Interpret/Komponist: |
Bee Gees |
| Titel: |
This is where I came in |
| Tracks: |
12 |
| Label: |
Rhino (Warner) |
| Website: |
www.beegeesonline.com |
|
Die Bee Gees
Historie hier insgesamt zu referieren sprengt zweifellos den Rahmen und
jeder kann sich über das allgemein Bekannte hinaus selbst im
Internet informieren. Jenseits geschmacklicher Vorlieben und
möglicher Kritik an einzelnen Phasen der Karriere wie Discosounds
in "Saturday
Night Fever“ und Wuiselschnulzen à la "How deep is your
Love“ sind sie ein außergewöhnlicher Glücksfall der
Pop-Geschichte.
Sehr viele
Faktoren, wie Begabung, Talent, Ausdauer, Unterstützung, Feedback,
Zeit und Umstände…ließen diese Familie für lange Zeit
erfolgreich sein und genießen, die Möglichkeit das Geschenk
ihrer kreativen Potentiale auszuarbeiten und mit der Welt zu teilen.
Dies ist reife
Musik, die auch Ansprüchen erwachsener Geister entspricht und weit
über dümmlich kommerzielle Produkte trögen
Zeitvertreibes, vordergründiger Reizstimulierung und Bewirtung
platter Klischees präadoleszenter Lebensperspektiven, welche sich
nicht zu schade sind, hinter bedeutungsschwangeren Namen wie
"Übergrund“ und "Vorluder“ aufzubauen, reicht. Ohne Jagd auf
äusserliche Erfolgsbeweise.
Pop-Musik kann
Wahrheit und Tiefe vermitteln. Einfach und deshalb unmittelbar sein. Es
besteht kein Zwang zu verblöden. Nicht überlebensgroß,
dafür ein schöner Teil des wirklichen Lebens. Eben Kunst.
Das Rad wird
nicht neu erfunden, aber es hat ganz wunderbare Songs. Schöne,
geschickte und fraglos perfekt, jedoch nicht aufdringlich oder
überspannt produzierte Arrangements. Besonders Nummern wie "This
is Where I came in“, "Sacred Trust“ (sehr schön und
textlich von menschlicher Klugheit beseelt), das vom verstorbenen
Maurice Gibb geschriebene "Man in the Middle“ sind erfreuliche
Beispiele außergewöhnlicher Intensität klarsichtiger
Empfindungen der Dinge des Daseins. Das ist "nur“ Pop-Musik. Mehr will
sie nicht sein. Exzellent ist sie.
Mit
Veröffentlichung zum erwartungsüberfrachteten Jahr 2000 nun
schon nicht mehr ganz aktuell, ist dies moderne Musik, zeitlos und
aktuell. Die Bee Gees beweisen, nein, das ist nicht
nötig, sie machen es eben, dass sie nicht die vergangenen Erfolge,
womöglich aus rein finanziellen Interessen wiederkäuen und
die Karikatur ihrer selbst werden. Sie sind nicht gealtert, sondern
gereift. Sie verstehen ihr Handwerk, wurden nicht Opfer von Skandal,
Sucht, Größenwahn, weder ihrer selbst, noch Opfer der Massen
oder der Medien.
Schöne,
sauber gestaltete Aufmachung. Booklet mit allen Texten, schlichte
Bilder mit leichter Reminiszenz an die Anfänge. Nicht
überkandidelt.
Qualität unprätentiöser Souveränität. Wir
machen es, weil das unser
Beruf ist. Unser Leben. Danke!
|
| Gelungen
|
|
| Interpret/Komponist: |
Diverse |
| Titel: |
Bossa N Stones 1 & 2 Ltd. Edition |
| Tracks: |
24 auf 2 CDs |
| Label: |
Atlantic / WEA |
| Website: |
|
|
Was soll das
denn werden? fragt sich vielleicht mancher bei einer solchen
Kombination oder dreht es sich hier gar nicht um die Rolling
Stones? Ja, doch, es sind ausschließlich Stones Nummern
auf diesen beiden einzeln erhältlichen Scheiben. Tendenziell
Klassiker. Selbstverständlich ohne Anspruch auf
Vollständigkeit. Wie sollten das 24 Titel ermöglichen?
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Verschiedene
Interpreten und Teams waren am Werk die Songs neu zu bearbeiten und
aufzunehmen. In Electro-Bossa-Stilistiken. Vielleicht ist das Nichts
für Stones-Fans, sicher nicht für Rockpuristen. Es
sei ihnen nicht vorenthalten. Und natürlich gebären solche
Crossoverprojekte, welche den Verdacht schüren,
mittelmäßige Knöpfchendreher versuchten sich an den
Erfolg großer Namen hängend ein paar Verkaufszahlen zu
generieren oftmals üblen Schrott trauriger Geschmacksverirrung.
(Man denke an mit symphonischem Bombast aufgeblasene Heroenversionen
des ohnehin schon strapazierten "Stairway to Heaven" durch die
Zusammenkunft mehrerer Gitarren-All-Stars. Eigentlich ist STH eine
super Nummer.) Ich selbst befürchtete so was. Weit gefehlt.
Das ist gelungen,
gelungen, gelungen!
Jedes Team
arrangierte nur einen Song und dann für die zweite Platte wieder
einen. Feinsinnig, vielschichtig, originelle Instrumentierung,
empfindsam und virtuos eingespielt...
Diese Leute
heißen SAO VINCENTE (muss man den kennen?), GROOVE DA PRAIA,
MICHELLE SIMONAL, URBAN LOVE (eh klar), BANDA DO SOL, aber auch USCHI.
Da
verändern sich die Tempi, Acoustic-Sets ersetzen E-Gitarren und "Jumpin
Jack Flash" gibt´s jetzt mit echtem Flötenriff. :-)
Voller
unerwarteter Farben, moderner Sounds, typischer Bossa Nova Merkmale und
südamerikanischer Rhythmik, karibischer Charakteristika. Die
Cowbell im Intro von "Honky Tonk Woman" gehörte einfach
trotzdem dazu und ist auch fester Bestandteil einer spezifischen
Percussion. Da muss die Verbindung sein. :-).
Die einzelnen
Lieder sind sicher Vorlieben ausgesetzt und die jeweilige Gestaltung
nicht minder. Einer wäre auf etwas neugierig gewesen, was hier
nicht vorkommt und Anderes findet er nicht so ...aber das ist klar.
Insgesamt
überzeugend schlüssige Arrangements, trotz der
ungewöhnlichen Paarung, welche keine Berührungspunkte zu
haben scheint. Schien, denn hier ist der Gegenbeweis, wie gut die
Nummern der Stones, die fremden Elemente vertragen. So wie
Bachs Werken eine Änderung der Instrumentierung nicht schadet, mag
dies belegen welche zeitlose Eleganz in Stones Werken liegt.
Laszive
Frauenstimmen hauchen in schwülstigem Ambiente hüftschwingend
die ewigen Wahrheiten der freien Liebe, Irrtum und Freude des Menschen,
Rebellenweisheit, Psychowahn und Sympathie für den Teufel.
Angelika, Brauner Zucker, Wilde Pferde wie bisher nie gehört.
Sind Ihnen die
Stones zu alt, die Songs ausgelutscht, wie? Hier kommen sie in wahrhaft
neuem Gewand. Gäbe es die Originale nicht, man dächte die
gehören so. Die jungen Frauen leisten ihr übriges. Die
wunderbaren Cover geben die Sache exzellent wieder: Weibliche
Hüften in Sticky-Fingers-Bikini.
It´s only
Rock´n Roll. I like it!
|
| Rockmusik mit Herz und Hirn
|
|
| Interpret/Komponist: |
Alice Cooper |
| Titel: |
Billion Dollar Babies |
| Tracks: |
10 |
| Label: |
Warner |
| Website: |
|
|
Alice Cooper,
der seinen weiblichen Künstlernamen angeblich per
Blätter-Fingerreintipp-Zufallsmethode aus dem Telefonbuch hat, ist
eine der All-Time-High-Legenden der Rockgeschichte, welche ohne eine
der absoluten Megaspitzen wie Zeppelin, Stones, Purple
usw. geworden zu sein, sich einen eigenen, unumstößlichen
Platz im Olymp der Rockhelden verdient hat. Dabei half womöglich
sein sehr spezifisches Gesamtkunstwerk, eines der weithin bekannt
populären und damals sehr extravaganten Markenzeichen waren seine
Liebesspiele auf der Bühne mit Riesenschlangen, welches aber genau
so gut einer breiten Zuhörerschaft als zu abgefahren hätte
verschlossen bleiben können. Fakt ist Alice Cooper erfindet sich
mit jedem Album neu und bleibt sich trotzdem treu. Wenn ich mich nicht
täusche tritt er sogar noch auf.
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1973 erschien
das spektakuläre "Billion Dollar Babies“ in der damaligen
Vinyl-Version mit einem aufwendigen Cover, welches durch
metallic-grün schimmernde Prägungsoptik eine
Schlangenledergeldbörse imitierte, die mit einer das Konterfei
eines mit Alice Cooper – Augen geschminktes Babies zeigenden
Goldmünze und Brillianten verziert war. Innen liegend befand sich
ein Billion-Dollar-Schein zum Herausnehmen. Die CD-Version wirkt gegen
diese 70er-Jahre Opulenz einfach voll "klein“.
Die Titelfolge
bietet eine abwechslungsreiche Sammlung.
1. Hello
, Hooray ! Eröffnungsnummer eines Rahmen, wie so oft bei
A.C.´s Alben bereits als zukünftige Bühnenshow in
Sequenzen zirkusartiger Szenen konzipiert
.
2. Raped
and Freezin´: spaßiger Titel über einen
abenteuerlichen Trip durch die Weite amerikanischer Landschaften. Gerne
werden solche Novellen, wie sie viele von uns in Ihrer Jugend erlebten,
im Rockgenre besungen.
3.
Elected: Der damalige Charthit. Politisch Lied ist hier kein
garstig Lied, sondern eine fette Rockhymne, die so allgemein, wie
treffend die korrupte Geilheit von Politikerpersönlichkeiten um
jeden Preis die Stimmen zur Macht auf sich zu vereinen, spiegelt.
Damals wie heute, hat sich kaum ´was geändert: "I wanna
be elected!“.
4. Die
Titelnummer: Billion Dollar Babies.
5. Unfinished
Sweet ist ein eigentlich aberwitziges Stück über
Zahnweh ( Rockmusik besingt eben nicht nur die hehren Werte
übermenschlicher Ideale ), den folgenden Zahnarztbesuch mit der
programmmusikalischen Ausgestaltung bis zu den nicht unerwarteten
Geräuschen einer spannend inszenierten Extraktion. Damals unser
Favorit. Danach: befreiende Klänge. Eine irre Kuriosität.
6. No
more Mr. Nice Guy: Über einen, dessen perfekte Bedienung
hehrer Ideale seine Umgebung derart angewidert, dass er sie eines
normalen Gesellschaftslebens aufgibt.
7. Generation
Landslide: Rockertypische Kritik an der bigotten
Oberflächlichkeit verlogenen Bürgertums, und 8. Sick Things
mit A.C.-mäßig gruseligen Inhalten.
9. Mary
Ann: Hier handelt es sich entgegen ersten Unterstellungen
nicht um eine der zur Zeit der VÖ und unter Musikern immer wieder
zu Liedern geronnenen Liebe eines bestimmten Wesens. Meist mystisch
meint man, es müsse sich immer um dieselbe Dame oder zwei davon,
Maria und Anna, handeln, von welchen der Eine oder Andere gerne
behaupten, sie sei(en) Ihnen bekannt, wüssten wer gemeint ist oder
hätten sogar regelmäßig mit ihr/ihnen zu tun.
Überhaupt handle es sich um poetisch übertragene Bedeutung.
In Wirklichkeit ist dieser schmissige Rockragtime ein Beweis, dass seit
Beethoven, Liszt, Chopin immer noch mitreißende Klaviermusik
geschrieben wird. Gaudium.
Zufrieden
schließt das Spektakel mit der passenden Abschlusserkenntnis: "I
love the dead“. Alle Texte – leider sehr klein – im Booklet. Reichlich
Ironie, Zynismus, Gesellschaftsspiegel.
Geiles Album.
Rockmusik mit Herz und Hirn und einer gehörigen Portion Spass am
Leben.
|
Plastikmusik von
Plastikflamingos auf
Plastikscheiben?
|
|
| Interpret/Komponist: |
Katy Perry |
| Titel: |
One of the Boys |
| Tracks: |
12 plus "Bonus" Track "I kissed a girl (Rock
Mix) plus Bonus Video "I kissed a girl" |
| Label: |
Capitol (EMI) |
| Website: |
- |
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Auf den erstem
Blick ist das ein ganz typisches aalglattes Medienprodukt einer der
großen kommerziellen Plattenfirmen. Mit allen charakteristischen
Merkmalen, die deren Gesetzen mit möglichst geringem Risiko
wirtschaftlichen Profit zu erzielen, entsprechen. Na und? Das wäre
nichts Neues.
Der Namenszug
in rosa Bonbonschrift vor Bilderbuchwolken über einer arrangierten
Idylle in der Katy auf einer Liege drapiert ist. In Hellblau darunter
der Titel. Klischeehafte Plattitüden wohin das Auge blickt. Die
ganze modernistisch aufgebrezelte Fifties-Attitüde ihres Outfits
und des gestellten Coverbildes sind 100% Retorte. Es steht da dieser
Kunststoffflamingo im Hintergrund vor dem Zaun. Wie als Symbol, welches
wiederholt, was Katy repräsentiert.
Antiseptisch ist
sie. Abwaschbar. Kaum vorstellbar, dass so ein Wesen eine Monatsblutung
bekommt. Doch mit Plastikbinden, die das Blut zwar nicht aufzusaugen
vermögen, aber das ist auch unnötig, da es selbst aus Plastik
nicht fließt und daher nur nach Bedarf hinzugefügt, quasi
angelegt und bei Zeiten wieder entfernt wird, wie Ohrringe.
Amerikanische
Prüderie scheint dafür verantwortlich zu sein. Darauf
spekuliert man als plausible Erklärung und doch könnte es
subtiler sein.
Singt das
Polystirolmädchen doch, davon unabsichtlich (Wieder nicht
aufgepasst?) ein anderes Mädchen geküsst zu haben. Zum
Glück trägt sie sich trotz der Verfehlung nicht mit
suizidalen Gedanken und rennt auch nicht zur Beichte. Der Song selbst
scheint die Beichte des aufwühlenden Erlebnisses. Überrascht
darüber, es habe auch irgendwie gefallen und schmecke
außerdem nach Kirschlutscher, untergräbt dies die Theorie
von einer Spießerikone.
Aus der
insgesamt doch in solchen Dingen weit entspannteren Warte Europas
weiß man nicht so recht, ob der Tabubruch lesbischer
Gefährdung einen Schritt sexueller Befreiung in Richtung
selbstbestimmter Weiblichkeit aus den als zu eng erfahrenen Grenzen
eingefahrener Bürgerlichkeit vermitteln soll oder es doch nur ein
auf verschiedene Zielgruppen zugeschnittenes Lockmittel kommerzieller
Strategie ist.
Nicht erst seit
Jahrtausendwende gelten erotische Signale in der Musikwelt als gern
gesehen und in der Musikindustrie als verkaufsfördernd. Sex sells.
Zweifellos gibt
es zahllose Aspiranten männlichen Geschlechts, die ihre Phantasien
an jungen Frauen mit Tendenz zu gleichgeschlechtlichen Experimenten
aufmachen. Da reicht die Zielgruppe von 13 bis 80. Das Katy dabei
hygienisch einwandfrei sein muss/darf hilft vermutlich bei der internen
Rechtfertigung der unter Umständen aufkommenden
Schuldgefühle. Ja was man sich aufgrund des anerzogenen, eigenen
Moralkorsetts nicht zugesteht und deshalb als besonders aufregend
empfindet (der sprichwörtliche Reiz des Verbotenen) verschafft
einem auch Unwohlsein durch irrationale Ängste, welche
gängigerweise durch den psychologischen Übersprungseffekt
äußerer Reinlichkeit kompensiert wird. So wäscht man
seine Hände in Unschuld.
Lassen sich
solche durchdachten und differenzierten Überlegungen in selbst den
professionellsten Marketingagenturen tatsächlich finden? Oder
bleibt das doch eine ziemlich unwahrscheinliche Spekulation? Immerhin
der bärtige Mann im Federbett von Perry am Ende des enthaltenen
Videos von "I kissed a girl" lässt Spekulationen zu. Was
sagt uns das kleine im Booklet als Adjutant Perrys auftauchende
Liebesvögelchen?
Naheliegender
ist die Zielgruppe bei sich in der sexuellen Entwicklungsphase
befindlichen Mädchen eben derartig bourgoiser Herkunft zu suchen,
welche sich gut mit Katy identifizieren könnten und eben genau
diese Konflikte aufgrund natürlicher Neugier erfahren
dürften. Wie erwähnt mag uns das in Europa herzlich kalt
lassen, in den U.S.A. sollte das Problem nicht unterschätzt
werden. Auf Jungmädchenidentifikation deuten auch die anderen
Songs und Texte. Diese finden sich vollständig im Booklet, was
trotz des qualitativ begrenzten Niveaus auf Überzeugung der
Urheber schließen lässt, sie wären wert umfassend
verstanden zu werden. Sie handeln allesamt von den weltbewegenden
Abenteuern eines heranwachsenden Fräuleins, die keinen Zweifel
daran lässt eine gewisse Unschuld ("Not a big deal, it´s
innocent"), mit dem Selbstverständnis traditioneller
Weiblichkeit und schon erwähntem Sauberkeitswunsch ( "I wanna
smell like roses") mit erotischer Experimentierfreudigkeit,
Neugier, Sehnsüchte und immer wieder auch Anspielungen auf
weitergehende Bedrohungen zu paaren. Es sind die oberflächlichen
Weltbilder eines Wesens, das sich klar zu konventionellen
Maßstäben bekennt und nur innerhalb dieses Gefängnisses
Pseudorebellion betreibt. Mag es auch als Verdienst anerkannt sein in
Zweifel fallenden Leidensgenossinnen die Sorge vor ewiger Verdammnis zu
nehmen, nur weil sie nicht an sich halten konnten der appetitlichen
Attraktion eines anderen Mädchens zu erliegen, so mündet die
Message letztlich doch immer in reinlicher Gefälligkeit
althergebrachten Rollenverständnisses.
Ein bisschen
Jungmädchen Machtanspruch, ein bisschen frech, ein
bisschen Weltschmerz, ein bisschen Hysterie, ein bisschen ....dies, ein
bisschen das und alles ist ein bisschen blass. Rosa. Nichts Neues
bietet die Produktion eben leider auch musikalisch. Die üblich
drei
Nummern, welche man hören kann. Der Rest bestätigt durch
absolute
Belanglosigkeit, die Belanglosigkeit der ganzen Sache. Ja es gibt
Auftragsschreiber, die schreiben einfach Musik ohne Seele, damit die
Platte voll wird. Na toll
Melodien und
Harmoniestrukturen hundertfach dagewesen und bewährt. Arrangements
ohne Originalität. Die Gitarristen mussten sich gefühlt haben
wie ein Sternekoch beim zwölfhundersten Spiegelei. Quantisierte
Plastiksounds en masse. Einerseits müssen die sich doch mit ihren
immer gleichen drei Liedern langsam langweilen, andererseits versteht
man, das Industrie, Musikindustrie gerne profitabel wirtschaften
möchte und dabei lieber auf Risiko verzichtet. Mit Kunst hat das
natürlich nichts zu tun. Muss es nicht. Kultur wäre
schön. Leider Fehlanzeige. Bleibt: Geschäft.
Selbst die
Lieder dieser einen Scheibe ähneln sich untereinander. Klar das
Publikum darf nicht verwirrt werden und möchte auch das, was
gefällt wiederholt wissen, nur merken darf es das nicht und
möchte es auch nicht merken. Selbsttäuschung ist ein
beliebtes Spiel unter Menschen.
Die
planmäßig auf den Charterfolg aufgesetzte Zweitsingle "Hot´n´Cold"
liefert ungefährliches Material, das mit den primitivsten Mitteln
des Erfolges musikalisch so absehbar ist, das es dem feinsinnigen Ohr
beim Hören regelrecht weh tut. Es sagt immer nur: Es gefällt
dir, weil es dir gefallen muss. Deine von uns darauf trainierte
Hörgewohnheit lässt keine Flucht zu. Harmoniefolge:
Aha-Effekt weil zigfach dagewesen, berechnetes Tanztempo
unterstützt durch den Drive des unerbittlichen 16tel HiHat der
elektronischen Datenverarbeitung. So klar und einfach
vordergründig wie der künstliche Geschmack von
Mikrowellenessen.
Auch der von
Katy mit Dave Stewart, Meister hochgeachteter Werke verfasste Song
erhebt sich leider nicht nennenswert über diesen Standard.
Wirklich dämlich ist ein angeblicher RockMix von "I Kissed a
Girl". Herhören: Rock wird alles, wenn man nur eine (dem
Klang nach zu urteilen nur gesampleten Gitarrenklängen
rührende und damit vollkommen antiseptisch klingenden) Spur
verzerrter -- da schüttelt sich das Spießerherz -- immer
gleicher, uninspirierter E-Gitarrenakkorde hinzufügt. Das ist
alles. Wie billig?
Ja, "I
kissed a Girl" hat einen irgendwie charakteristischen Sound, es
hat einen, wenngleich wenig spektakulären Hook, es ist ein, leider
penetranter Ohrwurm und es hat diese eine, kleine Message. Es ist ein
Hit. Ja, Katy Perry ist ein hübsches Mädchen. Das "I
kissed a Girl" Video vervollständigt die enhanced CD, obwohl
das Video eher keine historische Spitzenposition einnehmen wird. Wir
kennen es: Viele Mädchen wackeln schulterfrei, in
Spitzenstrümpfen umgeben von keimfreier Kunstseide,
Plüschhasen, Erdbeerkuchen und Blümlein durch die
allgegenwärtige Rosaheit unterdrückter Frivolität. Sind
die Produzenten doch aufrichtig zu uns? Wollten damit signalisieren:
Miss Rosa Plastikflamingo in einem geregelten Abenteuertraumpark als
Rettung vor der Kulisse des grauen Alltags. So kennen wir Amerika. So
sieht man es auf den Bildern des Booklets.
Alles das ist
aus Plastik. Nachgemacht. Perfekt. Industriell vervielfältigte
Massenware. Pflegeleicht und reproduzierbar. Katy, ein Flamingo.
Hübsch, sexy, rosa aber leider: aus Plastik. Zugegeben der
Grossteil meiner Kritik trifft auf einen überwiegenden Teil der
chartorientierten Veröffentlichungen der Musikindustrie zu und ist
gar nicht spezifisch für diese Scheibe oder Katy Perry, der im
übrigen persönlich vergönnt sei sich im Erfolg zu
sonnen. Was erwartet man? Nichts von den beschriebenen Eigenarten ist
überraschend. Allein das ist schon Teil des Problems. Vielmehr
geht es darum die Dinge richtig einzuordnen, richtig zu verstehen. Als
Werkzeug einer zivilisatorischen Unterhaltungsmaschine, als Produkt
eines Marktes und Mittel unbelastenden Zeitvertreibs erfüllt dies
Album seinen Zweck hervorragend. Da haben sie gute Arbeit geleistet.
Die wissen was sie tun. Kein Grund ihnen zu vergeben.
Es sind die
Früchte des BackTrayCovers und der hellroten Erdbeere auf dem
CD-Label: perfekt aber Plastik. Super für irreale Projektionen.
Vorsicht beim Reinbeißen. Nicht essbar!
Höchst
unwahrscheinlich, dass es je ein weiteres Album von Miss Perry geben
wird. Sie bleibt wohl eines der von der Industrie geschaffenen,
sprichwörtlichen One-Hit-Wonders, die nicht deshalb zu Wundern
werden, weil die natürlich trotzdem vorher nicht wissen konnten,
ob ihre Rechnung aufgeht. Vielleicht schieben sie ein zweites
hinterher, welches dann von so vielen haltlosen Fans blind gekauft
wird, bis sich herumspricht, dass nun gar nichts mehr dahinter ist,
aber es bis dahin immer noch mehr Profit erwirtschaftet, als manches
kunstfertige Werk wirklicher Musiker.
Eine Steigerung
der kommerziellen Plastik-Ikone ist ja auch schon da: Lady Gaga. Und
das führt mich zu weiter reichenden Analysen musikindustrieller
Zukunftsstrategien.
Stieg Larrson -
Verblendung - Ein amerikanischer Film
Land, Jahr: Deutschland / Dänemark
/ Schweden 2009
Regie: Niels Arden Oplev
Buch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg nach dem Buch von Stieg Larsson
Produzent: Lone Korslund, Soren Staermose
Musik: Jacob Groth
Darsteller: Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Sven-Bertil Taube, Peter
Andersson, Peter Haber, Marika Lagercrantz, Lena Endre
Länge: 129 min
Ein Journalist (genau: ILLUMINATI lässt grüssen, das hat man
jetzt einfach, Journalisten sind die einzigen,die noch Ethik und Moral
hochhalten in dieser Gesellschaft...) bekommt unerwartet einen Auftrag
eines wirklich sehr, sehr reichen Mannes aus einer wirklich sehr, sehr
althergebrachten Industriellenfamilie,
mit wirklich sehr, sehr exaltierten Individuen, ihren Neigungen und
entsprechendem Familiensinn, eine längst (40 Jahre oder so)
verschollene Nichte ausfindig zu machen.
Zu seiner Hilfe taucht eine junge Hackerin in´s Geschehen, die
noch ganz andere Probleme hat.
Später finden die beiden auch zueinander...ja, ja ich verate nicht
zuviel, denn das sind alles die Dinge,
die irgendwie kommen mussten.
Es ist das ein Thriller. Die Verfilmung eines der Bücher von Stieg
Larrson mit gleichem Titel das in angemessener Weise Teil einer - wer
rät´s ? - Triologie ist. Ist doch gleich ´was anderes
als nur ein Buch. Bestseller - ihr wisst schon.
Der Film ist, und das schreibe ich hier in aller Entschlossenheit,
absolut unterhaltend, wenn gleich ein wenig lang. Mit einer halben
Stunde strafferer Handlung, wäre ihm und dem Zuschauer ein
Gefallen getan. Super gemacht und trotz einzelner Kompliziertheiten
auch kontinuierlich. Er bietet gute Unterhaltung und thrill. Mit
Freigabe ab sechzehn ist er sogar ganz schön brutal. Die Bilder
könnten auch missinterpretiert werden und unreife oder
problematische Gemüter verwirren. Ich weiss nicht, ob die
teilweise schockierenden und sicherlich bewusst und mit gutem Grund
unangenehmen Szenen schon Sechzehnjährigen zugemutet werden
können / sollen.
Ansonsten besteht die Sache vordringlich bis ausschliesslich aus
schwarz-weiss malerischen Plattitüden und Klischées
türmen sich darin in vorsätzlich zu solchen gereinigter Form.
Der Journalist, der Grossindustrielle, seine Familie inklusive altem,
degeneriertem Nazi, die Hackerin im Resozialisierungsprogramm, der
sadistische Betreuer, die Sache zwischen dem Journalisten und ...
siehe oben....Hackerins Mutter....usw.....alles natürlich mit
Happy End.
Meine Mutter hätte gesagt: " Mei , es ist halt a amerikanischer
Film."
Stieg Larrson - Verdamnis
DVD Fortsetzung von das (Verblendung, das soeben darüber
besprochene Werk)
Filmtitel: Verdammnis
Land, Jahr: Deutschland / Dänemark / Schweden 2009
Länge: 152 min
Wem die "Verblendung" gefallen hat, wird wohl auch mit dieser Episode
froh werden. Letztlich ist es "dasselbe in Grün". Unrealistische
Allgemeinplätze nur noch flacher und weniger temporeich
inszeniert. Mehr Durcheinander in den Handlungsverläufen und
zusätzliche Figuren sollen wahrscheinlich den Eindruck erwecken,
es zeichne ein ausgeklügelteres Bild. Ende absehbar. Langweiliger.
Darin muss die Verdamnis liegen.
Einzig die indentifikationstaugliche Figur der Lisbeth Salander, welche
auch überzeugend gegeben wird, bietet eine durch die
Baukastenillusion scheinende Wirklichkeit.
Tatsächlich begegnete mir vor kurzem eine Maisacherin mit
offenkundigem Styling und auffälliger Ähnlichkeit mit dieser
Figur...Lisbeths are everywhere.
Mal sehen was die "Vergebung" bringt.
Stieg Larrson - Vergebung DVD Fortsetzung bzw. Abschluss der Triologie
Vergebung wäre schön. Viele Leute wünschen Sie sich,
ohne bereit zu sein,
selbst zu vergeben oder auch nur zur Reue. Angeblich wird
Lisbeth´s Unschuld (?)
bewiesen. Wozu dann Vergebung ? Offen gestanden weiss ich es nicht, da
ich den
Film nach etwa einem Drittel abgeschaltet hab´. Ja der dritte
Teil, baut für meinen
Geschmack noch ab. Vieleicht sind die Bücher besser. Ich erwarte
eher Steigerungen.
Vor allem wenn das Material bei Erstellung der Filme von Anfang an
vorliegt.
Oh es passiert schon , das zweite und gar dritte Teile nur
aufgewärmte Versionen sind
oder durch eine Überfrachtung mit Special Effects oder als reine
Materialschlachten
brillieren. Egal. Ich hab´s nicht zuende geschaut. Kann also
nicht urteilen, aber wenn ein
als Thriller angesetzter Film nach einem Drittel der zeit nicht
losgeht, mich nicht packt,
dann ist mir inzwischen einfach die Zeit zu schade. Muss am Alter
liegen.
Jedenfalls fehlt mir da ein Vervollständigungs- oder
Erledigungsdrang.
Sorry: Laaaaaaaaaaangweeieieieieieieieieilig.
Interpret: BLISS
Titel: Loveprayer
Tracks: 12
Spieldauer: 51:06
Label: Survival Records
Das Album mit dem
poetischen Titel von der Band mit dem vergnüglichen Namen ist
genauso so, wie die beiden heißen. Mit der
Erstveröffentlichung 1989 erzielte Bliss damit
außerhalb ihrer Heimat England, nämlich vor allem in
Deutschland, das was in der Branche ein Achtungserfolg genannt wird.
Nicht viel später
verschwand die Sache aufgrund von Unstimmigkeiten, deren Details so
wenig interessieren müssen, wie sie immer wieder vorkommen.
Glücklicherweise kam es 2007 zur Wiederveröffentlichung, so
dass wir in den Genuss kommen, die wunderbaren Songs mit der wirklich
hervorragend kraftvollen und raffinierten Stimme von Rachel Morrison
sogar in verbesserter Klangqualität auf CD hören zu
können.
Die
klug und trotz einheitlichen Line-Ups individuell instrumentierten
Nummern verzichten auf große Bläsersätze und
Hintergrundstreichorchester oder deren elektronischen Ersatz. Dabei
lassen sie die Farben und Möglichkeiten typischer Bandinstrumente
-
besonders charakteristisch hier die groovig, phaette Orgel - umso
schöner in den sehr durchsichtigen Arrangements hervortreten. Die
Spannweite reicht hier von ruhigen, bisweilen kontemplativen Balladen
origineller Coloeur jenseits vordergründigen Schmachtens nach
unerreichbaren Liebhabern, über erfolgreiches Mid-Tempo bis zu den
wiederum übliche Rockstandards weit übersteigenden,
rhythmisch ebenso
tight wie ausgeklügelten Schnellspielern.
Die Themen
beschränken sich nicht nur auf die erfüllte Liebe, sondern
steigen in emotionale Abgründe, wie sie auch entgegen dem
allgemeinen Beschwören entsprechender Gefühle in tiefere,
konkrete Details der Psyche vorwagen und mit dieser offenen
Authentizität betören. Der Charthit war damals "I hear
you call", kritische Frage: "How does it feel the morning
after?"
Mein persönlicher
Favorit "Won´t Let Go" besingt zur Abwechslung nicht die
Freuden erotischer Paarkonstrukte sondern fast hymnisch die Bedeutung
gesunder Familienbande und der zugehörigen Bandenliebe. Diese Band
hat einen eigenen Sound. Auch Teile, die sich musikalisch bekannt
anhören mögen, klingen neu und unterstützen die
facettenreiche, traumhaft selbstbewusste und megascharfe Stimme von
Lady Morrison.
Bliss hat noch
weitere Alben aufgenommen und in aktueller Formation geben sie auch
wieder Live-Konzerte.
Interpret: Them Crooked
Vultures
Titel: Them Crooked Vultures
Label: RCA 2009
Tracks: 13
Website: www.themcrookedvultures.com
Der Name der Band heisst übersetzt in etwa "De schiachen Geier".
Es handelt sich um durchaus bekannte Flugobjekte, die sich schon
(Dez.2009) in München
live mit einigem Erfolg beweisen durften und seit Erscheinung dieses
Albums Furore machen.
Mit dem Bassisten von Led Zeppelin, John Paul Jones gruppieren sich
Joshua Home (Queens of the Stone Age) und Dave Grohl (Drummer von
Nirvana).
Die Geschichte der "jungen" Band findet sich auf deren Webpage gut
erfasst.
Offen gestanden ereignet sich auf dem Album nicht unbedingt
spektakulär Neues.
Das erwartet man von alten Geiern nicht zwingend. Diese Inkonen
können sich natürlich leisten, das zu tun, was ihnen passt.
Und so ist anspruchsvoller Rock geboten. Vieleicht nicht modern, aber
die Qualitäten der erfahrenen Musiker mit modernen Mitteln
verwirklicht. Sicher ist es ebensowenig neu, dass sich Rockmusik im
Konzert unmittelbarer darstellt,
als auf Konserve und so heisst es, sei ein Konzertbesuch die erste Wahl.
Allerdings ist dieses Album weder kühl, noch überproduziert
oder Opfer kommerzieller Industrieinteressen. Die können Musik
machen, haben sich alle möglichen Nummern ausgedacht und spielen
die super ein. Der Eindruck, die alten Herren gönnten sich mal
wieder künstlerische Eskapaden lässt sich nicht vollkommen
leugnen. Bei solchen Grössen und dem entsprechend wertvollem
Ergebnis müsste man bedauern, wenn sie es der Welt nicht
aufdrängen, zur Verfügung stellen. Schliesslich hätte
auch keiner etwas gegen ein
weiteres Led Zeppelin oder Nirvana Album einzuwenden und die Mischung
macht´s.
Darf man nicht dankbar sein, wenn in einer Welt die den
volkswirtschaftlichen Schaden zum Masstab des Daseins und seiner
Unwägbarkeiten erhoben hat, Künstler die Möglichkeit
haben, uns teilhaben zu lassen an der Freiheit darüber zu stehen.
Eine Scheibe mit guter handgespielter Rockmusik so wie sie sein kann,
wenn die Kunst siegt.
Dazu braucht man weder Modellfratzen, noch Hochglanzjugend oder
Plastiksound.
Dazu gehört der realistische Humor ihres dreiköpfigen
Geierwappens:
Das Mögliche unmöglich machen.
Offenbar haben diese gesetzten Jünglinge Riesenlust auf Musik und
Konzerte.
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